08 Okt

Mit dem Seetalkrokodil 15301 nach Luzern

Unter dem Titel „Seetalbahn – Die unglaubliche Metamorphose einer Lokalbahn” veranstaltete die Schweizerische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte SGEG am 30. September 2017 eine Extrafahrt mit dem Seetalkrokodil De 6/6 15301 Hochdorf–Luzern–Hochdorf und eine Bereisungsfahrt mit zwei Oldtimerbussen entlang der aktuellen und aufgehobenen Strecken.

Wegen der fahrplanmässig fast unmöglich durchführbaren Fotohalte (dichter Fahrplan, schlanke Infrastruktur) bot sich für die Teilnehmer kaum Gelegenheit, die hervorragend restaurierte und gepflegte De 6/6 15301 (SLM/BBC 1926) unterwegs abzulichten. Als Mitreisender bekam man aber das typische Fahrgefühl und die charakteristischen Fahrgeräusche mit, die zusammen mit dem „Duft der Klotzbremsen“ der beiden Personenwagen den einen und andern Teilnehmer in die Jugendzeit versetzten.

Im EA 5/83 ist im NiK auf Seite 296 zu lesen: „Von den drei Seetal-Krokodilen De 6/6 ist Nr. 15302 auf Ende Januar 1983 ausrangiert und Anfang März in Orbe abgebrochen worden. Nr. 15301 geht bekanntlich zur Oensingen–Balsthal-Bahn OeBB, und Nr. 15303 ist ebenfalls ausrangiert“.  Der Verein Historische Seethalbahn wollte übrigens die De 6/6 15303 kaufen. Sie wurde aber kurz vor Abschluss der Verhandlungen 1983 ebenfalls verschrottet.

De 6/6 15303 und 15301 an einem Februarsonntag 1978 in Lenzburg

Das „Seetalkrokodil 15301“ konnte dank dem grossen Einsatz des bis 2016 bestehenden, gleichnamigen Vereins gerettet und betriebsbereit erhalten werden. Es ist nun in Hochdorf beheimatet, gehört aber weiterhin der OeBB.

Der SGEG-Extrazug vor seiner Abfahrt um 10.37 an Gleis 6 in Luzern

Nach der Fahrt nach Luzern  konnten wir das 2011 beispielhaft restaurierte und für Veranstaltungen geeignete Depot Hochdorf, einen Shedbau von 1910, besichtigen und dort auch ein das vom Verein Historische Seethalbahn vorzüglich zubereitete Mittagessen einnehmen.Der Bahnhof Luzern 1982, also kurz vor Ausrangierung der Seetalkrokodile

Alle Fotos: C. Ammann

31 Jul

Wie meine Freude am Modellbau begann

Ruedi Wiedmer, mein Vater, war bereits Ende der sechziger Jahre ein begeisterter Eisenbahnfan und Modellbahner. Da wir kein Auto hatten, war es selbstverständlich, mit der Bahn zu reisen. Seine Begeisterung übertrug er dabei auf uns Söhne.

Im Elternschlafzimmer stand neben dem Bett eine Eisenbahnanlage, die beinah mehr Platz als das Bett einnahm. Sie war mit günstigem Kleinbahn-Material aufgebaut, und alles Zubehör, Landschaft, Häuschen, Figuren hatte Ruedi selber gebaut. Auch Wagen baute er um oder sogar komplett auf. Für uns Kinder war die grösste Freude eine blinkende Zugschlusslampe am Kleinbahn-EW-I, deren Schaltung mein Vater selber baute; sie brauchte damals sehr viel Platz und belegte WC und Eingangsvorraum des Wagens.  Ich kann mich noch gut erinnern, dass die Katze, die wir damals hatten, die Tunnels der Anlage als Schlafplatz nutzte und so ab und zu Eisenbahnunfälle verursachte …

Mein Bruder und ich durften uns ebenfalls mit Chalets aus Zündhölzern versuchen, die dann auf der Anlage aufgestellt wurden. Nach einem Umzug stand dann ein Bastelraum zur Verfügung, in dem wir unsere eigenen Anlagen aufbauen durften. Meine erste Lok war eine Santa-Fe-Diesellok von Fleischmann. Zusammen mit Indianerfiguren der Firma Merten weckte sie mein Interesse für amerikanische Eisenbahnen. Ein kleiner Zugschlusswagen (“Caboose”), den mein Vater komplett selber baute, befindet sich noch heute in meiner Sammlung.

Auf den Bildern sind zwei Umbauten von Wagen zu sehen, die es nicht zu kaufen gab: das Brown Boveri-Logo zeichnete mein Vater mit Tusche, das Rohr war mit feinen Ketten auf dem Wagen befestigt. Die Warteck-Logos stammten von Tischsets aus dem Restaurant und wurden auf einen Kleinbahn-Kühlwagen geklebt.

Mein damaliger grosser Stolz, die Santa-Fe-Lok (die es im Original in dieser Ausführung nie gab) und das Eigenbau-Caboose sind auf meiner damaligen, selbstgebauten Anlage zu sehen.

Offenbar hat mein Vater das Modellbau-Gen an mich weitergegeben. Mit einem Umweg über Panzer- und Flugzeugmodellbau bin ich wieder zurückgekehrt zu den amerikanischen Eisenbahnen und baue – ähnlich wie mein Vater – Wagen und Loks um und detailliere sie.

07 Jun

Eine Bahn, die es nicht mehr gibt

 

 

Die Bahnstrecke Bellinzona–Mesocco (Misoxerbahn / Ferrovia Mesolcinese) war eine meterspurige Schmalspurbahn in den Kantonen Tessin und Graubünden. Die 31,3 km lange Strecke führte von Bellinzona durch die Bündner Talschaft Misox nach Mesocco.

Die Strecke gehörte zur Rhätischen Bahn und wurde von dieser 2003 an die SEFT übertragen. Schon seit 1995 organisierte die SEFT an Sonntagen im Sommer und Herbst einen touristischen Betrieb zwischen Castione-Arbedo und Cama mit Fahrzeugen der früheren Misoxer-, später auch der  Biasca – Acquarossa Bahn. Wegen des Auslaufens der Personentransportkonzession, auf Verlangen der Gemeinden und wegen Strassenbauten in Roveredo musste der Fahrbetrieb aber eingestellt werden. (EA 12/13).  Der letzte offizielle Betriebstag war am 27. Oktober 2013.

Wir vom FEA (Frauenfelder Eisenbahn-Amateure) hatten das Glück, an einem der letzten Fahrtage der SEFT am 8. September 2013 noch dabei sein zu dürfen.

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