07 Nov

Ein Tigerli im Dollertal

Unter dem Titel „Le Train de la Mémoire“ und « Le Train de la Paix» (spéctacle son et lumière, Burnhaupt) organisiert die Museumsbahn Cernay – Sentheim (Train Thur-Doller-Alsace) in der ersten Novemberhälfte verschiedene Veranstaltungen zum Ersten Weltkrieg im Oberelsass.

So kam ich durch den Besuch der Ausstellung über die französischen Militärbahnen im Oberelsass (im Güterschuppen Sentheim) wieder einmal ins Dollertal und zur unerwarteten Begegnung mit einem Tigerli unter Dampf. Es gehört eigentlich der Touristenbahn Conifer im französischen Jura, wurde aber offenbar an die Dollertalbahn ausgeliehen. Und es spielt sogar an der “Son et Lumière”-Vorführung mit !

Der Dampfzug fährt in Cernay-St-André ein. An der Spitze die T 51 (La Meuse, 1914), dahinter das Tigerli. Weil der Strassenübergang der N66 die Weiterfahrt des Dampfzugs in den Bahnhof Cernay nach wie vor unmöglich macht, fährt die Dollertalbahn nur ab und bis Cernay-St-André. Zur Zeit des deutschen Kaiserreichs hiess diese Station übrigens ohne Skrupel „Sennheim Idiotenanstalt“…

Die beiden Tenderlokomotiven umfahren in Cernay-St-André den Fünfwagenzug.

Und nun steht das Tigerli Nr. 5 im besten Licht an der Spitze des Zugs nach Sentheim.

Zwischenhalt in Burnhaupt, dem Betriebszentrum der Museumsbahn, nun inmitten der Szenerie für die abendlichen Son et Lumière Vorführungen „Le Train de la Paix”.

Nach der Ankunft in Sentheim geht es rückwärts zum Umfahren und zur Versorgung der Loks mit Kohle und Wasser.

Nebst drei charakteristischen Palavas-Wagen (ex Montpellier – Palavas, aufgehoben 1968) führt der Zug auch diese zwei preussischen Abteilwagen mit. Es lohnt sich, mit ihnen zu fahren, um einmal die kutschenähnlichen Abteile zu erleben.

 Blick in die Ausstellung über die französischen Militärbahnen. Sie behandelt die Erschliessung des seit 1914 von Frankreich zurückeroberten oberen Dollertals, damals genannt “La petite Alsace”.

Die Strecke Cernay -Sentheim – Sewen war in Burnhaupt durch die Front unterbrochen. Zur militärischen und zivilen Versorgung wurde erst das Überlandtram von Belfort nach Sentheim verlängert, später die normalspurige Strecke von Petit-Croix nach Lauw gebaut, mit Anschluss an die isolierte obere Dollertalbahn. Eine interessante Broschüre wird an der Ausstellung gratis abgegeben.

In Sentheim wird das Tigerli bekohlt.

Abfahrtsszene in Sentheim

Gemäss Flyer „Le train de la mémoire“ fahren auch am Samstag 10. und am Sonntag 11. November 2018 nochmals Extrazüge zur Ausstellung in Sentheim, Abfahrt um 11 Uhr in Cernay St-André, Rückfahrt ab Sentheim um 15 Uhr. Die Fahrt dauert dank Barrierenschliessungen und der vorsichtigen Überfahrt über die enge Militärbrücke in Burnhaupt ca. 1 Std. Diese Angaben erfolgen hier aber ohne Gewähr. Link der Museumsbahn: http://www.train-doller.org/

Alle Fotos: C. Ammann, 4. 11. 2018

 

 

26 Okt

Besuch auf der “Palmrainbahn”

Das frühere Bahnhofgebäude Huningue, heute Apotheke, fotografiert vom Square Soustons aus. Nach Soustons war die Bevölkerung von Huningue bei Kriegsausbruch im September 1939 evakuiert worden.

 

Die Palmrainbahn führte einst nördlich des Basler Dreiländerecks vom badischen Weil über den Rhein nach Huningue und St-Louis im Oberelsass. Eröffnet am 11. Februar 1878 ist sie längst Geschichte. Ihr wechselvolles Schicksal ist im EA 10/16 (S. 434 – 443) beschrieben.

Überreste der Palmrainbrücke auf badischer Seite 1976..

An der Stelle der bereits am 3. April 1937 geschlossenen und danach abgebrochenen Eisenbahnbrücke steht heute die Palmrain-Strassenbrücke, eröffnet im September 1979. Rund 40 Jahre später sähe man es vielleicht anders? „Dann rollt die Tram übern Palmrain“ titelte die Badische Zeitung am 10. Juni 2017. Und der damals nach 25 Jahren verabschiedete Weiler Tiefbauabteilungsleiter prophezeite die Verlängerung des Trams weiter in die Stadt hinein und über die Palmrainbrücke nach Hüningen in vielleicht 10, spätestens 20 Jahren, also die Vision eines Ringschlusses durch die Region.

Bahnhof Huningue heute. Blick vom ehem. Freiverladeplatz Richtung ehemaliges Aufnahmegebäude. Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs fuhren hier sogar direkte Schnellzüge Konstanz – Schaffhausen – Basel Bad Bf – – Mülhausen vorbei.

Bahnhof Huningue 1976.  Im Hintergrund stehen noch Güterwagen auf den heute völlig in der Vegetation versunkenen Freiverladegleisen.

Doch ganz verschwunden ist die Palmrainbahn immer noch nicht. SBB Cargo sorgt auf Reststücken noch für etwas Bahnbetrieb: Seit 2010 ist der französische Hafen Huningue Bedienpunkt von SBB Cargo. Im Einsatz steht dafür seit 2017 die Mietlok 276 006 der evb  Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser [NVR-Nummer: 92 80 1276 006-4 D-EVB]. Die Bedienzeiten sind von Montag – Freitag zwischen 14:35 und 15:10. Von SBB Cargo wird auch der Hafen Weil am Rhein bedient, unweit des früheren deutsch-französischen Grenzbahnhof Palmrain gelegen.

Am 15. Oktober 2018 schlossen sich in Huningue kurz vor 13 Uhr die Barrieren am Niveauübergang beim ehemaligen Bahnhof. Doch “Künstlerpech” für den Fotografen: Statt der vermuteten Lokfahrt kam ein Zug mit Tagnpps- Güterwagen…

Etwa eine Stunde später dann mehr Fotoglück bei der Rückfahrt, nun mit etwa 10 Silowagen. Dann kehrte wieder Ruhe ein auf der ehemaligen Palmrainbahn….

Über die Dreiländerbrücke ging es nun zu Fuss wieder nach Weil und von dort per Tram nach Basel. Denn wohl erst in 10 – 20 Jahren “rollt die Tram übern Palmrain“…

Alle Fotos: C. Ammann

17 Okt

Delle – Belfort

Der “Countdown” an der Tafel im TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard läuft, sekundengenau!

Hier ein paar Impressionen von einem Besuch am 12. Oktober 2018.

RE nach Ankunft aus der Schweiz in Delle.

Der RE nach Biel-Bienne verkehrt in Delle bereits ab Gleis 2 am neu erstellten Mittelperron  (12.10.18 um 11.19h)

Neues Gleis 2 in Delle mit abfahrbereitem RE nach Biel-Bienne.

Die Werbetafel im Buffet des Bahnhofs Delle zeigt einen Probezug bei Danjoutin.

Das ehemalige Bahnhofgebäude von Grandvillars mit der imposanten, neuen Überführung

Fertig erstellte Perrons des Kreuzungsbahnhofs Grandvillars

Aus der Presse ist ferner zu entnehmen, dass probeweise 6 Monate lang die Schweizer Züge doch in Morvillars anhalten werden. Nachdem Versuche seit Juni gezeigt haben, dass entgegen der Computersimulationen dieser Halt innerhalb des Fahrplans doch möglich wäre, haben sich SBB und SNCF zu diesem Schritt bereiterklärt. Diese Chance ist für die Gemeinde Morvillars als Wohnort vieler Grenzgänger sehr wichtig. Morvillars hofft dank der wiedereröffneten Bahn auch auf eine wirtschaftliche Entwicklung.

Am alten Aufnahmegebäude Morvillars hängt noch eine ursprüngliche Stationsanschrift.

Morvillars war einst aus Richtung Delle Abzweigbahnhof nach Montbéliard und Belfort. Gemäss den damaligen fahrdienstlichen Vorschriften (Abzweigbahnhof mit zwei Einspur- und einer Doppelspurstrecke) hielten in Morvillars vor dem Ersten Weltkrieg alle Züge, auch die internationalen Expresszüge.

Fotos: M. Germann, 12. 10. 2018

17 Okt

Wiedersehen mit der “Ligne 4”

Nachtzug 468 aus Chur – Zürich HB am Morgen des 27. August 2006 nach Ankunft in Paris Est. Hinter der 172 172 – vermutlich wegen einer Überfuhr – eine zweite CC 72000.

Bis 10. Juni 2007 führte der Weg von Zürich nach Paris über die „Ostbahn“ Basel – Belfort – Chaumont – Troyes. Der TEE, später EC Arbalète, die andern Schnellzügen und der Nachtzug 468 fuhren über die sogenannte „Ligne 4“. Zwischen Belfort und Gretz-Armainvilliers im Osten der Pariser Banlieue fehlte die Fahrleitung (und fehlt sie noch bis heute). So oblag die Traktion am Schluss den imposanten CC 72000.

BB 68021 am 24. Mai 2000 in Bar-sur-Aube

Bei meiner ersten Reise im Frühling 1970 fand ich die Fahrt langsam, lange und langweilig. Ich erinnere mich an eine BB 67000 und einen Heizwagen. Später fielen mir immer mehr faszinierende Details auf, in einer unspektakulären aber doch sehr reizvollen Landschaft: Spontan denke ich etwa an die Stadt Langres auf dem Hügel, an spektakuläre einstige oder bestehende Abzweigungen mit Streckendreiecken, das Aufschlitzen des Tunnels von Grattery, eine fast unendliche Kolonne ausrangierter Güterwagen auf einer Überwerfung in Verneul-sur-l‘Etang, die Alstom-Fabrik in Belfort und natürlich den grossen Viadukt von Chaumont. Und dann die imposante Telegraphenleitung.

Der Viadukt von Chaumont, 600 m lang und 52 m hoch, 50 Bogen, erbaut 1855-56. Foto vom 24. Mai 2000.

Im Juni 2007 änderte alles: Nun kam der von vielen langersehnte TGV Zürich – Paris. Erst fuhr er über Strasbourg und die TGV-Nord-Strecke weiterhin nach Paris Est, seit 2011 über den TGV Rhin-Rhône nach Paris Gare de Lyon. Damit geht die Fahrt zwar wieder über die Strecke Mulhouse -Belfort , allerdings nur bis vor den einstigen französischen Grenzbahnhof Petit Croix (1871 – 1918), worauf der TGV in die Hochgeschwindigkeitsstrecke Richtung Dijon – Paris Gare de Lyon einbiegt.

Schnellzug aus Paris Est bei der Durchfahrt in Lusigny,  24. Mai 2000

Im Sommer 2018 hatte ich Gelegenheit, nach über 10 Jahren wieder einmal auf die „Ligne 4“ zurückzukehren. Auf der Fahrt von Belfort nach Champagney am 19. Juli kam es zum Wiedersehen mit dem Teich von Honeywell Bull und der Alstom-Fabrik, dann folgte Bas-Evette mit der Abzweigung nach Giromagny.

Bas-Evette – typisches Ostbahngebäude, Foto 19. Juli 2018

Später ging es durch den 1250 km langen Tunnel „La Challière“, (PK 429.050 – PK 430.300)

Ostportal des Tunnels “la Challière”. Man beachte die Telegraphenmasten, die den Hügel “überqueren”!

Dann folgt die Station Champagney mit ihrem „modernen Bahnhof“.

Das ursprüngliche Aufnahmegebäude von Champagney sah so aus wie der Jouef-Modellbahnhof Lusigny. Es fiel Bombardementen im Juli/August 1944 zum Opfer, die nach der Landung der Alliierten am 6. Juni den deutschen Nachschub an die Normandie-Front unterbinden sollten.

Das Aufnahmegebäude Lusigny am 24. Mai 2000.

Eine “Baleine” X 73500 aus Belfort hält in Champagney, 19. Jui 2018

1906 zählte Champagney nur 1911 Einwohner, heute 3861. Der Streckenabschnitt Belfort – Vesoul wird von einigen Regionalzügen bedient, im Gegensatz zum nachfolgenden, langen Streckenabschnitt zwischen Vesoul – Longueville, wo der Regionalverkehr mit Bussen abgewickelt wird.

Autorail der Serie X 73500 aus Vesoul bei der Einfahrt in Belfort, 17. Juli 2018

Am 2. September 2018 folgte der nächste Besuch auf der “Ligne 4”: Jussey, einstiger Abzweigbahnhof zwischen Vesoul – Port d’Ateliers-Amance und Culmont-Chalindrey. Hier zweigte ab 1886 eine zeitweise doppelspurige Verbindung über Passavant nach Epinal ab, mit Anbindung an die Ligne 4 Richtung Vesoul und Richtung Paris. Doch das ist längst Geschichte. Und heute halten in Jussey auch für die Ligne 4 nur noch Autobusse.

Bahnhofplatz Jussey – gähnende Leere an einem Sonntagvormittag.

1906 zählte Jussey 2323 Einwohner, heute sind es noch 1815. Doch schon 1906 hatte man in jener Gegend einen Bevölkerungsrückgang seit 1870 beklagt.

Bahnhof Jussey, Département Haute-Saône: 35 km von Vesoul, 50 km von Langres und 347 km von Paris entfernt, 221,805 m über Meer.

Anfangs September wurde das praktisch leerstehende Aufnahmegebäude Jussey renoviert. Foto 2. September 2018

Französisches Eisenbahn-Stilleben am Bahnhof Jussey. Links dieTelegraphenleitung, rechts die doppelspurige Strecke Richtung Paris Est. Beim Bahnübergang steht in einem ehemaligen Eisenbahnergarten ein Pfirsichbäumchen.

Von der einstigen Gleisanlage des Abzweigbahnhofs sind nur noch die zwei Durchfahrgleise der vor 160 Jahren eröffneten “Ligne 4  in Betrieb.

Allerdings: Heute fahren zumindest zwischen Belfort und Paris Est täglich 5 TER-Zugpaare mit einer Fahrzeit von rund 4 Std. Dank modernen Zweikrafttriebzügen (Coradia Liner von Alstom) bedienen sie mehr Bahnhöfe als früher, ohne dass die Reisezeit verlängert wurde. Zwischen Mulhouse und Belfort (für die bereits in Mulhouse beginnenden oder endenden Züge) und zwischen Gretz-Armainvillier und Paris Est fahren sie elektrisch. Vielleicht doch eine Gelegenheit, um der “Ligne 4” erneut einen Besuch abzustatten?

Alle Fotos: C. Ammann

 

07 Sep

Delle – Belfort

Seit dem Blog vom 31. März 2018 *) sind die Bauarbeiten an der Strecke Delle – Belfort weitgehend abgeschlossen. Am 25. Mai wurde die Fahrleitung der 22 km langen Strecke eingeschaltet und mit ersten Probefahrten die Gleis-, Fahrleitungs- und Sicherungsanlagen getestet. (EA 7/18, S. 314). Nach 6 Wochen Sperrung wegen umfangreicher Bauarbeiten auf der Strecke nach Delémont wurde am 20. August der Bahnbetrieb von der Schweiz aus nach Delle wieder aufgenommen.

Beidseits der Grenzen hat der erste Fahrplan ab 9. Dezember 2018 zu gewissen Enttäuschungen und Misstönen geführt. Denn die 10 RE-Züge aus Biel/Bienne werden von Delle nur bis Méroux, zum TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard, verlängert. Wir haben im EA 1/17 S. 15, über die entsprechende Vereinbarung des Angebots zwischen dem BAV, dem Kanton Jura und der Region Franche Comté berichtet. Grundlage ist das „Abkommen zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Französischen Republik betreffend die Wiedereröffnung der Bahnlinie zwischen Belfort und Delle und die diesbezügliche Mitfinanzierung durch die Schweiz sowie den Betrieb der Bahnlinie zwischen Belfort, Delle und Delsberg“, abgeschlossen am 11. August 2014 und in Kraft getreten durch Notenaustausch am 1. Juni 2017

Fahrplanlink: https://www.myaireurbaine.info/l-aire-urbaine/1184-ligne-belfort-delle,-les-horaires-d%C3%A9voil%C3%A9s-%20.html

Dass die Schweizer Züge nur bis zum TGV-Bahnhof und nicht bis zum Bahnhof Belfort Ville (an der einstigen, bis 2007 vom TEE resp. EC Arbalète befahrenen Ostbahnstrecke Basel – Belfort – Chaumont -Paris Est) verkehren, löste nun allmögliche Reaktionen und Spekulationen aus:

So ist in der französischen Eisenbahnfreundezeitschrift der FACS zu lesen, dass die Schweiz als wichtigster Finanzierungspartner nur am Anschluss ans Hochgeschwindigkeitsnetz im TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard interessiert sei.

Alstom und Siemens-Präsenz in Belfort Ville: Mit den SNCB-Lokomotiven 1807 und 1862 fanden im Juli 2018 Probefahrten Belfort – Mulhouse statt,  im Hinblick auf ihre künftige Zulassung Paris – Namur.

Demgegenüber beargwöhnt man bei Schweizer Eisenbahnfreunden, dass Frankreich und die SNCF wohl keine Schweizer Züge in der Alstom-Hochburg Belfort sehen wollten. In der neusten Ausgabe des Info-Forum 3/18 von Pro Bahn wird gemäss einem Informanten der französischen Schwesterorganisation FNAUT noch ein anderer Verdacht geäussert: Die SNCF befürchte, dass die Schweizer Kundschaft in Belfort Ville auf die billigeren (aber auch langsameren und selteneren) Züge auf der Ostbahn nach Paris Est abwandern könnte? Zusätzliche Unzufriedenheit löste der gestrichene Halt der Schweizer Züge in Morvillars aus, der aber gemäss Pro Bahn nach Invervention dieser Gemeinde noch nicht definitiv ist.

Schön, aber öfters leer: Belfort Ville, einst Etappenhalt des “Arbalète”. Hier wurden einst auch die Kurswagen aus der Schweiz via Delle den Schnellzügen nach Frankreich beigestellt, oder es bestand zumindest ein Anschluss.

Auch das Stadtparlament Belfort hat am 31. Mai 2018  eine Erklärung gegenüber der Region und der SNCF abgegeben. Mit grosser Mehrheit wird gefordert, dass 2019 auch die Schweizer Züge bis und ab Belfort-Ville verkehren dürfen, zumal die jetzige, unverständliche Situation einzig politische und administrative Gründe habe, und nicht den Bedürfnissen der Bevölkerung entspreche, nach dem 110 Mio. Euro teuren Wiederaufbau dieser Bahnverbindung. Ein einziger Abgeordneter stimmte dagegen und verlangte  tatsächlich…-, dass nur Alstom-Züge nach Belfort-Ville fahren sollten. Dies veranlasste den Stadtpräsidenten von Belfort zur Antwort, man könne doch auf der Autobahn A 36 auch nicht verlangen, dass nur Peugeot-Autos zugelassen seien!

Das charakteristische Bahnhofgebäude Belfort Ville von 1934, vor dem Hauptportal fährt die Buslinie 3 zum TGV-Bahnhof. Bis 1952 fuhr hier auch das städtische Tram.

Auch beim heutigen Busverkehr von Optymo besteht kein durchgehender Betrieb zwischen Delle und Belfort. Die Linie 3 verkehrt zwischen Belfort und dem TGV-Bahnhof, die Linie 25 zwischen dem TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard und Delle. Die Tageskarte von 3.60 Euros (sh. Blog vom 31. März) ist sehr attraktiv; die Busfahrt mit richtigem Umsteigen für Ortsunkundige aber etwas anspruchsvoller:

Der Linienbus 3 fährt vor dem Bahnhof Belfort Ville ab. Obwohl er den TGV-Bahnhof als Endstation angibt, empfiehlt es sich, dann an der zweitletzten Haltestelle TGV-Bahnhof (150 m von diesem entfernt) auszusteigen. Denn die Endhaltestelle “1ère RA” mit Wendeplatz liegt weitab im Grünen. Unmittelbar und prominent vor dem TGV-Bahnhof fahren nur die Busse nach Montbéliard.

Die Haltestelle der Buslinie 25 nach Delle in Belfort-Montbéliard TGV, im Hintergrund die RN1019.

Die Linie 25 von und nach Delle fährt ebenfalls nicht vor dem TGV-Bahnhof, sondern auch 150 m davon entfernt. Seine Haltestelle ist aber nicht die gleiche wie jene der Linie 3, sondern befindet sich ein paar Schritte davon an einer Querstrasse (wo der Bus wendet und nach Delle zurückfährt). “Spannend” ist auch die Fahrt nach Delle: Hier fuhr „mein“ Bus erst ins Zentrum, dann machte er eine Tour durch die Stadt, ins Grüne, fand dann aber wieder zurück in die Altstadt… und endlich zur Endhaltestelle in einer Seitenstrasse beim Bahnhof Delle.

Haltestelle Delle gare, im rechten Winkel zur Bahnlinie.

*) Die früheren Beiträge sind beim Klicken rechts auf das Schlagwort Delle – Belfort zu finden.

Alle Fotos: C. Ammann, 19. und 20. 8. 2018

31 Mrz

Delle – Belfort, ein weiterer Augenschein

Bahnhof Delle – vorerst noch Endstation.

Am 23. November 2017 schrieb Markus Germann den Blog: Delle – Belfort, ein Jahr vor der Wiedereröffnung. Am 19. Februar unternahmen wir nun gemeinsam einen weiteren Besuch, wieder von Delle bis zum TGV -Bahnhof Belfort-Montbéliard, mit Zwischenhalten in Grandvillars und Morvillars.

Künftige Kreuzungsstation Grandvillars

Dank der Buslinie 25, blau, Delle – Belfort von Optymo (mehrheitlich Stundentakt) und der am Kiosk/Bahnhofbuffets Delle (aber nicht im Bus!) erhältlichen Tageskarte zum Preis von derzeit 3.60 € ist dies bequem möglich.

Achtung:

Der Bus fährt noch nicht am Bahnhof Delle ab, sondern etwas unterhalb, am Wartehäuschen an der Rue Eugène Claret.

Die Reise nur Montag bis Samstag möglich! Sonntags fahren die Busse nicht und das Bahnhofbuffet Delle ist geschlossen!

Hier ein paar Eindrücke vom 19. Februar 2018.

Fahrleitungsarbeiten in Grandvillars

Künftige Kreuzungsstation Grandvillars

Bahnhofplatz Grandvillars

Unerwartete Begegnung unweit des Bahnhofs Grandvillars…

Ehemaliges PLM-Gebäude des einstigen Abzweigbahnhofs Morvillars…

…der nun nur eingleisig wiederersteht.

Erinnerungen ans einstige Bahnnetz aus “Atlas Pittoresque de la France” 1909 , mit der ehem. Strecke Montbéliard – Morvillars (Paris-Lyon-Méditerranée, PLM), eröffnet bis Porrentruy 1872. Erst 1877 folgte die “Direkte” Morvillars – Belfort der Ostbahn (EST).

Allerletzte Überreste der PLM-Strecke in Morvillars, ganz hinten erkennbar die elektrifizierte “Direkte” nach Belfort.

Ehemaliger Bahnhof Meroux an der “Direkten”nach Belfort, eröffnet 1877 von der EST. Der TGV-Bahnhof Belfort-Monbéliard ist auf Gemeindegebiet von Meroux.

Fotos: M. Germann: 1 – 3, C. Ammann: 4 – 10.

 

 

23 Nov

Delle – Belfort: Ein Jahr vor der Wiedereröffnung

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 wird die Linie Delle – Belfort-Montbeliard TGV – Belfort Ville wiederöffnet, ziemlich genau sieben Jahre nachdem der Betrieb auf der LGV-Strecke Mulhouse –(Dijon-) -Paris aufgenommen wurde. Die Reisezeit zur französischen Hauptstadt verkürzt sich für die Bahnkundschaft aus Porrentruy und Delle deutlich, im weiteren aber auch für solche aus Biel/Bienne (mit einmaligem Umsteigen in Belfort TGV), die ihr Reiseziel etwa 25 – 30 Minuten schneller erreichen werden.

Gut zwölf Monate vor der Eröffnung konnten viele Arbeiten bereits abgeschlossen werden: Neue Geleise wurden verlegt, die Niveauübergänge sowie auch die Fahrleitung sind betriebsbereit. Die gesamte Strecke von Delle bis Belfort ist etwas über 21 km lang, zwischen der Schweizergrenze und dem Anschluss an den TGV bei Meroux sind es jedoch nur 14,5 km.

TGV-Bahnhof Belfort-Montbeliard am 6.11.2017. unten rechts TGV 6886 nach Marseille, oben links die Strecke nach Belfort mit Schotterzug der Colas Rail mit zwei Lok V212/DB 182.577 und 182.601.

Am TGV-Bahnhof Belfort-Montbeliard werden die Reisenden aus Delle und Belfort auf der quer über die Hauptlinie verlaufenden Brücke ankommen und über Treppen oder Lift erreichen sie in kürzester Zeit die Anschlusszüge.

Vom südlich gelegenen Parkplatz aus gelangen die Reisenden über eine bereits fertiggestellte Unterführung zu den Zügen nach Delle und nach Belfort Stadt.


Station Morvillars

Neue Haltestellen wurden in den folgenden Orten errichtet: Danjoutin, Morvillars, Grandvillars und Jonchery. Eine weitere wird, zu einem späteren Zeitpunkt, auch der Vorort Sevenans in Belfort erhalten. An allen Stationen wird der Zugang zu den Zügen barrierefrei möglich sein, und das Park and Ride soll von Anfang an bereitstehen. Zum Fahrplanwechsel im kommenden Jahr wird auch der Busverkehr entlang der Bahnlinie neu aufgegleist, und die Pendler aus den genannten Dörfern erreichen Belfort und Delle (Gymnasium) deutlich schneller als bisher.
Auf dem Gebiet des ehemaligen Bahnhofs Grandvillars entstanden Kreuzungsgleise, und es wurden zwei Aussenperrons errichtet, die über die neu erbaute Personenüberführung (inklusive Lift) erreichbar sind.

Für den Start sind täglich zehn direkte Zugspaare mit Schweizer Rollmaterial auf der Strecke von Biel/Bienne nach Belfort-Montbéliard TGV vorgesehen. Diese werden ergänzt durch sechs Zugspaare von Belfort (Stadt) nach Delle und zehn Zugspaaren für die kurze Strecke zwischen Belfort und dem TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard (beide mit französischem Rollmaterial).


Von den einst bestehenden zwanzig Niveau-Übergängen konnten sechs aufgehoben werden und in Morvillars, gleich neben Bahnhof und Bushaltestelle, gibt es sogar eine separate Schranke für den richtungsgetrennten Fahrradweg neben der Hauptstrasse.

Im Bahnhof Delle (siehe Fotos unten), in dem schon seit einigen Jahren ein Mieter ein Restaurant mit Kiosk und kleinem Laden betreibt, wurde ein zusätzlicher Perron mit einem Durchfahr- und einem Stumpengleis errichtet.

Text und alle Bilder:  Markus Germann, bei regnerischem November-Wetter.