18 Mrz

Standeilbahn-Paradies in Chile

Die Stadt Valparaiso in Chile ist mit einer Rekordzahl von Standseilbahnen wohl einmalig auf der Welt. Der Grund liegt darin, dass diese Hafenstadt in einem Gebiet mit unzähligen Hügeln liegt und zur Erschliessung der Wohngebiete vor über 100 Jahren nicht weniger als 30 “Ascensores” erbaut wurden. Diese zum Teil recht primitiven und farbenprächtigen Standseilbahnen sind zum Teil bereits seit über 130 Jahren in Betrieb!

Einige der historischen Funiculars sind leider meist in den fünfziger und sechziger Jahren verschwunden, doch bestehen auch heute noch nicht weniger als 16 Ascensores, welche als Unesco Welt-Kulturerbe unter Schutz gestellt worden sind. Bis zum Jahr 2018 waren allerdings nur noch sieben Anlagen in Betrieb, doch sollen auch die übrigen neun restauriert werden und wieder fahren. Ein Besuch in Valparaiso ist also durchaus lohnenswert, wobei allerdings auch erwähnt werden muss dass einige von den Standseilbahnen erschlossenen Gegenden nicht unbedingt zu den sichersten gehören. In einem Fall hat uns ein Polizist unmissverständlich empfohlen, möglichst umgehend wieder die Talfahrt anzutreten…

Die Bilderausbeute meines Besuches am 9. Februar 2013 ist bei weitem nicht vollständig, gibt aber doch einen guten Überblick über die zum Teil recht abenteuerlichen Anlagen.

Beginnen wir mit dem Ascensor San Agustin, welcher seit 1913 auf den Hügel mit dem wohlklingenden Namen Cerro Cordillera führt. 

Der Blick aus dem talwärts fahrenden Wagen auf die halb verfallenen Gebäude zeigt, dass der Wohlstand nicht gerade üppig ist.

Antriebsanlage in der Bergstation. Der Maschinist sitzt hinter den Fensterscheiben.

Als Sicherheitsbremse dient eine Art Zahnstange.

Der zweite, hier bergwärts fahrende Wagen verkehrt auf einem separaten Gleis. Ausweichen nach System Abt sind nicht bekannt.

Der gleiche Wagen von der Talseite aus gesehen. 

Der Ascensor Cordillera führt auf den gleichen Hügel und ist mit Baujahr 1887 einer der ältesten. Zur Zeit unseres Besuches war er allerdings nicht in Betrieb, weshalb wir die lange Treppe erklimmen mussten. 

Oben angekommen – offensichtlich war gerade Waschtag…

Wieder hinunter ging’s dann mit dem Ascensor Artilleria. 

Die beiden Wagen sind farbenfroh bemalt.

Und schon wieder geht es steil einen Hügel hinauf, diesmal mit dem seit 1902 in Betrieb stehenden Ascensor El Peral auf den Cerro Alegre.

Blick in die Bergstation

Arbeitsplatz des Maschinisten …

… und die imposante Antriebsanlage, welche auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat.

Das nächste Bild des Ascensor Reina Victoria auf den Cerro Alegre zeigt die enorme Steilheit der ebenfalls über 100 Jahre alten Anlage.

Die Stadt Valparaiso hat aber auch dem Trolleybusfreund einiges zu bieten. Obwohl ich persönlich von diesem in vielen Städten als Tramkiller auftretenden Verkehrsmittel nicht viel halte, habe ich mich überwunden, für einmal zwei Aufnahmen eines solchen recht betagten Gefährts zu machen.

In Valparaiso haben übrigens auch ausrangierte Trolleybusse aus verschiedenen Schweizer Städten eine neue Heimat gefunden.

08 Mai

Erinnerungen in Lausanne

von Ruedi Wanner

Relativ unbekannt – angesichts der erfolgreichen Geschichte der ersten Schweizer Standseilbahn (Lausanne – Ouchy, 1877) – ist eine zweite touristische Einrichtung  in Lausanne: Vom 18. Oktober 1899 bis 31. Oktober 1948 war der Lausanner Aussichtspunkt «Signal» durch eine Standseilbahn erschlossen. Länge 468 m, Höhendifferenz 106 m, Spurweite 1000 mm. Antrieb anfänglich durch Benzinmotor, ab 1902 elektrisch.

Vom inzwischen durch den Wald zurückeroberten Trassee sind nur noch grössere Mauerstücke und ein (verschlossener) Tunnel in der oberen Streckenhälfte erhalten. Eine Stahlbrücke ist dagegen verschwunden. Die zwei Wagen boten je 8 Plätze in 2. und 16 in 3. Klasse, weitere 25 Personen konnten auf den Plattformen stehen. Radstand 4,2 m, Länge 8,2 m.

Von den Hochbauten steht nur noch die untere Station im Tal des Flon (Place de «Vallon» 3-5) und dient dem benachbarten Restaurant (Café Dalat mit vietnamesischen Spezialitäten) als Lagerraum. Zugang ab Haltestelle Barre der Buslinie 16.

Die absehbare Betriebseinstellung erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen, mangels genügender Frequenzen, durch überfällige technische Sanierung und durch zunehmende Autokonkurrenz.

Die Stadt Lausanne und ihre Vorortsgemeinden hatten zwischen 1896 und 1964 ein grosses Schienennetz mit 66 km Netzlänge (Stand 1933, ohne die separat betriebene Überlandstrecke nach Moudon, 27 km) .  An den umfangreichen Trambetrieb erinnert am betrieblichen Schwerpunkt «Place St-François» die frühere Verkaufsstelle samt Warteraum. Das Gebäude dient heute als Kiosk/Bistro. 

Ruedi Wanner, SEAK                                                       Aufnahmen vom 5. Mai 2018

Quellen: HG. Wägli, Schienennetz Schweiz, Rollmaterialverzeichnis 1918