02 Jan

Neubaustrecke der Appenzeller Bahnen (Teil 1)

AB 2086 als S21 nach Trogen in der 35kmh-Kurve vor der Einfahrt in St.Gallen (18.12.2020)

von Armand Wilhelmi, EMF St.Gallen

Nach der Aufhebung der 940m langen Zahnradstrecke mit bis zu 100‰ Steigung zwischen dem SBB-Güterbahnhof St.Gallen über die Ruckhalde bis Riethüsli und der Inbetriebnahme, bzw mit der Einweihung des 725m langen Ruckhaldetunnels (80‰) am 5. Oktober 2018, steht bei den Appenzeller Bahnen (AB) ein weiteres Grossprojekt an.

Bereits vor gut 10 Jahren planten die Appenzeller Bahnen die südlich vom SBB-Güterbahnhof verlaufende Strecke auf die Nordseite des Güterbahnhofgebäudes zu verlegen. In dieser Zeit folgten umfangreiche Abklärungen und Vereinbarungen mit den SBB. Nachdem vom Bundesamt für Verkehr (BAV) grünes Licht gegeben wurde, konnte das 40-Millionen-Projekt im April 2020 gestartet werden.

Die folgende Grafik zeigt den aktuellen Streckenverlauf auf der Südseite des Güterbahnhofareals und den zukünftigen Verlauf auf der Nordseite mit der neuen Haltestelle „Güterbahnhof“.

Quelle: Google Maps / sbu / St.Galler Tagblatt
Foto: Benjamin Manser / St.Galler Tagblatt

So präsentierte sich die Gleisanlage noch am 25.02.2020

von links nach rechts:

  • Gleis 93-83 von und nach St.Gallen Haggen (321)
  • Gleis 82 von St.Gallen Bruggen (280)
  • Gleis 81 nach St.Gallen Bruggen (180)
  • Gleis 90-80-70 Verbindungsgleis zwischen St.Gallen PB und GB
  • Geleise 700, 702 und 703. Diese Gleise werden vom Umbau nicht tangiert.
  • Geleise 704 – 708 werden verkürzt, ungefähr auf der Höhe, wo die Eem 923 005 „Oberberg“ im Gleis 703 steht.
  • Gleis 704 wird im Endzustand wieder verlängert und bei der Weiche 69 ins Gleis 503 eingebunden (neuer Standort LRZ).

Im Hintergrund AB 2082 als S21 nach St.Gallen-Trogen

Visualisierung: PD / St.Galler Tagblatt

Diese Visualisierung zeigt die zukünftige Haltestelle „Güterbahnhof“ mit den Gleisen 1 & 2 mit je einem Aussenperron. Hinter diesen beiden Gleisen befindet sich der neue,  gedeckte Unterstand für den LRZ (Gleis 503).

Im April 2020 war es dann soweit und die ersten Vorbereitungsarbeiten für den Rückbau der bestehenden SBB-Gleise 84, 85, 503 und 504 konnten beginnen.

Die Abstellgleise 704-707 im Güterbahnhof St.Gallen werden gekürzt und die ersten Baumaschinen fahren auf (15.04.2020).

Der Freiverladeplatz dient ab jetzt als Installationsplatz für die bevorstehenden Bauarbeiten: erste Lieferung von Armierungseisen für Betonsockel und Eisenstangen für Mikropfählungen.

Die Gleisanlage wie sich kurz vor der Ausserbetriebnahme am 18.04.2020 präsentierte.
von links nach rechts:

Gleis 84 mit Signal E84

Gleis 85 mit Signal E85

Gleis 503 (überdachtes Gleis an der Rampe)

Gleis 504 (überdachtes Kurzgleis an der Rampe). Bisheriger Standplatz für den Lösch- und Rettungszug (LRZ)

Mit Blick Richtung Westen von links nach rechts:

die Gleise 708 und 707, anschliessend die Gleise 504, 503, 85 und 84

In der vergangenen Nacht wurden Fahrleitungen, Fahrleitungsjoche, Gleislampen etc abgebaut.

Ein Teil vom Gleis 85 – zwischen den Gleisen 503 und 84 – wurde bereits zurückgebaut. Die Rampe in der Bildmitte (dunkler Belag) ist bereits komplett geräumt und wird abgebrochen.

Links das Gleis der Appenzeller Bahnen mit der Links- und der anschliessenden Rechtskurve. Gegen Ende 2021 wird davon nichts mehr zu sehen sein.

In der Bildmitte eine Treppe welche vor allem dem Lokpersonal diente, wenn es vom Personenbahnhof St.Gallen aus einen – in den Gleisen 84 oder 85 – abgestellten Zug im Güterbahnhof übernehmen mussten. Dieser begrünte Hügel wird bis auf das Niveau der nördlich davon liegenden Gleise abgetragen. Der Hauptschaltposten rechts wird abgebrochen. Dazu mehr weiter unten.

Der Geländeabbau erfolgt von Osten nach Westen und nimmt sukzessive in der Höhe ab. Im Gleis 84 steht ein Bauzug für den Gleisrückbau.

Links das ehemalige mechanische Stellwerk „St.Gallen HB III“. Zwischen den Gleisen liegen bereits neue Masten und Fahrleitungsjoche.

Hier entstehen die ersten Betonsockel für Masten, Abspannungen etc.

Die verkürzten Gleise 704-707 erhalten je einen Prellbock. Links und rechts davon sind bereits erstellte Betonsockel zu sehen.

Die Gleise 503 & 504 wurden bereits vollständig entfernt.

Links die verkürzten Gleise 704-707 von rechts nach links. Das Gleis 708 wird im Moment noch in seiner vollen Länge belassen, damit auf diesem noch Bauzüge verkehren können und die Zufahrt zum Freiverlad weiterhin gewährleistet ist.

Ein neues Fahrleitungsjoch wurde aufgestellt. Hier enden vorläufig Schienen und Fahrleitungen der Gleise 704-708. Das Gleis 708 bleibt vorläufig noch bestehen, allerdings fahrdrahtlos. Die Weiche im Vordergrund ist verkeilt und ohne Bedeutung. Das Gleis neben der gelben Mulde wurde schon vor längerer Zeit entfernt.

Diese Fotos vom 30.04.2020 zeigen das vollständig zurückgebaute Areal. Der nächste Schritt ist der Abbruch des Daches mit den entsprechenden Stützen.

Das Gleis 707 ist der vorläufige Standort vom LRZ. Dieser ersetzt den  im Gleis 706 im Hintergrund abgestellten älteren LRZ. Zwischen diesen beiden  Gleisen wurde eine provisorische Ladestation für die Stromversorgung für den LRZ erstellt.

Das Bild zeigt die vom Umbau direkt betroffenen Gleise 704-708. Die Gleise 702 und 703 ganz rechts werden vom Umbau nicht tangiert und sichern weiterhin die direkte Zufahrt zu den westlichen Abstellgleisen. Über diese Gleise führt die Vonwilbrücke. Sie ist eine wichtige Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Stadtteil im Westen der Stadt St.Gallen. Links das Paketzentrum der Post.

Die früher verbreiterte Rampe wurde, inkl Vordach, unterdessen abgebrochen und schafft Platz für die zukünftige Böschung und Gleise der AB.

Die Abtragung des Geländes hat auf der Ostseite begonnen (Stand am 02.07.2020). Eine S21 nach Trogen biegt in die 25kmh-Kurve nach St.Gallen ein.

Die Re 620 089 mit einem leeren Kieszug von St.Gallen Haggen via St.Gallen-Romanshorn nach Hüntwangen-Wil. Links die enge 25-kmh Kurve der AB.

Verschiedene Bagger sind für die Abtragung des Hügels im Einsatz. Laufend werden neue Betonsockel erstellt.

Das Gelände wurde bereits zu einem grossen Teil abgetragen. Gut erkennbar die bereits erstellten neuen Betonsockel für Fahrleitungsmasten (Stand 20.07.2020). Hinter der Sicherheitsabschrankung befindet sich der Hauptschaltposten. Dieser wird ebenfalls abgebrochen, sobald der neue, 1km westlich in Betrieb genommen werden kann.

Das Gelände ist bald vollständig abgetragen. Neue Fahrleitungsmasten sind bereits aufgestellt. Rechts dieser Masten werden später die SBB-Gleise 84 & 85 wieder verlegt. Links der Masten kommen die neuen Gleise 61 & 62 der Appenzeller Bahnen zu liegen. Hier entsteht im Zusammenhang mit der neuen Haltestelle „Güterbahnhof“ eine 350m lange Doppelspurinsel. Hinter der Sicherheitsabschrankung fährt am 28.07.2020 der IR13 3262 nach Zürich HB vorbei.

Das Gelände rund um den Hauptschaltposten ist freigelegt. Der vollständige Abbruch des Schaltpostens, inkl Stützmauer beginnt ca Mitte Juni 2021. Ganz rechts erkennt man das Einfahrsignal F239 der AB.

1km in westlicher Richtung beim Tunnelweg wird der neue Hauptschaltposten erstellt. Er entsteht bei km 82.025 zwischen dem SBB-Gleis 280 aus Richtung St. Gallen Bruggen und dem SOB-Gleis 321von und nach St.Gallen Haggen (rechts  oben).

Für den LRZ muss ein neuer, überdachter Standort geschaffen werden. Dieser wird im zukünftigen Gleis 503 erstellt. Um der Interventionsmannschaft im Ereignisfall einen sicheren, direkten Zugang von ihren Räumlichkeiten im Güterexpeditionsgebäude zum LRZ zu ermöglichen, wird ein unterirdischer Tunnel – unter den beiden AB-Gleisen 61 & 62 hindurch –  mit anschliessender Rampe erstellt. Weitere Details dazu folgen in einem nächsten Blog.

Im Vordergrund rechts entstehen die beiden AB-Gleise 61(nördliches Gleis) und  62. Sie kommen dort zu liegen, wo früher die Gleise 85 und 503 verlegt waren. Links der Masten die abgesenkten SBB-Abstellgleise 84 und 85.

Nach der Fertigstellung des Unterbaus (links) findet die Vorschotterung für das Gleis 84 statt.

Die Erdarbeiten im Bereich der zukünftigen AB-Gleise 61 und 62 (Stand 25.10.2020) werden anfangs Februar 2021 fortgesetzt. Weiter westlich entstehen die beiden Gleise 1 und 2 der AB-Haltestelle „Güterbahnhof“.

Die Einschotterung von Gleis 84 ist fast beendet. Die Vorschotterung von Gleis 85 startet am 11.01.2021. Gleis 85 erhält – wie schon Gleis 84 – einen provisorischen Prellbock. Die beiden Gleise 84 und 85 werden – sobald der bisherige Hauptschaltposten abgebrochen ist (Mitte Juni 2021) – in östlicher Richtung verlängert.

Das Gleis 84 wird später neu zum Durchgangsgleis. Die Einbindung ins Gleis 70 erfolgt bei der Weiche 48 (neu). Die bestehende Weichenverbindung mit Weiche 47 (Gleis 70) und 46 (Gleis 61) muss dadurch etwas Richtung Osten verschoben werden. Dazu mehr im nächsten Blog.

Bei diesem provisorisch aufgestellten Prellbock (links im Bild) endet vorläufig das Gleis 84. Dieses kann bereits – wie das Foto zeigt – als vorübergehendes Abstellgleis mit dem Signal E84 benützt werden (abgestellt im Gleis 84 der RABDe 502 008 „Lausanne Capitale Olympique“). Hinter der Sicherheitsabschrankung finden Vorarbeiten für das Gleis 85 statt.

Gleiche Stelle mit IR 2016 Voralpenexpress nach Luzern. Ausfahrt in St.Gallen ausnahmsweise über Gleis 72 statt 73-973 wegen Verspätung der S2 11235.

Fortsetzung folgt im nächsten Blog (Teil 2).

Text und alle Fotos: Armand Wilhelmi, drei Ausnahmen sind bezeichnet.

Ein Dank geht an die Redaktion vom St.Galler Tagblatt, welche unentgeltlich Bildmaterial zur Verfügung gestellt hat.

16 Mrz

Staad SG: Rückblick auf die Bergung eines Sattelschleppers am Bahnübergang Blattenweg nach einer Kollision am 14. November 2018

Am Mittwoch, 14. November 2018, kurz nach 15:45 Uhr, ereignete sich in Staad SG am Bahnübergang Blattenweg eine Kollision zwischen einem Nahgüterzug aus Richtung Rorschach und einem Sattelschlepper, der Schlachtabfälle in mehreren offenen Kunststoffboxen in seinem Auflieger transportiert hatte. Diese Kollision hatte einen Streckenunterbruch während rund sechs Stunden zur Folge.

Die SBB setzten daraufhin Bahnersatzbusse zwischen Rorschach und Rheineck ein; internationale Reisezüge wurden – entlang dem Walensee – umgeleitet. Die S-Bahnen aus St. Gallen und Romanshorn brachten den Feierabendverkehr, der ab Rorschach – mit Bahnersatzbussen, deren Transportkapazität rasch an ihre Grenze stiess – grösstteils weiterbefördert werden musste. Kundenlenker standen bereit, um dieses enorme Fahrgastaufkommen bestmöglich zu bewältigen.

Am Unfallort an der Bergung beteiligt waren die Intervention der SBB mit Am 841 037 und LRZ aus St. Gallen, eine Zweierpatrouille der Kantonspolizei St. Gallen, die Feuerwehr Rheineck-Thal-Lutzenberg, ein Fahrzeugbergungsunternehmen sowie der Abwasserverband Altenrhein mit einem Kanalreinigungslastwagen mit Absaugeinrichtung. An der Kollision involviert waren ein Sattelschlepper mit Auflieger und die SBB-Eem 923 018 mit ihrem Nahgüterzug. Laut Polizeiangaben wurde niemand verletzt.

Nachdem das seeseitige Streckengleis als erstes geräumt war und freigegeben wurde, vollzog die 185 088 mit ihrem Güterzug um 21:44 Uhr die erste (Langsam-)Durchfahrt Richtung St. Margrethen. Aus der Gegenrichtung folgte danach mit neun Minuten Verspätung und auf dem selben – und falschen – Gleis die S4, die planmässig um 21:58 Uhr die Haltestelle Staad SG hätte verlassen sollen.

Zunächst die Bergung des Sattelschleppers

Der Sattelschlepper mit Auflieger …
… steht auf dem landseitigen Streckengleis.
Er muss zunächst vom Auflieger getrennt werden.
Enge Platzverhältnisse (Fahrleitung) erschweren die Bergungsarbeiten.
Der Sattelschlepper ist jetzt vom Auflieger getrennt …
… und kann angehoben werden.
Abheben von der Unfallstelle.

Nun die Bergung des Aufliegers

Als nächstes muss der Auflieger leergeräumt werden.
Eine der mit Schlachtabfall gefüllten Kunststoffboxen.
Die Boxen sind entfernt; …
… noch liegen aber weitere Schlachtabfälle auf der Ladebrücke.
Der Auflieger wird während seines Verladens gründlich abgespritzt.
Eem 923 018 (Bildmitte) mit Güterwagen und Am 841 037 mit LRZ warten auf dem seeseitigen Streckengleis hinter dem Bahnübergang Blattenweg.

Die Reinigungsarbeiten an der Bahninfrastruktur gestalten sich aufwendig

Ein etwas ungewohnter Blick auf das Ergebnis dieser Kollision.
Die Reinigung läuft an …
… mit dem Einsatz des Absaugrohrs.
Die Verunreinigung des Schotterbettes …
… erfordert die Zuhilfenahme …
… auch von Wasser.
Nicht nur Gleis und Schotter waren von der Verunreinigung betroffen.

Alle Bildaufnahmen: © Daniel Widmer

12 Apr

AB – Umbau auf Hochtouren

Für die am Umbau der AB-Strecke St. Gallen -Teufen interessierten Blogbesucher führen wir die Bilddokumentation weiter.

Bild oben: Wie im Blog vom 26. März berichtet, wird nun die Kreuzungsstation Liebegg vollständig erneuert. Blick Richtung Riethüsli.

Baustelle Kreuzungsstation Liebegg Richtung Lustmühle. Der renovierte Block in Bildmitte steht auf dem Gelände des ehemaligen Liebeggweihers.

Vorbereitungsarbeiten für den Brückenabbruch Oberstrasse

Brückenabbruch Oberstrasse am 11. April 2018. Dazu mussten die Stadtbuslinien 2 und 8 durchs Güterbahnhofareal umgeleitet werden.

Der Abbruch-Tag ist vorbei und der Rückbau der bisherigen Brücke von 1980 hat ein ganz neues Bild geschaffen. Schon gegen 19:30 Uhr konnte die Strasse wieder freigegeben werden; vorgesehen war eine Sperre bis 22 Uhr.

Fotos: A. Wilhelmi

 

03 Apr

Das letzte Mal die Ruckhalde hoch

Am Ostermontag, 2. April endete der Zahnradbahnbetrieb an der Ruckhalde in St. Gallen. Zug 2217, St.Gallen ab 21.40 Uhr, geführt vom Triebwagen BDeh 4/4 17, befuhr als letzter die technisch einzigartige, weltweit engste Zahnradkurve.

Gewisse Bedenken, im letzten Zug keinen Platz zu finden, zerstreuten sich rasch. Doch am Gleis 11 warteten nicht nur Reisende nach Teufen, Gais und Appenzell, sondern auch viele, die einfach nur bis ins Riethüsli fahren, im allerletzten Zug dabei sein, von der Ruckhalde persönlich… Abschied nehmen wollten.

Mit der Fahrt über die Ruckhalde begann oder endete eine St. Galler Bahnreise ins Appenzellerland. Unvergesslich ist den „älteren Semestern“, wie der Zug langsam bei der Tafel A in die Zahnstangenrampe einfuhr, das Anschlagen, Einklinken, Anrollen der in Aktion tretenden Zahnräder, worauf es laut ratternd zielstrebig den steilen Hang hinaufging, begleitet von einem immer aufregenderen Panorama auf den Westen St. Gallens und die Otmarskirche.

Eine Reise mit der alten, grün-crèmen „Gaiserbahn“ SGA nach Appenzell führte damals über nicht weniger als fünf Zahnradabschnitte. Und wenn es vor Appenzell damals noch „bolzengerade“ aber gemächlich die letzte Zahnstangenrampe vom Hirschberg auf die weit unten liegende Sitterbrücke hinunterging, so war dies die letzte Sensation einer rund einstündigen “Weltreise” in knarrenden und schaukelnden Gaiserbahnwagen.

Die Zukunft der veralteten SGA wurde erst im Busbetrieb, dann in einer modernisierten Bahn mit einem Riethüslitunnel gesucht. Doch dann konnten die Fachleute der SGA die Schweizer Fahrzeugindustrie dazu „zwingen“, für die mit 30 m Radius vermutlich weltweit engste Zahnstangengleis-Kurve, neue Pendelzüge zu entwickeln, die mit Fahrzeugquerschnitten nach RhB-Normalien und analogem Innenausbau einen Reisekomfort wie bei den „grossen Meterspurbahnen“ zu bieten hatten. Das Produkt ist gut gelungen, die Züge haben ohne nennenswerte technischen Probleme weitgehend störungsfrei von 1981 bis heute, also 37 Jahre durchgehalten .

Die beiden 1993 nachbeschafften Züge 16 und 17 (mit Ausnahme der Schwenkschiebetüren, des Innenausbaus und der Anpassung der Bremstechnik an die 160‰ geneigte AG-Strecke) sind  identisch mit den Zügen 11-15. Für schweizerische Verhältnisse sind sie mit 25 Dienstjahren noch lange kein altes Eisen. Doch das Tunnelprojekt kehrte zurück, verbunden mit der ab dem nächsten Fahrplanwechsel verwirklichten Durchmesserlinie, die aus der früheren “Weltreise” gewissermassen eine “Tramfahrt” macht. Am 22. März ist der erste Tango von Stadler Rail eingetroffen. Letztmals “Trogenerbahn” und “Gaiserbahn” im “Nebenbahnhof”. 

21.40 – Abfahrt. Nach einem kurzen Fotohalt für Presse/Zaungäste fuhr der letzte Zug fast lautlos in die Zahnstange ein. Das Licht wurde gelöscht, die meisten der noch zu öffnenden Fenster waren offen. Und dann ging es ein letztes Mal die Ruckhalde hoch, vorbei an unentwegt in die Nacht knipsenden Fotografen. In der Teuferstrasse wurde das Licht wieder eingeschaltet, mit einem Pfiff der Niveauübergang überquert, und kurz später hielt der letzte Zug teuferstrassenseitig im Riethüsli, für viele Endstation ihrer Abschiedsfahrt über die Ruckhalde.

Fotos 1, 6, 7 und 11: A. Wilhelmi, übrige : C. Ammann

 

Nächster wichtiger Schritt im Bauprogramm:

Am 11. April wird die für den Adhäsionsbetrieb zu steile Betonbrücke über die Oberstrasse abgebrochen. Als 1980 die Ruckhaldenstrecke saniert worden war, wurde auch die alte Brücke über die Oberstrasse ersetzt. Die neue Brücke musste auf Verlangen der Stadt (die sich dafür finanziell beteiligte) höher gelegt werden als die alte Brücke, um möglicherweise Trolleybusfahrleitungen ziehen zu können. Bei dieser Sanierung wurde die Kurve etwas abgeflacht (86‰) was von der Einfahrt bis nach der Brücke eine Erhöhung der Neigung auf 100‰ erforderlich gemacht hatte. Auch unterhalb der Hochwachtstrasse entstand ein Stück mit 100‰ Steigung. Die neue Adhäsionsstrecke weist bekanntlich eine Steigung von 80 ‰ auf.