08 Mai

Erinnerungen in Lausanne

von Ruedi Wanner

Relativ unbekannt – angesichts der erfolgreichen Geschichte der ersten Schweizer Standseilbahn (Lausanne – Ouchy, 1877) – ist eine zweite touristische Einrichtung  in Lausanne: Vom 18. Oktober 1899 bis 31. Oktober 1948 war der Lausanner Aussichtspunkt «Signal» durch eine Standseilbahn erschlossen. Länge 468 m, Höhendifferenz 106 m, Spurweite 1000 mm. Antrieb anfänglich durch Benzinmotor, ab 1902 elektrisch.

Vom inzwischen durch den Wald zurückeroberten Trassee sind nur noch grössere Mauerstücke und ein (verschlossener) Tunnel in der oberen Streckenhälfte erhalten. Eine Stahlbrücke ist dagegen verschwunden. Die zwei Wagen boten je 8 Plätze in 2. und 16 in 3. Klasse, weitere 25 Personen konnten auf den Plattformen stehen. Radstand 4,2 m, Länge 8,2 m.

Von den Hochbauten steht nur noch die untere Station im Tal des Flon (Place de «Vallon» 3-5) und dient dem benachbarten Restaurant (Café Dalat mit vietnamesischen Spezialitäten) als Lagerraum. Zugang ab Haltestelle Barre der Buslinie 16.

Die absehbare Betriebseinstellung erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen, mangels genügender Frequenzen, durch überfällige technische Sanierung und durch zunehmende Autokonkurrenz.

Die Stadt Lausanne und ihre Vorortsgemeinden hatten zwischen 1896 und 1964 ein grosses Schienennetz mit 66 km Netzlänge (Stand 1933, ohne die separat betriebene Überlandstrecke nach Moudon, 27 km) .  An den umfangreichen Trambetrieb erinnert am betrieblichen Schwerpunkt «Place St-François» die frühere Verkaufsstelle samt Warteraum. Das Gebäude dient heute als Kiosk/Bistro. 

Ruedi Wanner, SEAK                                                       Aufnahmen vom 5. Mai 2018

Quellen: HG. Wägli, Schienennetz Schweiz, Rollmaterialverzeichnis 1918

23 Apr

Zürcher Tramlinie 5 wie einst

Eine Fotofahrt des Tram-Museum Zürich erweckte am wunderschönen Sonntag 22. April 2018 alte Erinnerungen zu neuem Leben.

Ein Zug der Linie 5 wie er während vielen Jahren verkehrte und ihn ältere Generationen in Erinnerung haben. Der mittelschwere Museumstriebwagen Ce 4/4 1392 im ursprünglichen Farbanstrich hat mit dem zweiachsigen Anhängewagen C 645 soeben die Endstation Zoo erreicht. In jenen vergangenen Zeiten hiess diese jedoch noch “Allmend Fluntern”.

Wie einst – abfahrbereite Komposition der Linie 5 beim Zoo. Im Gegensatz zu heute fuhr der Fünfer immer zum Zoo und wurde nur am Sonntag durch die verlängerte Linie 6 verstärkt. Die weitere Route führte über Bellevue – Paradeplatz – Stauffacher – Wiedikon bis Heuried und während den Spitzenzeiten bis Triemli. Zumindest in den sechziger Jahren wurde ein Zweiachsanhänger jeweils in der Morgenspitze und dann wieder ab Mittag (auch das war damals eine Hauptverkehrszeit) bis zum Abend mitgeführt, in den verkehrsärmeren Zeiten verkehrten die Motorwagen allein.

Durchfahrt in Wiedikon mit passender Architektur im Hintergrund.

Die andere nur während den Spitzenzeiten angefahrene Endstation Triemli lag früher noch richtig im Grünen und ist heute nicht mehr wieder zu erkennen. Trotzdem posierte der historische Zug für eine Foto.

Auf der Rückfahrt zum Tram-Museum ergab sich noch Gelegenheit zu einem Fotohalt, wie er in wenigen Monaten nicht mehr möglich sein wird, da das ursprünglich denkmalgeschützte Gebäude leider zugunsten eines monströsen Neubaus abgerissen wird.

08 Mrz

Von der Birseckbahn zum Boveraclub (Fortsetzung)

Nach dem ersten Blog vom 26. Februar sind noch Fotos aus Liberec eingetroffen. Sie zeigen die Xe 2/2 112 (ex BEB Ce 2/2 5 SWS/Alioth 1905), X 101 (ex SG-K 5, 1891), X 102 (ex SG-L 2, 1891) und den BEB Be 2/4 13 (SWS/BBC 1916) am 24. Februar 2018 neben der Halle des Technischen Museums in Liberec. Wenn im Innern der Halle Gleise gelegt sind, bekommen die Fahrzeuge dort einen geschützten Abstellplatz und die Instandstellung kann beginnen.

Xe 2/2 112 , unten ein Blick ins Wageninnere,

Be 2/4 13, unten ebenfalls ein Blick ins Wageninnere,

Maximum-Drehgestell des Be 2/4 13

X 101, ursprünglich K 5 der Sissach – Gelterkinden Bahn SG

X 102, ursprünglich L 2 der Sissach – Gelterkinden Bahn SG

Alle Fotos: Bohumil Pokorny

Die (unmassstäbliche) Planskizze von B. Pokorny zeigt den aktuellen Stand der meterspurigen, normalspurigen und mit Dreischienengleis ausgerüsteten Strecken des Trambetriebs in Liberec: Rot und blau sind die Abschnitte mit Dreischienengleis, wobei die blauen Strecken künftig nur noch normalspurig sein sollen, grün: Meterspur (Umbau auf Normalspur geplant), grün/blau: Normalspur, gestrichelt die künftige Strecke nach Rochlice (Normalspur) und ferner der geplante Anschluss vom Technischen Museum ans Dreischienengleis.

Am unteren Rand des Plans ist die Luftseilbahn von Horní Hanychov auf den Hausberg von Liberec, den Ještěd (1012 m ü.N.), zu erkennen, erbaut 1932 – 33 von den Tschechoslowakischen Staatsbahnen und heute noch zur ČD gehörend.

 

26 Feb

Von der Birseckbahn zum Boveraclub

Xe 2/2  112 ex Ce 2/2 5. Foto SVEA-Bildarchiv (undatiert)

Im EA 12/2017 NiK S. 561 haben wir berichtet, dass Ende Oktober die Xe 2/2 112 und Ce 2/4 13 der früheren Birseckbahn (zusammen mit den X 101 und X 102 der früheren Sissach – Gelterkinden Bahn vom Bahnmuseum Kerzers BMK an den Boveraclub in Liberec, Tschechien gelangten.

Be 2/4 13 vor dem damaligen Depot Arlesheim, 1977, Foto Chr.  Ammann

Boveraclub? Der Name hat  überraschend viel mit der Schweiz zu tun: Denn der Verein in Liberec restaurierte als erstes Fahrzeug den Tramwagen Nr. 78 (ex Usti nad Labem), der 1929 bei Ringhoffer Prag gebaut wurde, aber mit elektrischer Ausrüstung von Brown, Boveri Baden. BBC Dies sorgte für seinen Spitznamen „Bovera“, der auch dem 1987 gegründeten Verein der Freunde der städtischen Verkehrsmittel in Liberec den Namen gab: Boveraclub. Liberec – zur Zeit der Donaumonarchie “Reichenberg” – feierte 1987 übrigens 90 Jahre Strassenbahn. Ursprünglich war das Netz meterspurig, ab 1990 erfolgt die schrittweise Umstellung auf Normalspur, wobei für die weiterhin meterspurige Überlandstrecke nach Jablonec nad Nisou und historische Trams in der Innenstadt Dreischienengleise existieren. Sh. auch EA 5/2015, S. 224.

Schon vor 20 Jahren existierten Dreischienengleise in der Innenstadt von Liberec. Damals noch meterspuriger T2-Tramzug der Linie 3 am 12. 3. 1997, Foto Chr. Ammann

Damals noch meterspurige Linie 3 in Liberec, 12. 3. 1997, Foto Chr. Ammann

Aus dem EA 7/2006 zitieren wir hier die damalige Abgabe von der BLT an das BMK, wo die Fahrzeuge Mitte Mai 2006 abgeladen wurden:

„BLT/Bahnmuseum Kerzers:  Die BLT hat im März dem Bahnmuseum Kerzers drei historisch wertvolle ehemalige Birseckbahn-Fahrzeuge geschenkt. Sie wurden im Mai nach Kerzers transportiert: Xe 2/2 112 ex Ce 2/2 5: SWS/Alioth 1905, 1944 umgezeichnet, weitgehend im Originalzustand, Be 2/4 13: SWS/BBC 1916, mit Maximum-Drehgestellen, bis 1971 im Regeleinsatz, zuletzt Nostalgiefahrzeug im Leymental, X 101 ex Sissach—Gelterkinden K 5(1891), 1916 zur BEB, 1917 zum Turmwagen umgebaut, 1965 zum Fahrleitungsmontagewagen modernisiert. Er ist zusammen mit dem BLT-X 102 (Schotterwagen) ex SG-L 2 der letzte Zeuge der SG.”

Die nun vom BMK als Dauerleihgabe nach Tschechien abgegeben BEB-Triebwagen sollen beim Boveraclub wieder betriebsfähig aufgearbeitet werden.

Im SVEA-Bildarchiv finden sich einige undatierte SW-Negative von der alten Birseckbahn, teilweise auch von den nun nach Liberec abgegeben Xe 2/2 112 und Be 2/4 13.

Birseckbahn an der 1969 aufgegebenen Streckenführung nach Dornachbrugg. Heute existiert von den Gebäuden nur noch das Tea-Room ganz links. SVEA-Bildarchiv

Der gleiche Ce 2/3 9  mit Blick auf das ebenfalls längst verschwundene Gebäude der Solothurner Kantonalbank. SVEA-Bildarchiv

Birseckbahn am Aeschenplatz in Basel, SVEA-Bildarchiv.

Be 2/4 13 unterwegs in Basel, SVEA-Bildarchiv

Am Blumenrain/Spiegelgasse, beim Hotel des Trois-Rois, SVEA-Bildarchiv

Xe 2/2 112 im Depot Arlesheim, rechts der offene Anhängewagen C 41, SVEA-Bildarchiv

14 Dez

Basler Trameröffnung nach Saint-Louis

Am Samstag 9, Dezember 2017 fand in Basel die Eröffnung der neuen Tramlinie nach Saint-Louis statt. Der EA wird darüber im “NiK” im Januarheft 2018 berichten. Hier im Blog ein paar persönliche Erinnerungen zur gefreuten und doch etwas speziellen Eröffnung. 

Die erste Gratisfahrt fürs Publikum war auf 12.43 Uhr ab Barfüsserplatz angesagt. Der nur vage informierte, auswärtige Besucher nahm an, hier sei mitfahren kaum möglich. Interessanter wäre es wohl, bereits vorher an die Grenzstation zu fahren und dort den historischen Moment, vielleicht auch eine kleine Zeremonie für den EA festzuhalten. Er sollte staunen.

Bis zu den Publikumsfahrten fuhr bis Burgfelderhof nur der Minibus

Wie man vormittags zum Burgfelderhof kam, darüber waren sich die Haltestellen-Infos und der Fahrplan auf dem Mobiltelefon nicht einig. Jedenfalls war die Tramlinie 3 war bis zum Beginn der Publikumsfahrten eingestellt. Warum und warum man erst mit einem Bus Richtung Thomaskirche und dann zum Burgfelderhof nochmals auf einen andern Bus umsteigen musste, war erst später nachvollziehbar. 

Die Burgfelderstrasse, vom Luzernerring bis zur Grenze, war weitgehend abgesperrt. Kurz vor dem Zoll standen noch zwei mächtige Kipplastwagen quer in der Strasse, wie bei einer Lastwagendemo. Am Burgfelderhof herrschte emsiges Treiben: Schwarz gekleidete Wachleute räumten hohe Absperrgitter beiseite und entfernten rot-weisse Absperrbänder. Neben einem weiteren Lastwagen auf französischer Seite rollte eine kleine Gruppe ihre Elsassfahnen zusammen, und aus dem Sportzentrum Pfaffenholz strömte eine Musikgesellschaft in die Schweiz zurück. Stand die Einweihung noch bevor oder war sie längst vorbei?

Tatsächlich kehrte um ca. 12.50 Uhr der Be 6/8 5040 leer in die Schweiz zurück. Das erste Gratistram, Be 6/8 5043, vom Barfüsserplatz liess noch fast eine halbe Stunde auf sich warten. Dann, um etwa 13.20 Uhr, fuhr es bei inzwischen verdüstertem Himmel nach „Gare de Saint-Louis“ weiter, ohne jede Zeremonie, aber geknipst von immer zahlreicheren Fotografen. (Bild unten)

Mit den nun folgenden weiteren Trams konnte nun die neue Strecke gratis und ohne vorgängiges Studium des tarifarischen Grenzfalls besucht werden.

In Gare de Saint-Louis stand der Be 6/8 5003 – frisch getauft „Saint-Louis“ – als Ausstellungstram auf dem 2. Gleis. Kostümierte Akteure, ein Stelzenmann, ein Hochrad, eine Seifenblasenmaschine und ein Glücksrad sorgten bei launischem Wetter zwischen Sonne und Schneeflöckchen für etwas Stimmung.

Etwas problematischer wurde am Nachmittag die Rückfahrt in die Schweiz: Um etwa 14.45 Uhr legte ein Stromausfall die neue Linie still, „von der Schifflände bis St-Louis“ wusste die Haltestelleninfo zu berichten. Die Flexity-Trams – mit oder ohne blaue Nase – blieben stehen, sogar halbwegs auf dem Luzernerring. Einwandfrei funktionierte die Information im Tram, auf Deutsch und Französisch. Auf der Burgfelderstrasse strömten die Besucher nun zu Fuss stadtein- und stadtauswärts. Nach rund 45 Minuten kehrten der Strom und die Freude über die neue Linie wieder zurück.

 

 

20 Nov

Die Wiler “Strassen-Eisenbahn” – ein vergessenes Projekt

Bis Juni 2018 wird im Stadtmuseum Wil im „Hof“ die Sonderausstellung „Die Eisenbahn kommt“ gezeigt (Öffnungszeiten siehe unten). Sie berichtet über die 150jährige Geschichte des Eisenbahnknotenpunkts Wil. Diese begann 1855 mit der Strecke Winterthur–Wil der St. Gallisch-Appenzellischen Eisenbahn (später Vereinigten Schweizer Bahnen VSB), gefolgt 1870 von der Toggenburgerbahn nach Ebnat-Kappel, 1887 der Frauenfeld–Wil-Bahn FW und 1911 von der Mittelthurgau-Bahn MThB nach Weinfelden–Konstanz.

Bahnhof Wil der VSB vor 1900

Ein besonderer Leckerbissen für Bahnhistoriker ist das „Strassen-Eisenbahnprojekt“ vom Bahnhof in die Altstadt. Anfangs 1887 hatte der Wiler Gemeinderat beschlossen, beim „Profilieren“ der FW die Weiterführung der Linie ins Zentrum der Äbtestadt untersuchen und vermessen zu lassen. Dann beauftragte man den St. Galler Ingenieur Otto Sand mit der Ausarbeitung eines Berichts. Otto Sand (1856–1921) leitete damals den Bau der Strecke St. Gallen – Gais mit der berühmten Ruckhaldenkurve und führte später, ab 1901 bis zu seinem Tod als Generaldirektor das Baudepartement der neuen SBB.

G 3/3 2 “WYL” (nicht Hörnli) der FW vor der Remise Wil, 30. Mai 1964. Foto Heinz Bircher

Am 1. September 1887 wurde die FW eröffnet. Am 14. Oktober 1887 lieferte Sand seinen „Bericht zum Project für eine Strassen-Eisenbahn vom Bahnhof der VSB bis in die Stadt Wyl“ ab. Untersucht wurden zwei Streckenführungen, beide im Anschluss an die FW, sowie die Betriebsart:

Die Variante I (673,6 m lang) führte vom Bahnhof über die Obere Bahnhofstrasse zum Schöntal, wo der Endpunkt auf dem kleinen Platz unter der Stützmauer gegen die Marktgasse bei der damaligen Eisenhandlung Senn geplant war. Für einen Wartepavillon oder Ausweichgleise war dort kein Platz vorhanden. Maximalsteigung beim Schönthal 66 ‰.

Obere Bahnhofstrasse um 1905

Die Variante II (950 m lang) sah eine Strecke vom Bahnhof über die Untere Bahnhofstrasse, Toggenburgerstrasse, Stallengasse zum Viehmarkt vor, wo die Anlage von Nebengleisen und eines Wartepavillons möglich war. Maximalsteigung 69,6 ‰.

Untere Bahnhofstrasse um 1900

Der Viehmarktplatz – hier hätte die Variante II der Strassen-Eisenbahn geendet.

Betrieblich rechnete Sand damit, dass die FW-Loks mit 2 Wagen die erwähnten Maximalsteigungen bewältigen könnten (FW-Maximalsteigung 46 ‰). Und sogar der „scharfe Rank“ vom Bahnhofplatz in die Obere Bahnhofstrasse war mit 45 m-Radius für die FW-Lokomotiven gerade noch zulässig.Zur Auswahl standen Dampfbahn, Pferdetram oder ein gemischter Betrieb. Bei der Variante Dampf rechnete Sand mit dem Betrieb durch die FW. Um den Anschluss an die meisten Züge herzustellen, reichten aber weder die Verlängerung der FW-Züge in die Altstadt noch deren drei G 3/3-Lokomotivchen. „Von den 20, zu einem richtigen Omnibusdienst nöthigen Zügen, könnten höchstens 7, durch die gewöhnlichen Strassenbahnzüge ausgeführt werden und die 13 übrigen erheischten einen anderen Motor.“ Deshalb schlug Sand den Kauf einer zusätzlichen Lok für 19‘000 Fr. oder von zwei Pferden, Pferdegeschirr und 2 Tramwagen für 9‘200 Fr. vor.

Der Bericht rechnete die verschiedenen Varianten baulich und betrieblich durch, äusserte sich zur Gleisanlage und zum Schienenmaterial mit Erfahrungen aus den Niederlanden über Hannover, Stuttgart bis zum elsässischen Rappoltsweiler (Ribeauvillé) und ging auf die Vor- und Nachteile der Betriebsarten ein.

Am Schluss stellte Otto Sand aber die Frage, ob die jährlich rund 240‘000 in Wil ankommenden und abreisenden Bahnpassagiere die Strassenbahn benützen würden? Seine Antwort lautete: „Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, und es müssten in Folge dessen nicht nur die Actionäre ohne Dividenden ausgehen, sondern vielleicht noch jährlich bedeutsame Opfer gebracht werden, um das Deficit der Betriebs-Ausgaben zu decken.“ Denn zur damaligen Zeit konnte sich nur die betuchte Oberschicht das Fahren leisten, wie etwa die Gäste des Hotels Schöntal, welche eine Kutsche am Bahnhof abholte.

Und so wurde das Projekt wohl schon vor 130 Jahren „beerdigt“.

Kutsche für die Gäste des Hotels Schöntal

Quellenverzeichnis: Dokumente, Pläne und alte Postkartenansichten: Stadtarchiv Wil, Foto Heinz Bircher: Sammlung FEA Frauenfelder Eisenbahn-Amateure

Herzlichen Dank an Herrn Werner Warth, Stadtarchivar Wil, für die Unterstützung

Die Ausstellung ist jeweils Sa/So 14 – 17 Uhr geöffnet, bis ca. Juni 2018.

http://www.stadtmuseum-wil.ch/  

 

 

10 Okt

Luzerner Tram – Vorbild und Modell – ein Echo

Der Blogeintrag vom 29. August löste ein Echo von Kurt Baumgartner aus. Denn bei den EMBL ist noch ein Modell eines andern Tramwagens vorhanden, das dem Ce 2/2 39 auf dem alten Foto noch etwas näher kommt:

Der im März 2017 leider verstorbene Anton Birrer hatte nämlich den Ce 2/2 36 nachgebaut. Dieser gehörte zwar nicht zur „Winterthurer Serie“, sondern zu den 1926 vom Luzerner Tram bei SIG/BBC direkt beschafften, stärkeren Ce 2/2 33 – 36.

Warum ausgerechnet ein Modell dieses Wagens? Die Nummer 36 war nach der Aufhebung des Trams für das 1959 eröffnete Verkehrshaus der Schweiz reserviert worden, wie der EA 1/62 berichtet. Daraus wurde allerdings nichts, und im EA 9/63 erfahren wir unter den Verkehrsbetrieben Luzern: “Der Wagenkasten des Be 2/2 5 (1899) steht auf einer Fabrikbaustelle in Dallenwil, jener des Be 2/2 36 (1926) dient als Weekendhaus in Champoz (oberes Birstal).”

29 Aug

Luzerner Tram – Vorbild und Modell

 

Im SVEA-Bildarchiv stiess ich auf dieses, mit den damaligen Möglichkeiten eines Amateurfotografen entstandene, etwas unscharf geratene Schwarzweissnegativ. Fotograf und Aufnahmedatum sind leider unbekannt. Das Bild zeigt den Luzerner Tramwagen Ce 2/2 39 (SWS/MFO 1921) auf der Linie 1 nach Kriens. Er gehörte zu den drei Winterthurer Ce 2/2 31 – 33, die nach Einstellung der Tramlinie 2 nach Seen am 23.Juli 1941 überflüssig geworden und 1942 nach Luzern verkauft worden waren. Revidiert und weiss lackiert kamen sie dort noch im selben Jahr mit den Nummern 37 – 39 in Betrieb. 1946 erhielten sie ehemalige Kontroller der Städtischen Strassenbahn Zürich eingebaut, Ende der 1940er Jahre auch den neuen weiss-blauen Anstrich. Nach der Umstellung der Tramlinie 1 auf Trolleybus am 11. November 1961 wurden die Ce 2/2 37 – 39 an die CEV verkauft, wo aus ihnen 1963 der Te 2/2 81 ? entstand. Auf dem Foto oben ist im Hintergrund die neugotische Pauluskirche zu erkennen. Aufgrund der Autos (links: Opel Rekord P2, ab 1960) dürfte die Aufnahme kurz vor der Tramaufhebung entstanden sein.

 

Der Zufall wollte es, dass ich kurz danach im Klublokal der EMBL die faszinierende KLB-Anlage (Kriens-Luzern-Bahn) sehen konnte. Einige Senioren des Klubs arbeiten seit mehreren Jahren an dieser H0-Anlage mit massstäblichen Gebäuden. Die Pauluskirche wurde von Kurt Baumgartner aufwendig nachgebaut. So lag es nahe, die Szene auf dem Foto im Modell nachzustellen, auch wenn halt leider kein Ce 2/2 37 – 39 dieser kleinen Serie als Modelltram zur Verfügung stand.