24 Jun

150 Jahre Toggenburger Bahn – Modernisierung im 2.Weltkrieg (2. Teil)

Von Johannes Läubli, EMF St.Gallen und DLC Herisau

Vor einem Monat  schrieb ich an dieser Stelle:

Wäre … hätte … das Bahnfest Wattwil … im Blick auf die noch unsichere öffentliche Gesundheitslage… auf 2021 verschoben. Nun – im Toggenburg hat sich etwas geregt und unter der Federführung der Gemeinde Wattwil wird nun das Bahnjubiläum in etwas verkleinerter Form doch gefeiert werden: Am Samstag, 12. September 2020, 10-17 Uhr, unter anderem mit geplanten Publikums-Dampffahrten Wattwil-Ebnat=Kappel-Wattwil
(stündlich von 11:40 bis 16:40 Uhr). Die älteste Teilnehmerin und gleichzeitig älteste Besucherin des Bahnhofs Wattwil (seit 1910 …) , die BT Eb 3/5 9 freut sich, als Zugpferd des Festzuges Wil – Wattwil für geladene Gäste im Einsatz stehen zu dürfen. .

Der DLC (Dampfloki-Club Herisau) wird beim Festen dabei sein, denn – wie bereits geschrieben –  seine Lok hat genau die Hälfte ihres nunmehr 110 Jahre umfassenden Maschinenlebens als Eigentum des DLC verbracht. Bei dieser Gelegenheit wird sie am Freitag 11. September ihre ursprüngliche Stammstrecke Romanshorn – Herisau – Degersheim – Wattwil wieder einmal in voller Länge befahren.

Begleiten  wir nun den Wiler Albert Baumberger auf seinen Foto-Pirschgängen zur Baustelle im Guggenloch bei Lütisburg !

Am 13.10.1940 präsentierte sich der damals 70jährige Viadukt noch ohne Fahrdraht, aber eingehüllt in seine waldige Umgebung, mit einer Ec 3/5 6600, aufgenommen aus Richtung Südwest:

Am 21.5. 1945, also nach erfolgter Elektrifizierung, zeigt ein Bild von gleichen Standort eine Be 4/4 der BT – und bereits fortgeschrittene Umbauarbeiten:

Albert rückte näher heran – und siehe: kein Umbau, sondern ein kompletter Neubau:

Zum Schluss des Tages ein Dreibrückenbild von Osten her mit Bausteg und der heute noch vorhandenen Lütisburger Holzbrücke – und einem Fe 4/4:

Zwei Monate später, am 15.7. sind die neuen Pfeiler bereits in den alten Brückenträger “hineingewachsen” – jetzt wird es für Albert spannend:

Drei Tage später ist er bereits wieder auf dem Platz – Ec 3/5 6613 ist schon da …

… um den Kran in Position zu bringen, der …

… die Hilfsbrückenträger einhebt. Das abgeschlossene Werk lockt etliche Zuschauer an – heute wären die weggesperrt – und nicht mehr barfuss:

Nach weiteren 3 Tagen, am 21.7., ein Fahrplanzug an gleicher Stelle:

Am 29. Juli bestaunen die Sonntagspaziergänger den bereits begonnenen Abbruch des alten Brückenpfeilers:

Am Bundesfeiertag dokumentiert Albert den “Seiltanz” eines BT BCFe 2/4 …

… und erfasst etwa eine Stunde später nach einem Fussmarsch die gemischten Gefühle von Lokführer und Fahrgast:

Vier Tage später und einen Pfeiler weiter segelt ein Fe 4/4 über die Baustelle:

Der südliche Bogen wird bereits aufgemauert:

Die Fahrgäste hinter der Be 4/4 13 gucken genau hin:

Am 12.8. passiert der BCFe 2/4 die traurigen Reste der alten Brückenträger:

Am 30.8. wird noch immer Beton in die Bögen eingebracht:

Am 14.10.1945 ist der neue Guggenlochviadukt praktisch fertig, das Gerüst wird abgebaut:

Fotos: Slg. Dr. N. Widmer(†)

22 Mai

150 Jahre Toggenburger Bahn – Modernisierung im 2.Weltkrieg (1.Teil)

Von Johannes Läubli, EMF St.Gallen

Vor einem Jahr  schrieb ich an dieser Stelle:

” Wie gross das Jubiläumsfest sein wird, ist noch unklar, denn 2020 wird für die Pneu(be/ab)nutzer die Umfahrung Bütschwil eröffnet … “

Nun – im Toggenburg hat sich etwas geregt und unter der Federführung der Gemeinde Wattwil sollte am 22. August im Rahmen des traditionellen Wattwilerfestes auch das Bahnjubiläum gefeiert werden. Als älteste Teilnehmerin und gleichzeitig älteste Besucherin des Bahnhofs Wattwil (seit 1910 …) wäre – erraten ! – die BT Eb 3/5 9 als Zugpferd des Festzuges Wil – Wattwil im Einsatz gewesen.

Wäre … hätte … Sowohl das Bahnfest Wattwil als auch das Strassenfest Bütschwil wurden im Blick auf die noch unsichere öffentliche Gesundheitslage auf 2021 verschoben. Auch das Zugpferd bleibt ohne Dampf im Stall. Dabei wäre der DLC (Dampfloki-Club Herisau) beim Festen gerne dabei gewesen, denn genau die Hälfte ihres nunmehr 110 Jahre umfassenden Maschinenlebens hat die Lok als Eigentum des DLC verbracht.

Zurück zur Toggenburger Bahn: Zwar war sie eine der ersten privaten Nebenstrecken, doch blieb sie auch nach der Übernahme durch die SBB im Jahre 1902 ein bescheidenes Bähnchen. Für die lokale Wirtschaft war sie die Verbindung zur Welt, die Trassierung ist bis heute ausreichend. Doch vor allem die ursprünglichen Eisenbrücken genügten den zunehmenden Belastungen nicht mehr. So kam es, dass während des Zweiten Weltkrieges nicht nur die Elektrifizierung (12.12.1943), sondern auch der Neubau der drei Brücken von Bazenheid, Lütisburg und Dietfurt unternommen wurden.

Wer könnte uns besser darüber berichten als der bereits bekannte Albert Baumberger aus Wil !

Besonders faszinierend war für ihn offenbar der Umbau bei laufendem Betrieb. Immer wieder zog es ihn zu den Baustellen.

Bereits 1942/43 wurde der Viadukt in Bazenheid saniert:

2 Bilder vom 24.Oktober 1942:

Einige Monate später, am 20.3.1943 waren die Arbeiten bereits fortgeschritten:

Nach erfolgter Elektrifizierung sieht das Bauwerk am 7.7.1945 sehr gediegen aus:

Der etwas kleinere Viadukt in Dietfurt wurde erst nach Umbau und Elektrifizierung besucht, dies am 4.Juni 1944:

Im zweiten Teil folgt der Umbau des Guggenloch-Viaduktes in Lütisburg.

Fotos: Slg .Dr. N. Widmer(†)

02 Mai

Als die Toggenburger Bahn halb so alt war …

Von Johannes Läubli, EMF St.Gallen

Die Toggenburgerbahn Wil – Ebnat wurde 1870 eröffnet und wird nächstes Jahr das 150jährige Jubiläum feiern können. Wie gross das Jubiläumsfest sein wird, ist noch unklar, denn 2020 wird für die Pneu(be/ab)nutzer die Umfahrung Bütschwil eröffnet … Wie dem auch sei – vor bald 80 Jahren war der uns bereits bekannte Albert Baumberger aus Wil zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat diese seltene Doppeltraktion eingefangen:

Zweimal Ec 3/5 66xx zwischen Wil und Bazenheid am 13. August 1940
31 Okt

Elefantenjagd in der Ostschweiz

Von Johannes Läubli, Bibliothekar EMF St. Gallen

Der Titel mag dieser Tage, wo der WWF auf das drohende Aussterben eines grossen Teils der Wirbeltiere hingewiesen hat, fast etwas deplatziert wirken. Und für die Elefanten im Knie-Zoo in Rapperswil besteht auch keine Gefahr.

Nein, es geht natürlich um die Elefanten auf der Schiene, von denen einer in der Lokremise Sulgen soweit wieder auf die Räder gebracht wurde, dass er heute friedlich seine Gnadenkohle verzehren darf.

Wie anders im Jahr 1948 ! Der uns bereits bekannte Albert Baumberger 1) aus Wil war am 28. August in Uzwil unterwegs. Da war doch gerade der etwa mittägliche Güterzug am Ausfahren Richtung Flawil:

Sonnig war es nicht, wohl auch recht kühl – dafür aber günstig für eine langgezogene Dampffahne:

Fotos: Slg .Dr. N. Widmer

1) Am 8. Oktober ist bereits ein Blog zu Albert Baumberger erschienen. Mit dem Schlagwort “Dampflok” kann dieser Blog aufgerufen werden.

08 Okt

Nachschuss zum EA-Artikel “Alter Hauenstein” (10/2018)

B 3/4 1319 in Trimbach, 17. 11. 1947

Von Johannes Läubli, Bibliothekar EMF St. Gallen

Albert Baumberger aus Wil SG war vor Jahrzehnten in seiner Freizeit mit seiner Leica unterwegs, um alles Mögliche auf den Film zu bannen. Er entwickelte seine Bilder selber und führte minutiös Buch. Leider hat er nur relativ kleine Kopien abgezogen. Die Negative sind verschwunden, ebenso sein Bilderverzeichnis.

Einen Nachbarsbuben hat er in die Geheimnisse seiner Tätigkeit eingeführt. Als Baumberger verstarb, gelang es seinem unterdessen erwachsenen Nachbarn, einige Fotoalben aus dessen Nachlass zu erhalten, denn darin war ja seine eigene Nachbarschaft aufs Beste dokumentiert. Inzwischen ist letzterer selber 81 Jahre alt. Das die kleine Vorgeschichte. Die Bilder erlauben keine grosse Auflösung, man darf sie also nicht zu gross wiedergeben.

B 3/4 1319 in Trimbach, 17. 11. 1947 und unterwegs Richtung Hauenstein-Tunnel

An einem trüben Novembertag des Jahres 1947 stand Albert Baumberger aus nicht mehr eruierbaren Gründen an der Haltestelle Trimbach und fing mit seiner Leica ein, was da von Olten heraufdampfte: die B 3/4 1319 mit einem kleinen Güterzug sowie die Eb 3/5 5807, mutmasslich mit dem nachfolgenden Personenzug.

Eb 3/5 5807 in Trimbach, 17.  11. 1947

Fotos: Slg.Dr. N. Widmer