Schmalspur
Schmalspur
Stadler: Erster Wasserstoffzug für Schmalspurstrecken enthüllt

Stadler und ARST (Trasporti Regionali Della Sardegna) haben heute eine Weltpremiere gefeiert: Gemeinsam präsentierten sie im Stadler-Inbetriebsetzungszentrum in Erlen den ersten Schmalspur-Wasserstoffzug SRHe 113.001 bestehend aus den drei Elementen 9083 4113 101-3, 9083 0113 201-9 und 9083 4113 001-5.

Nach den einleitenden Ansprachen und dem Verteilen der Modelle…

… lüftete sich der Schleier und der neue Triebzug wurde langsam enthüllt.



Die neuen Fahrzeuge werden voraussichtlich ab 2028 auf den ARST-Schmalspurstrecken von Sassari nach Sorso und Alghero verkehren, gleichzeitig aber auch den Flughafen Alghero über eine neu zu erbauende Stichstrecke von 6 km bedienen, die bei der Haltestelle Mamuntanas unweit Alghero an die Stammstrecke anschliesst. Der präsentierte Zug trug aber allerdings die Zielanzeige Monserrato (bei Cagliari).







Weitere Infos in NiK EA 6/26, S. 267 und geplant für die kommenden EA-Ausgaben.
Alle Fotos: Christian Ammann, SVEA
Endbahnhof mit Schloss: L’Isle
Die Meterspurbahn der Transports de la région Morges–Bière–Cossonay (MBC; ehemals BAM, Chemin de fer Bière–Apples–Morges) umfasst die Hauptlinie Bière–Morges sowie die weniger bekannte Zweiglinie Apples–L’Isle. Viele Bahnhöfe der MBC verfügen über barrierefreie Perrons und eine moderne, schlanke Infrastruktur. Im Endbahnhof L’Isle ist davon jedoch wenig zu sehen. Hier fühlt man sich in eine vergangene Zeit zurückversetzt.

Wer L’Isle mit dem Zug erreichen möchte, muss im Keilbahnhof Apples umsteigen. Der Triebwagen Be 4/4 (Stadler, Baujahre 2015/2016) steht zusammen mit dem Steuerwagen Bt 51 aus den 1980er-Jahren zur Fahrt zum Endbahnhof bereit.

Schon fast nostalgisch: Die Fenster des Steuerwagens Bt 51 lassen sich noch öffnen und ermöglichen einen Blick über das Jurafussplateau bis zum Mont Blanc (rechts der Bildmitte).

Von Morges am Genfersee bis Apples steigt die Linie um rund 260 Höhenmeter an. Ab Apples führt die Strecke durch eher flaches Gelände bis an den Jurasüdfuss.

Einfahrt in den Endbahnhof mit der bescheidenen Gleisanlage und der einständigen Remise.

In L’Isle bestehen Anschlüsse an die Buslinien der MBC.

Die Gleisenden in L’Isle: Die beiden linken Prellböcke sind sowohl für Schmalspurfahrzeuge mit +GF+ - Kupplung als auch für auf Rollböcken transportierte Normalspurfahrzeuge ausgelegt.

Das Ziel der Reise ist erreicht: L’Isle mit dem Schloss aus dem 17. Jahrhundert als Wahrzeichen.
Delegiertenversammlung SVEA in Bouveret

Die SVEA-Delegiertenversammlung vom 25./26. April 2026 wurde, vom Club des Amis du Swiss Vapeur Parc, dem Rail Club Riviera und der Museumsbahn Blonay–Chamby organisiert, mit toller Unterstützung durch die MOB und den Wettergott Petrus.

Foto: S. Jäckle
Die für viele recht lange Anreise lohnte sich, um vor dem Mittagessen noch den einzigartigen Swiss-Vapeur-Parc https://swissvapeur.ch zu besuchen.
Foto: S. Jäckle
Auch bot sich die Gelegenheit, einen Blick auf die „Echtdampf“-Schätze im bisherigen Depot zu werfen und anschliessend auch einen Blick ins künftige Museumsdepot, sh. übernächste Bilder. Es befindet sich noch im Bau und ist ein sehr begeisterndes und zukunftsweisendes Projekt.



Blick Richtung Schuppentore mit der im Bau befindlichen Hebeschiebebühne


Die anschliessende Delegiertenversammlung im Salle des Spectacles lief trotz aller Herausforderungen motivierend, zukunftsweisend und speditiv, so dass bis zur Abfahrt des Dampfschiffs nach Vevey um 17.14 noch reichlich Zeit blieb, um gemütlich am Hafen von Le Bouveret etwas zu verweilen.

Ausfahrt des Zugs nach St. Gingolph/Suisse

Und dann traf das Dampfschiff Italie ein, mit dem es über den Genfersee nach Vevey ging, dem Hotelbezug und Abendprogramm entgegen,

Der stolze neue Evo war mittlerweile schon längst in St-Gingolph/Suisse angekommen. Hier geht es aber seit Jahrzehnten nicht mehr weiter. 1938 war der Personenverkehr stillgelegt worden, 1988 der Güterverkehr, auch der Rive-Bleue-Express verschwand. Wann werden wohl die wunderschönen Projekten und noch schöneren Absichtserklärungen Wirklichkeit?

Auf uns DV-Teilnehmer wartete nun ein „flotter Marsch“ von der Schifflände in Vevey bis zum Bahnhof, dann die Fahrt zum Hotel Modern Times bei der MVR-Haltestelle Château-d’Hauteville, später die Fahrt nach Blonay, ein Spaziergang durch Blonay hoch zur Salle „Ancien-Stand“, der Apéro mit herrlichem Blick auf den Genfersee und der Galaabend, allerdings ohne Krawattenzwang. Zwischen 22 und 23 Uhr ging es dann mit der MVR wieder hinunter zum Hotel.

Am Sonntagmorgen, 26. April 2026 ging es ab Château-d’Hauteville um 9.41 nach Blonay. Wer schon früher aufstand, konnte dann in Blonay schon die Einfahrt unseres Extrazugs fotografieren, an der Spitze der Berninfabahn ABe 4/4 35 und die MOB-Veteranen B4 61 und BC4 22. Foto: B. Renaud.

Vor der Saisoneröffnung konnten wir nun mit unserem Extrazug auf BC-Besichtigungstour fahren, alles „für uns alleine“…

Der sanierte Viadukt Baye de Clarens, erneuert bis Frühjahr 2025.

Nach Spitzkehre in Chamby geht es rückwärts ins Museumsgelände von Chaulin und auf geführte Entdeckungsreise.

Blick auf die G 2 x 2/2 105 ex Zell -Todtnau

Die katalonische G 3/5 23 ex Olot -Girona, seit 1971 bei der BC.

Blick in einen Personenwagen des Genfer Trams

Der Charme der Schattenschriften (Leuk – Leukerbad) 
Monthey – Champéry – Morgins

Stillleben mit Kinderwagen


Neuenburger Tram

Sernftalbahn BCFe 2/2 4 in Arbeit.

Dies als völlig subjektive Impressionen, nebst vielen faszinierenden andern Fahrzeugen und Objekten, die unzählige Erinnerungen auslösen. Blonay -Chamby ist auch eine weite Reise wert. https://blonay-chamby.ch/

Nach dem ausgezeichneten Mittagessen stand nun der direkte Zug Chaulin – Montreux bereit, eine besondere Attraktion für die Teilnehmer.

Berninabahn inmitten von MOB/MVR-Fahrzeugen in Montreux.

Und wer nicht gleich auf den Anschlusszug hetzen musste, konnte noch dem typischen Manöver in Montreux beiwohnen: Zurückdrücken in die Steigung, dann fährt der Triebwagen in ein Gleis, die Wagen rollen in ein anderes…

…. halten unter Applaus schön vor dem Prellbock…

… und dann fährt der Triebwagen an die Spitze, das „Umfahrmanöver“ ist glücklich beendet.

Schlussbild mit Kapelle, verbunden mit dem ganz herzlichen Dank an die erwähnten drei Klubs für die grosse Arbeit, um diese unvergessliche und motivierende DV zu organisieren, und auch an „Petrus“. Es war toll.
Alle nicht anders bezeichneten Fotos vom Autor.
Kinderzootram Rapperswil eingeweiht

Am Freitagmittag, 30. Januar 2026 wurde das neue Tram im Kinderzoo Rapperswil eingeweiht. Es ersetzt das Ponytram von 1962, das 1974 vom Rösslitram ersetzt wurde und entstand als Gemeinschaftsprojekt des Kinderzoos, Stadler Rail und der Südostbahn. Weil wir dieses faszinierende „Leuchtturmprojekt in der Lehrlingsausbildung“ kurz im Eisenbahn Amateur im „NiK“ erwähnen werden, später aber einen ausführlicheren Artikel planen, folgen hier einfach einige Eindrücke und Schnappschüsse vom gelungenen Anlass, ohne viele Informationen. Einiges war ja auch in den allgemeinen Medien zu lesen.

Nach dem Klingeln der alten Rösslitramglocke durch eine offizielle Hand fährt der „kleine Traverso“ um 11.30 Uhr ein.

Die Fotografen sind bereit,


Das Einrichtungsfahrzeug von hinten, so entfernt erinnert er an den „Goldenen Sechser“, ja klar einen kupfernen…

Dann nehmen für die erste Runde die Ehrengäste Platz und die Fotografen treten erneut in Aktion.


Hier geht es vorbei am Rösslitramwagen, für den die SOB-Lehrlinge einen Gleisstumpen inkl. Abzweigweiche gebaut haben.

Die erste Rundfahrt geht glücklich ihrem Ende entgegen. Niemand denkt an eine gewisse Erleichterung beim Wagenführer, einem Stadler-Lernenden. Doch die Wiler Zeitung weiss es und berichtete, was er nach der gelungenen Fahrt meinte: „Stell dir mal vor, ich wäre mit den Knies hinten drin irgendwo stehen geblieben!“

Nun wird mit berechtigtem Stolz der Rollstuhllift vorgeführt



Auch Ständerat Benedikt Würth (Mitte) scheint diese Anlage zu begeistern. Doch nun geht es zum Fototermin mit den Lernenden.

Insgesamt 35 von insgesamt 250 Lernenden bei Stadler Rail waren an diesem tollen, zwei Jahre dauernden Projekt beteiligt, wovon der Leiter der Division Schweiz, Lucius Gehrig meinte, so richtig sei die Begeisterung gekommen, als es los ging.

Nun aber auch ein Gruppenbild zusammen mit den SOB-Lernenden !

Während die Lernenden langsam frieren, kommen zwei Beobachter mit warmem Pelz auch noch vorbei.



Und da hängt das Glöggli vom Pferdetram an seinem elektrischen Nachfolger.

Während des Steh-Lunchs beginnt das Schneegestöber. Also noch ein Blick ins Innere:

Der Führerstand


Blick in den Fahrgastraum

Und zum Abschluss noch ein paar Bilder unter dem Motto: Das neue Kinderzootram auf voller Fahrt unterwegs auf der kleinen aber feinen Parkbahn, die nun wohl auch einige „Fans“ von kleinen, speziellen Bähnchen wieder mal in den Kinderzoo bringen !



Die Fahrt mit den Lernenden von Stadler Rail.

Eintauchen in den grünen Tunnel

Und vorbei am Rösslitramwagen auf dem Gleisstumpen der SOB-Lernenden.

Und nun macht die Schulklasse aus dem „Luzernischen“ ihre Runde.

Vorbei am Bild des SOB-Traverso, der sie in denKinderzoo gebracht hat und wohl wieder nach Hause bringt.

Nochmals eine Winterstimmung am Teich

Also, eine schöne, toll gelungene Sache und ein faszinierendes Projekt, auf das wir gerne im Heft zurückkommen möchten.
Dienstfahrt auf den Chemins de fer de Provence
Von José Banaudo, Puget-Théniers

Am Freitag, 13. Dezember 2024 führte die frühere BB 1200 der Chemins de Fer de la Provence einen Dienstzug von Puget-Théniers nach Annot, zur Lokpersonalinstruktion und um den historischen Personenwagen B 506 zur Restaurierung abzuholen. Hier vor Abfahrt in Puget-Théniers.

Wer die Restaurierung dieser 1992 von den CP aus Nordspanien übernommenen Maschine nicht von Anfang an verfolgen konnte (detailliertere Lokgeschichte weiter unten): Das Team des GECP, das sich um diese Henschel-Lok , hatte beschlossen, ihr den Anstrich und die Nummer 1404 bei den FEVE zurückzugeben, also so, wie ich sie im August 1981 in Barreda, zwischen Santander und Torrelavega (Kantabrien) fotografieren konnte.

Auf der Brücke von La Trinité verlassen wir die Alpes Maritimes nach den Alpes de Provence.

Dann Ankunft in Pont-de-Gueydan.



Draussen ist es kalt. Ein Blick in den angenehm geheizten Führerstand.

In Annot erwartet uns ein grösseres Rangiermanöver. Die gemietete Windhoff-Draisine muss für den Zugang in die Remise umgestellt werden, um den B 506 (Desouches et David) hervorzuholen, damit er im Winter in Puget-Théniers restauriert werden kann. Im Frühjahr wird er dann wieder nach Annot gebracht und der B 505 kommt wieder nach Puget-Théniers für den regulären Betrieb.


Noch ein paar Angaben zur Lokomotive:
Fünf Henschel DH1200 Lokomotiven waren an die Compañia Minera de la Serra Menera (Strecke Ojos Negros–Sagunto ) ausgeliefert worden: 1964 die Nummern SM 1001, 1002 und 1003, 1966 die Nummern SM 1004 und 1005. Nachdem diese Bahn 1972 stillgelegt worden war, wegen Verlagerung der Eisenerztransport auf die parallele RENFE-Linie, wurden die fünf Maschinen an FEVE verkauft, wo sie 1973 in 1401 bis 1405 umnummeriert wurden. Die 1404 wurde 1992 an die CP verkauft, wo sie zur BB 1200 wurde, die 1405 kam 1997 an die Brohltalbahn, wo sie zur D 5 wurde. Die Loks 1401, 1402 und 1403 wurden 2007 an die Linea Belgrano Sur (LBS) in Argentinien verkauft. Sie sind seit 2013–2015 nicht mehr in Betrieb. Auf der CP wurde die BB 1200 bis 2020 für Arbeits-, Rettungs- und Schneeräumungszüge usw. eingesetzt. 2020 wurde sie durch die neue Socofer-Lokomotive ersetzt. Die Region verkaufte sie 2023 an das GECP, das sie aufarbeitete und 2024 wieder in Betrieb nahm. Sie dient als Reservelokomotive für die Mallet-Lokomotive, für Extrazüge oder Materialtransporte.

Nun kann der B 506 herausgeholt werden.

Der neu formierte Zug wartet nun auf Gleis 4 um die Hauptgleise frei zu lassen, wo sich die Züge 3 und 4 kreuzen werden. Das Personal macht nun Mittagspause.

Eine Stunde später wird der Zug auf Gleis 2 umgestellt, die Lok umfährt, die Bremsprobe wird gemacht und es geht nach Puget-Théniers zurück.




Auf der Rückfahrt gibt es nur einen Zwischenhalt in Entrevaux.

Ankunft in Puget-Théniers, bereits zur Dämmerung. Erneut folgen wieder einige Rangiermanöver, bis jeder Wagen an seinem richtigen Platz steht.
Text und alle Fotos: José Banaudo, Übersetzung: Christian Ammann
Neuer USB-Stick «75 Jahre EA»

Seit 75 Jahren gibt es den «Eisenbahn Amateur»; das gesamte Archiv der Zeitschrift seit 1947 ist auf einem USB-Stick als pdf-Daten erhältlich. In den Daten kann nach Stichworten gesucht werden, um herauszufinden, ob ein bestimmtes Thema im EA behandelt wurde. In Kombination mit Abo+ (damit sind die zukünftigen Ausgaben des EA als pdfs erhältlich) bietet der Stick somit ein ständig aktuelles Archiv für Recherchen oder einfach nur zum Blättern und Entdecken an.
Der Stick ist ab April 2023 im EA-Shop zu Fr. 64.– erhältlich.
Weichenerneuerung in Luzern am 18./19. März 2023
In Luzern wurden am Wochenende 18.–19. März 2023 7 Weichen erneuert. Aufgrund deren Lage und der Platzverhältnisse im Bereich der Langensand-Strassenbrücke ging das bloss mit einer Totalsperrung des Normalspurteils des Bahnhofs und Zufahrt ab Gütsch. Gearbeitet wurde in 7 Schichten. Gleichzeitig wurde die letzte Stahlbrücke der Strassenunterführung Kreuzstutz im Dienstbahnhof Gütsch durch eine Betonbrücke mit fester Fahrbahn ersetzt. Im Bereich der Perrongleise in der Bahnhofhalle konnten zahlreiche Reinigungsarbeiten erledigt werden.
Während der Weichenbau pünktlich am frühen Montagmorgen abgeschlossen werden konnte, kam es beim Brückeneinbau in Gütsch zu Schwierigkeiten, so dass das dritte Geis erst am Montagnachmittag wieder befahren werden konnte und bis dahin diverse Zusatzzüge ausfallen mussten.









Text und Fotos: Stephan Frei
Rheinbähnle – Widnaufahrt zum Rhy-Schopf

Der Artkel über die «Baustelle Alpenrhein» im EA 6/22 motivierte am 12. Juni zu einem spontanen Besuch am Zoll Widnau Wiesenrain. Das Rheinbähnle überquert dort auf der Fahrt von Lustenau nach Widnau auf der filigranen Strassenbrücke (erbaut 1914) den Rhein.

Auf der Nachmittagsfahrt von 15 Uhr – 17.30 Uhr zum Rhyschopf Widnau trifft der Zug aus Lustenau etwa um 15.30 Uhr auf der österreichischen Seite im Wiesenrain ein, wo wegen der Spitzkehre umfahren werden muss.

Nach Absperrung der Brücke für den Strassenverkehr geht es dann in stimmungsvoller Fahrt über den Rhein und weiter zum Rhyschopf.


Nach Umfahren mit der Lok kehrt der Zug von dort etwa 16.30 Uhr wieder nach Lustenau zurück.





In Widnau Wiesenrain wird etwa 16.45 Uhr wieder die Strassenbrücke passiert.




Die Unterwegszeiten sind nur ungefähre Anhaltspunkte für Fotografen, ohne Gewähr. Und natürlich soll der Blog auch auf die faszinierende Ausstellung Rheinschauen und das durch die Rheinkorrektion Rhesi bedrohte Rheinbähnle aufmerksam machen.https://www.rheinschauen.at/
Ein Wintertag zwischen Chur und Disentis

Für letzten Sonntag war in den Alpen Kaiserwetter angesagt. Spontan traf sich ein Clubkollege mit mir, um nach langer Zeit der Rhätischen Bahn mal wieder einen Besuch abzustatten. Am Sonntag, dem 13.2.22 fuhr auch der Dampfzug mit der G 4/5 107 von Landquart nach Sumvitg Cumpadials. Also noch ein Grund mehr, zeitig aufzustehen und in Richtung Graubünden aufzubrechen. Erste Station war der Bahnhof Castrisch in der Nähe von Ilanz. Castrisch lag gegen 10 Uhr noch im Schatten und es waren gefühlt bestimmt 8 Grad Minus.
















Eine Regenfahrt ins Centovalli
Margrit, ihr Mann Rene und ich sitzen gemütlich im Ristorante della Statione in Ponte Brolla unweit von Locarno. Jeder von uns hat eine grosse Pizza auf seinem Teller und ob der Grösse sind wir beim Essen schon am Kämpfen. Draussen regnet es dicke Bindfäden. Typisch Tessin, denn wenn es dort einmal zu regnen beginnt, dann hört es nicht mehr auf. Die fetten Wolken verharren zwischen den hohen Bergflanken und erleichtern sich um ihr Nass. Heute ist so ein Tag. Von der „Tessiner Sonnenstube“ ist nichts zu spüren.
Rene kann sich auf seine Pizza Prosciutto gar nicht richtig konzentrieren, denn bald einmal müsste der Nostalgietriebwagen der FART (Ferrovie autolinea regionali ticinese) von seiner Vormittagsfahrt aus Camedo zurückkehren. Als sich die Barrieren senken, stürmt er mit dem Foto bewaffnet nach draussen zum Perron. Der Triebwagen ABDe 6/6 31 hat Einfahrt in die Station Ponte Brolla. Nach einer Weile kommt Rene wie ein begossener Pudel wieder in die Gaststube zurück. Margrit und ich schauen uns schmunzelnd an.
Bis zur Nachmittagsfahrt haben wir noch zwei Stunden Zeit. Wir plaudern über unser Hobby und trinken noch in Ruhe einen Kaffee. Draussen wird der Regen zum Glück etwas schwächer, allerdings hängen die Wolken ganz tief in den Bergen und es ist sehr dunkel. An das Fotografieren von schnell fahrenden Zügen ist im Moment nicht zu denken. Nach dem Bezahlen begeben wir uns auf die kleine Station. Laut Fahrplan kreuzt der Nostalgiezug auf seiner zweiten Fahrt in Ponto Brolla einen planmässigen Regionalzug.
So langsam wird es Zeit und die Züge sollten anrollen. Die beiden Barrieren senken sich und der Extrazug fährt ganz langsam in die Station. Die drei grossen Frontscheinwerfer spiegeln sich auf den nassen Schwellen des Übergangs zum Mittelperron. Ein paar mit Regenschirmen bewaffnete Frauen warten auf den Regionalzug. Schade, dass es heute so ein Sauwetter hat. Wir können uns den Tag leider nicht aussuchen, da wir gerade am Lago Maggiore Ferien machen. Wir werden das Beste daraus machen.

Da wir den Zug mit der bergigen Landschaft des Centovalli fotografieren möchten, steigen wir nicht in den Zug. Als der Triebwagen die Station Ponto Brollo verlassen hat, setzen wir uns ins Auto und fahren ihm in Richtung Camedo nach. Die Kantonsstrasse folgt weitgehend der Bahnstrecke. Vor Intragna haben wir den Triebwagen überholt. Gemächlich rumpelt er mit seinem vierachsigen blau-creme lackierten Anhänger über die grosse Stahlbrücke. In Intragna kreuzt der Nostalgiezug mit einem Personenzug.

So haben wir die Chance auf ein zweites Bild mit Sicht auf das Dorf Intragna. Oberhalb des Ortes hat es eine tolle Fotostelle mit Blick auf die Kirche San Gottardo. Tief unten überquert die FART ein in einer Kurve liegendes Steinviadukt. Wie schön muss die ganze Szenerie wohl bei Sonnenschein sein? Daran darf ich gar nicht denken. Trotz des bescheidenen Wetters warten hier noch weitere Fotografen auf den Zug. Ganz langsam fährt er quietschend durch die engen Bögen. Es gelingen uns fast mystische Aufnahmen. Die Scheinwerfer stahlen weit nach vorne und leuchten alles in warmen Gelbtönen aus.
Die Strasse wird immer kurviger und schmäler. Sie schmiegt sich an den steilen Bergverlauf. Mit vielen engen Kurven und durch einige kürzere Tunnels gewinnt die Bahnlinie zügig an Höhe. Bei Km. 13 ab Locarno folgt die Grenzstation Camedo. Danach führt die Strecke weiter nach Italien. Bis Domodossola sind es insgesamt 46 Km.
Unser Nostalgiezug endet heute in Camedo. Nach dem Abkuppeln muss der Triebwagen den Personenwagen umfahren. Der Anhänger C 120 ist aus den zwanziger Jahren. Innen ist er mit Holzbänken und historischen Deckenlampen ausgestattet. Bei der kalten Witterung sind die Scheiben durch die hohe Luftfeuchtigkeit beschlagen. Trotz des trüben Wetters herrscht bei den Mitreisenden eine ausgelassene Stimmung. Unter dem Dach des Stationsgebäudes steht ein „Empfangskomitee“ von Einheimischen. Ein älterer Mann gibt mit seiner Ziehharmonika und unter tatkräftigem Singen seiner Unterstützerinnen folkloristisches Liedgut zum Besten.


Der Bahnhof ist natürlich nicht mehr durch örtliches Personal besetzt. So muss der Wagenführer zum Umfahren des Personenwagens den Triebwagen nach der Ausfahrtweiche anhalten und zu Fuss zum Stationsgebäude gehen. In der Wand des Stationsgebäudes befindet sich in einem Schaltschrank das Stellwerk. Dort stellt der Wagenführer die Weichen für die Rangierfahrt auf Ablenkung. Zurück im Triebwagen wird erstmal laut gepfiffen. Dann setzt sich der Triebwagen langsam in Fahrt und rumpelt über die Weiche durch das Ausweichgleis. Bevor er den Personenwagen wieder Ankuppeln kann, muss er nochmals zum Stellwerk laufen und die beiden Weichen wieder umstellen. Nachdem die Rangierarbeiten erledigt sind, hat das Personal eine halbe Stunde Pause.


Jetzt ist die Zeit für Standfotos und Gespräche mit dem freundlichen Personal. Der Triebwagenführer und sein Kondukteur führen die Nostalgiefahren in ihrer Freizeit ehrenamtlich aus. Die FART stellt dafür die Fahrzeuge zur Verfügung. Nur auf dieser Basis können diese nostalgischen Extrafahrten angeboten werden. Der Triebwagen ABDe 6/6 31 wurde 1962 von Schindler Waggon in Pratteln erbaut. Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre beschaffte die FART und ihr Italienisches Pendant SSIF (societa subalpina di imprese ferroviarie) mehrere Triebwagen in zweiteiliger und dreiteiliger Ausführung. Sie bildeten lange Jahre das Rückgrat des Personenverkehrs im Centovalli. In den neunziger Jahren wurden sie durch modernere Triebwagen abgelöst. Noch dient unser Nostalgietriebwagen als eiserne Reserve. Ende kommenden Jahres wird Stadler der FART acht neue behindertengerechte Triebwagen liefern. Je vier drei- und vierteilige Triebwagen. Ob die nostalgischen Extrafahrten weiterhin mit dem alten Triebwagen angeboten werden können, ist noch nicht bekannt. Es wäre natürlich schön, wenn aus der Epoche der sechziger Jahre weiterhin dieser schmucke Triebwagen für Sonderfahrten zur Verfügung stünde.

Die Abfahrtszeit für die Rückfahrt nach Locarno naht. Langsam gehen wir zum Auto zurück. Nach Camedo überquert die Bahn das grosse Ruinacci Stahlviadukt. Dieses überspannt ein tiefes Seitental. Unten fliesst friedlich der Fluss, hoch oben überquert der blau-creme Zug diese Schlucht. Wir fahren über die Kantonsstrasse weiter talwärts. Nach einer engen Kurve führt ein hohes Steinviadukt direkt über die Strasse. Wie eine Miniaturbahn fährt die nostalgische Komposition mit höchstens 40 km/h darüber. Nach dem Haltepunkt Carcapole gelingen uns weitere Bilder. Die Strasse und Bahn kleben an den steilen Wiesenhängen.

Der Regen hat mittlerweile zum Glück aufgehört und ganz hinten im engen Bergtal lockert die Wolkendecke sogar auf. Unser Zug ist nun zügig talwärts unterwegs. Ein letztes Fotomotiv gelingt uns bei Tegna mit der Kirche S. Maria Assunta.
Mit einigen guten Bildern fahren wir zufrieden nach Locarno zurück. Margit und Rene verabschieden sich von mir. Unser Wunsch ist, die ganze Fahrt bei sonnigem Wetter nochmals zu wiederholen. Wer weiss, vielleicht gibt es in diesem Jahr wieder Gelegenheit dazu. Dann freuen wir uns auf die Tessiner Sonnenstube und das südliche Flair des Centovalli Tals. Und natürlich auf ein Wiedersehen mit dem netten Zugpersonal.


Die Konzession/Genehmigung für die Fahrten in diesem Jahr sind beim BAV in der Genehmigungsphase. Sie finden einmal im Monat an einem Sonntag statt. Es wird jeweils eine Fahrt am Vor- und am Nachmittag von Locarno nach Camedo angeboten. Näheres unter www.vigezzinacentovalli.com/de
Alle Bilder wurden am 19. September 2021 aufgenommen.
Von Herrn R. Schulter aus Basel haben wir zu diesem Blog in verdankenswerter Weise die folgenden historischen Bilder erhalten:





