04 Jan

MIB – Eine kleine Bahn mit vielfältiger Rollmaterialgeschichte

Die lediglich 5 km lange meterspurige Bahn von Meiringen nach Innertkirchen wurde 1926 erbaut um Transporte für die umfangreichen Kraftwerkbauten im Raum Oberhasli / Grimsel zu ermöglichen. Der ursprünglich ausschliesslich auf den Gütertransport ausgerichtete Betrieb wurde mit von der RhB erworbenen Mallet Dampflokomotiven abgewickelt.

Ein erster Akku Triebwagen Ba 2/2 Nr. 3 mit lediglich 12 Sitzplätzen wurde 1931 erworben und ausschliesslich für den nicht öffentlichen Arbeitertransport verwendet. Ein zweiter etwas grösserer Triebwagen BFa 2/2 Nr. 4 folgte 1939, wonach die MIB 1946 eine Konzession zum öffentlichen Personentransport erhielt. Die dadurch entstandene Konkurrenz zur teilweise parallel verlaufenden Trambahn Meiringen -Reichenbach – Aareschlucht (MRA) beschleunigte deren Betriebseinstellung im Jahr 1956.

1949 wurde noch ein dritter Akku-Triebwagen BFa 2/2 Nr. 5 angeschafft, und der gesamte Verkehr mit dieser eher ungewöhnlichen Betriebsart abgewickelt. Bei einem ersten Besuch am 29. August 1976 traf ich mit der Nr. 4 eines dieser urtümlichen Vehikel in Meiringen.

Da die Konzession 1976 auslief, wurde eine Modernisierung und Elektrifikation der Bahn beschlossen. Von der Oberrheinischen Eisenbahngesellschaft wurden drei Occasions-Tramwagen gekauft, welche wir hier – ebenfalls am 29. August 1976 in Meiringen abgestellt sehen.

Zwei der mit Baujahr 1952 bereits recht betagten Vierachser wurden für den Betrieb auf der MIB umgebaut, während das dritte Fahrzeug lediglich als Ersatzteilspender diente. Der elektrische Betrieb mit 1200 Volt Gleichstrom wurde am 19. November 1977 aufgenommen. Wegen der fehlenden Kompatibilität mit der angrenzenden Brünigbahn wurden die Triebwagen für Überfuhren zusätzlich mit einem thermischen Antrieb ausgerüstet und entsprechenderweise als Bem 4/4 6 – 7 bezeichnet.

Bei meinem Besuch am 31. August 1980 war Nr. 7 im Einsatz. Die angebauten Bahnräumer und Nebenbahnkupplungen sehen an einem Tramwagen eher ungewohnt aus!

Auf dem folgenden Bild wartet Bem 4/4 Nr. 7 in Meiringen am Ende der Gleichstromfahrleitung auf Fahrgäste Richtung Innertkirchen. Im Hintergrund ist ein klassischer Brünig Mitteleinstiegwagen abgestellt. Solche kamen nach Verkauf noch auf der Brig – Visp – Zermatt Bahn (BVZ) zum Einsatz.

Die Einstiegplattform in Meiringen war noch alles andere als behinderten gerecht…

Bem 4/4 Nr. 7 in voller Fahrt Richtung Innertkirchen. Nachdem ein grosser Teil der Strecke entlang der imposanten Aareschlucht im Tunnel verläuft, gibt es nicht allzu viele Fotopunkte.

Die abgelösten Akku-Triebwagen fielen glücklicherweise nicht dem Schweissbrenner zum Opfer. Der älteste Ba 2/2 Nr. 3 wurde 1979 an den Deutschen Eisenbahn-Verein Bruchhausen-Vilsen abgegeben und mutierte dort zum T 46. Ob er noch existiert, entzieht sich meiner Kenntnis.

Nr. 4 gelangte 1982 ins Verkehrshaus Luzern, während Nr. 5 anfänglich noch als eiserne Reserve vorgehalten wurde. 1980 machte er jedoch bereits einen etwas heruntergekommenen Eindruck.

Seit vielen Jahren ist dieses einmalige Vehikel aber äusserlich restauriert in Innertkirchen unter einem Dach geschützt aufgestellt und erinnert an die Anfangszeiten des Personentransports.

Bei Unpässlichkeit der ex OEG Triebwagen kam gelegentlich auch ein gemieteter Triebwagen der Berner Oberland Bahn (BOB) zum Einsatz. Leider fehlt mir davon eine eigene Aufnahme.

Im Jahr 1996 konnten die mittlerweile rund 45 Jahre alten Tramwagen abgelöst und durch ein Neubaufahrzeug der Firma Stadler ersetzt werden. Hier sehen wir den modernen Be 4/4 Nr. 8 am 27. September 2015 bei der Haltestelle Alpbach. Hier wurde früher auch das Geleise der Trambahn Meiringen – Reichenbach – Aareschlucht (MRA) gekreuzt.

Als Reservefahrzeug wurde 1997 vom RBS der ehemalige VBW Triebwagen Be 4/4 74 übernommen, jedoch bereits im Jahr 2005 durch den BDe 4/4 Nr. 604 der Chemins de fer du Jura (CJ) ersetzt, welcher bei der MIB die Nummer 11 erhielt. Dieser Triebwagen ist auch heute noch als Reservefahrzeug vorhanden, dürfte jedoch bald den Weg in den Eisenbahnhimmel antreten. Diese aktuelle Aufnahme entstand am 29. Dezember 2018 in Innertkirchen.

Ein weiteres Occasionsfahrzeug von der gleichen Bahngesellschaft wurde 2011 in Form des 1952 erbauten CJ-Gepäcktriebwagen Ge 4/4 402 in Betrieb genommen. Da für sperrige Kraftwerktransporte gelegentlich die Fahrleitung ausgeschaltet werden muss, wurde dieser Triebwagen zusätzlich mit einem Dieselantrieb versehen und als Gem 4/4 Nr. 12 in Betrieb genommen. Für den Umbau der Station Bremgarten West und der Strecke nach Wohlen wurde das Fahrzeug für einige Zeit an die Bremgarten – Dietikon Bahn vermietet. Mangels eines Bildes am neuen Einsatzort zeige ich hier eine Aufnahme des originalen Schwester-Triebwagens Ge 4/4 401 zusammen mit Steuerwagen Bt 701 am 9. September 1978 auf der CJ kurz nach der Ausfahrt aus Glovelier.

Um die künftigen Anforderungen des Behinderten Gleichstellungs Gesetzes zu erfüllen erwarb die MIB abermals einen Occasion-Triebwagen, diesmal den Be 2/6 7004 der MVR Transports Montreux – Vevey – Riviera, welcher seit 1998 auf den Strecken Vevey – Blonay (CEV) und Montreux – Les Avants (MOB) zusammen mit drei Geschwistern zum Einsatz gekommen war. Nach dem Verkauf an ASM und MIB gelangten die vier Triebwagen vorerst in die Ostschweiz, wo sie teilweise auf der Frauenfeld – Wil Bahn (FW) zwischengelagert wurden. Auf dem nachstehenden Bild sehen wir den Be 2/6 7001 am 12. Februar 2018 noch in der ursprünglichen MVR-Ausführung abgestellt im FW Bahnhof Wil.

Die vormalige Nummer 7004 wurde bei der Firma Stadler umfassend revidiert und den MIB Normalien angepasst. In einem gefälligen blauen Anstrich wurde er als Be 2/6 Nr. 13 im Dezember 2018 in Betrieb genommen. Obwohl es sich um ein bereits 20 Jahre altes Fahrzeug handelt, dürfte die MIB damit gut für die Zukunft gerüstet sein. Die Schwesterfahrzeuge Nr. 7001 – 7003 gingen an die ASM und gelangen auf der Biel – Täuffelen Bahn (BTI) zum Einsatz.

Meine Fotos vom 29. Dezember 2018 zeigen den “neuen” Triebwagen abfahrbereit in Meiringen und nach der Ankunft in der Endstation Innertkirchen.

Die vielfach unbeachtete Meiringen – Innertkirchen Bahn hat definitiv eine recht interessante Geschichte und ist immer einen Abstecher wert!

03 Jan

Kuriosum in Siggenthal-Würenlingen

Güterschuppen Siggenthal-Würenlingen von Norden

Von Ruedi Wanner

Seit dem 30. Juni 2017 halten die Züge der S27 und S19 am neuen, 220 m langen Perron nördlich des früheren Standortes. Damit wird auch eine perfekte Verknüpfung mit den Buslinien 357 (nach Villigen und Turgi) sowie 360 (nach Brugg und Bad Zurzach) hergestellt. Die Bedingungen des Behinderten-Gleichstellungsgesetzes sind nun erfüllt.

Die früheren Anlageteile wie Aufnahmegebäude, Rampe und Güterschuppen lagen auf dem Gebiet der Gemeinde Untersiggenthal, während der neue Teil mit den Publikumsanlagen des Personenverkehrs voll auf Würenlinger Gebiet erstellt wurde. Sozusagen im Abtausch dazu liegt der Freiverlad nun in der Gemeinde Untersiggenthal. Der Güterschuppen, welcher seine Funktion längst verloren hat, wurde zum Infrastruktur-Stützpunkt der Cargo-Mitarbeiter, denn dieser Bahnhof hat – vor allem dank des benachbarten Zementwerks – einen beträchtlichen Güterverkehr aufzuweisen. Die farblich korrekte Beschriftung mit „Rangiermeister“ ist wohl landesweit einmalig; sie dürfte zumindest ein Schmunzeln auslösen, ebenso die weiteren angebrachten Schilder.

Der Güterschuppen von Süden

Fotos: K. Bärtsch, 2. Januar 2019

29 Dez

Rumänien im September 2018 (3)

Von José Banaudo, Nizza

Nun geht unsere Reise in den Südwesten Rumäniens. Wir verlassen die Ebene links der Donau und durchqueren den südlichsten Teil der Transssilvanischen Alpen um in die Banater Ebene und Richtung serbische und ungarische Grenze zu gelangen.

Auf der grossen Transversale Bukaresti–Timișoara über Craiova, Turnu Severin, Caransebeș und Lugoj begegnen wir sechsachsigen Elektrolokomotiven, die uns etwas an die CC 7100 der SNCF erinnern. Es handelt sich um den Typ 060 EA gebaut von 1965 bis 1991 in über 1000 Exemplaren. Die ersten Maschinen dieser sechsachsigen Weiterentwicklung der schwedischen SJ Rb mit 6900 PS lieferte ASEA. Die weiteren produzierte Electroputere in Lizenz, auch für Jugoslawien und Bulgarien. Am 5. September begegnen wir der 400.220 des Grup Feroviar Roman vor einem Güterzug beim Abwarten einer Kreuzung im Bahnhof Prunișor.

Hier am 6. September die 400.830 (noch mit Schildern der alten Nummerierung 40.0830). Auf Talfahrt vom Pasul Poarta Orientală (Pass Östliches Tor), wartet sie in Mehadia-Noua an der Spitze eines langen Hochbordwagenzugs auf die Überholung durch einen Schnellzug.

Am Morgen des 6. September fährt der Nachtexpresszug Mangalia–Timișoara hinter der 410.889 durch den Bahnhof Iablanița. Am Vorabend ist er an der Küste des Schwarzen Meers abgefahren und legt auf seiner Reise durch ganz Südrumänien fast 800 km zurück.

Am 6. September sehen wir in Oravița unsere erste «Caravelle» ex-SNCF. Sie fährt einen Zug von Regio Calatori, früher Regio Trans nach Berzovia. Die Triebwagen sind 97.0000, die Steuerwagen 57.0000 nummeriert, die drei letzten Ziffern zeigen die ursprüngliche Nummer bei der SNCF. Der 97.0510 / 57.0510 ist folglich der frühere X 4510. Man beachte die nachgerüsteten Rückspiegel.

Die Strecke Oravița–Anina, eröffnet 1863, ist die älteste rumänische Gebirgsbahn. Sie diente zum Kohlentransport aus den Minen von Anina. Damals gehörte Siebenbürgen zur österreichisch-ungarischen Monarchie. Die 34 km lange Banater Montanbahn durch das Anina-Gebirge wird auch rumänischer oder transsilvanischer Semmering genannt und steht unter Denkmalschutz. Sie weist 20 ‰-Steigungen, Kurven mit nur 114 m Minimalradius, 14 Tunnel und 10 Viadukte auf.

Seit Aufgabe der Kohlenförderung hat die Bahn einen hauptsächlich touristischen Charakter. Am Morgen des 6. September fährt die 69.0005 in Oravița an die Spitze des einzigen Zugs des Tages nach Anina. Sie gehört zu einer Serie dieselelektrischer, 1250 PS starken Lokomotiven, die 1975–77 von „Uzinele 23 August“ in Bukarest produziert wurden. Diese frühere Fahrzeugbau- und Maschinenfabrik Nicolae Malaxa wurde zur kommunistischen Zeit in „Lokomotivfabrik 23. August“ umbenannt, in Erinnerung an den Putsch von 1944 und Rumäniens Beitritt zu den Alliierten. Heute heisst sie FAUR.

Vorsichtig fährt der Zug Oravița–Anina in eine Kurve bei Brădișoru de Jos. Trotz des Einsatzes von Lokomotiven und Wagen, die für die engen Kurvenradien geeignet sind, ist die Geschwindigkeit sehr niedrig. Für 34 km werden 2 Std. Reisezeit benötigt, also rund 17 km/h !

Die Strasse folgt nicht einmal zur Hälfte der Bahnstrecke. Wir haben aber Zeit, um nach Oravița zurückzukehren und auf der direkten Strasse Anina vor Ankunft des Zugs zu erreichen !

Die 69.0005 hat ihren Zug umfahren, um nach Anina zurückzukehren. Die Wagen sind speziell für diese Linie angepasst.

Während die Hirten unterhalb des Bahndamms ihre Schafe sammeln, fährt der Zug Anina–Oravița am Nachmittag langsam über den Viadukt von Răchitova.

Unser Fototag vom 6. September endet wieder in der Ebene: Im Bahnhof Voiteni, wo die Strecken aus Reșița und Stamora Moravița (serbische Grenze) nach Timișoara zusammentreffen, rangiert die 60.1656 der privaten Gesellschaft MMV Rail Romania französische Getreidesilowagen „Transcéréales“.

Letzte „französische Begegnung“ im Bahnhof Voiteni: Die „Caravelles“ 97.0346 und 97.0442 von Regio Calatori (ex-X 4346 und 4442) als Regionalzug Reșița–Timișoara.

Alle Fotos: J. Banaudo

Übersetzung: C. Ammann

28 Dez

Rumänien im September 2018 (2)

Von José Banaudo, Nizza

Die meiste Zeit am 5. September 2018 verbrachten wir in Craiova. Diese Industriestadt hat mit der berühmten Firma Electroputere (heute Softronic) im Eisenbahn-Fahrzeugbau eine wichtige Bedeutung. Hier wurden aber dank einem Joint Venture mit Citroën seit 1981 auch Autos produziert. Die Fabrik Oltcit ging später an Daewoo, dann Ford Romania.

Die 230.175, eine preussische P8, wurde in der Zwischenkriegszeit unter Lizenz in Rumänien durch Reșița gebaut. Sie steht – zusehends von der Vegetation erobert – in einem Aussenbereich des Bahnhofs. Bei den meisten CFR-Dampflokomotiven erfolgte die Feuerung durch eine Mischung aus Schweröl und Braunkohle, denn Rumänien hatte früher eine eigene Petroleumförderung

Die dieselhydraulische 85.2001 des Grup Feroviar Roman (GFR) gehört auch zur Lokserie der 040 DH, die von 1965 bis 1983 durch die Lokomotivwerke 23. August (früher Malaxa und dann auch FAUR) in Bukarest gebaut wurde. Sie hat einen Maybach-Motor von 450 PS.

Friedliches Nebeneinander von privaten und staatlichen Betreibern im Güterbahnhof von Craiova: Die 60.0824 und 60.0614 gehören CFR Marfa, die 60.1646 und 60.0286 der Grup Feroviar Roman.

Doppeltraktion von 461.055 und 461.032 vor dem Regionalzug nach Petroșani (mit vier Wagen unterschiedlicher Bauart). Diese beiden Lokomotiven gehören zu den ursprünglichen Serien 43 und 44, die 1973–1984 bei Rade Končar im damaligen Jugoslawien gebaut wurden. 1999–2001 erfolgte ihre Modernisierung durch Softronic in Craiova.

Im östlichen Teil des Bahnhofs Craiova fahren Regionalzüge des Nahverkehrs ab, häuig noch lokbespannte, kürzere Zugskompositionen. Hier fährt die 460.051 an die Spitze eines Zugs nach Roșiori Nord.

Im gleichen Bahnhofbereich steht die 60.0652 vor einem Zug nach Piatra-Olt.

Die 89.0057 fährt an einen Zug nach Calafat, das als Flusshafen seine Bedeutung verloren hat, seit 2013 eine Donaubrücke zur bulgarischen Grenzstadt Vidin entstanden ist.

Nun noch einige Trambilder. Die “Regia Autonoma de Transport de Craiova” (RATC) betreibt 3 Linien auf einer 17 km langen, normalspurigen Strecke, welche die Stadt von Nordwesten nach Südosten durchquert, übrigens erst seit 1987. Oben der Wiener Tramzug Nr. 654 des Typs E1, gebaut von Simmering-Graz-Pauker (SGP), übernommen schliesslich aus Rotterdam. Er steht hier an der Endhaltestelle der Linie 100 in Pasaj Electro.

Ein weiterer SGP-Wagen aus Wien bzw. Rotterdam, die Nr. 655, an der Endstation der Linie 101, Uzina Ford.

Der Tramwagen Nr. 109, hier auf der Linie 100 in Pasaj Electro ist ein tschechischer ČKD Tatra KT4 D aus Berlin.

Auch den früher in Mittel- und Osteuropa omnipräsenten Tatra T4 kann man in Craiova begegnen. Der T4 D Nr. 209 aus Dresden fährt hier auf der Linie 101 an der Kirche der Eroii Neamului vorbei.

Der ČKD Tatra T4 D Nr. 207 aus Dresden an der Kreuzung der Calea Severinului mit dem Bulevardul Dacia.

Alle Fotos: J. Banaudo

Übersetzung: C. Ammann

27 Dez

Rumänien im September 2018 (1)

Von José Banaudo, Nizza

Von meiner Rumänien- und Bulgarienreise vom 4. – 18. September 2018 sind bereits die drei Blogs über Bulgarien erschienen. Nun folgen nach und nach die Bilder und Erinnerung aus Rumänien.

Am 4. September 2018, schon zwei Stunden nach Ankunft in Bukarest begegnen wir dem ersten Malaxa-Dieseltriebwagen im Bahnhof Alexandria an der Strecke Roșiori de Vede–Zimnicea. Der Triebwagen 77.0922 fährt den letzten Zug des Tages nach Rosiori Nord. Der kleine zweiachsige Oldtimer mit 120 PS gehört zu einer Fahrzeugserie, die zwischen 1935 und 1942 von der rumänischen Firma Nicolae Malaxa gebaut wurden. Leicht modernisiert und mit neuen Motoren ausgestattet sind sie wohl die ältesten Triebwagen, die in Europa oder gar auf der ganzen Welt im planmässigen Einsatz stehen.

Am 5. September fotografieren wir im Vorbahnhof von Rosiori Nord das Rollmaterial von drei privaten Bahngesellschaften:
– Eine für Franzosen vertraute Sihouette: Die BB 25109 der SNCF als 425.109 des Grup Feroviar Roman (GFR).
– Die vierachsige 43.007 von Servtans. Sie gehört zu einer Serie von Lokomotiven, die 1973 – 1988 nach schwedischer ASEA-Lizenz von der jugoslawischen Firma Rade Koncar in Zagreb gebaut worden ist.
– Ein Schnellzug Craiova–Constanța der Gesellschaft Softrans, Tochterfirma des Fahrzeugbauers Softronic in Craiova. Softronic hat auch 2014 den Triebwagenzug «Hyperion» gebaut, der hier im Einsatz steht.

Auf der Strecke Bukarest–Craiova fährt am 5. September ein Getreidezug mit der sechsachsigen, dieselelektrischen 60.0899 von Servtrans durch den Bahnhof Radomirești. Diese Lokserie 060 DA / 60 wurde in Rumänien nach Schweizer Linzenz in fast 2500 Exemplaren (!) produziert, und zwar auch für die bulgarischen, polnischen und chinesischen Staatsbahnen. Die ersten 6 Lokomotiven wurden 1959 durch SLM, Sulzer und Brown-Boveri gebaut, alle weiteren Maschinen von 1960 bis 1985 durch Electroputere in Craiova, UCMR Reșița und in den Lokomotivwerken 23. August in Bukarest. Sie sind mit einem 12-Zylinder-Zweireihen-4-Takt-Dieselmotor von 2100 PS von Sulzer ausgerüstet. Überall in Rumänien begegnet man dieser absolut charakteristischen Lokomotive in verschiedensten Lackierungen und Umbauversionen.

Am 5. September treffen sich in Caracal der Triebwagen 77.0918, im Einsatz auf den Linien nach Corabia und Piatra-Olt, und die sechsachsige dieselelektrische 651.014 von DB Schenker Romania. Sie stammt aus der DR-Baureihenfamilie 130, 131, 132 und 142, später DB AG: 230, 231, 232, 233, 234, 241, 754 und 242, gebaut in 873 Einheiten zwischen 1970 und 1982 in Woroschilowgrad, heute Lugansk (Ukraine). Auf der Seitenfront dieser „Ludmilla“ erkennt man den Namen „Vlad Tepes“ (= Vlad der Pfähler), des walachischen Fürsten, der den Dracula-Mythos inspirierte.

Nachdem wir den Westen Rumäniens besucht haben, kehren wir am 9.September durch das gebirgige Olt-Tal in die Landesmitte zurück. Hier ein Lokalzug Podu-Olt–Piatra-Olt hinter dieselhydraulischen, vierachsigen 89.0251 bei der Einfahrt in den Bahnhof Cainenii. Die Serie 89 mit 1250 PS wurde ab 2005 durch Faur Bukarest aus der Serie 80 umgebaut (elektrische Heizung statt Dampfheizung). Faur hatte die ersten Lokomotiven der Serie 80, damals 040 DH, ab 1968 Jahren produziert. Sie weisen eine Ähnlichkeit zur Bm 4/4 der SBB auf.

Am 9. September verlässt der Dieseltriebwagen 77.0999 als Regionalzug Râmnicu-Vâlcea–Podu-Olt, den Bahnhof Lotru. Ohne die hässlichen Graffitis wäre das Stimmungsbild fast perfekt!

Am 9. September stösst die 60.1350 in der neuen Lackierung von CFR Marfa (Güterdivision der Staatsbahn CFR) einen Kohlenzug aus dem Gleisfeld von Govora zur Sodafabrik CIECH in Râureni. Diese wird auch über eine lange, 760 mm-spurige Industriebahn mit Schiefer- und Kalkgestein versorgt. Leider war diese Bahn bei unserem Besuch nicht in Betrieb.

Am 10. September fährt ein Güterzug mit 25 Schüttgutwagen im Schritttempo von Babeni zur Mine von Alunu hoch, um mit Kohle für die Sodafabrik von Râureni beladen zu werden. Auf der Brücke über den Fluss Luncavăț erkennt man an der Spitze des Zuges die 60.0633 und 60.0812, die 60.0937 als Schiebelok. Ein Spektakel nicht nur fürs Auge sondern auch für die Ohren!

Am 10. September wird im Bahnhof Piatra-Olt ein Regionalzug nach Pitești mit der 64.1101 bereitgestellt. Die Lokomotive ist eine ursprüngliche Maschine der Serie 60, ab 2004 mit einem neuen Motor V12 EMD von General Motors ausgerüstet. Das Depot mit den kleinen Dieseltriebwagen der Reihe 77 ist gleich hinter dem Zug erkennbar.

Der gleiche Zug nun im Bahnhof Piatra-Olt, am Schluss wird aus dem Depot der Dieseltriebwagen 77.0976 überführt. Ein längeres Rangiermanöver beginnt.

Gleichentags erhält im Bahnhof Piatra-Olt der Siemens-Triebwagen des Typs Desiro der Reihe 96, unterwegs nach Pitești den Abfahrbefehl. Am ersten Perron wartet der Triebwagen 77.0953 als Regionalzug nach Caracal, von wo er dann seine Fahrt bis nach Corabia am Nordufer der Donau fortsetzen wird.

Alle Fotos: J. Banaudo

Übersetzung: C. Ammann

25 Dez

Trolley-Festival Torino

Von José Banaudo, Nizza

Jedes Jahr findet am ersten Dezembersonntag in Turin das traditonelle « Trolley-Festival» statt, organisiert von der Associazione Torinese Tram Storici (ATTS) in Zusammenarbeit mit dem öV-Transportunternehmen Gruppo Torinese Trasporti (GTT). GTT entstand 2003 durch die Fusion des Turiner Trambetriebs ATM mit der Vorortsbahngesellschaft SATTI.

Am 2. Dezember 2018 war es wieder so weit: Rendez-vous der Tramfreunde auf der Piazza Castello mit den Turiner Tramwagen 116, 2759, 502, 3104, neben einem Doppelstöckerbus Fiat 413 Viberti Nr. 2002 (1961).

Einige Angaben zur Sammlung der ATTS sind mit dem Link http://www.atts.to.it/de/veicoli-3  zu finden. Leider ist eine direkte Verlinkung derzeit wegen technischen Problemen nicht möglich.

Hinter dem Palazzo Madama sind die Triebwagen 2759, 2598 und der Münchner Anhängewagen 3404 (Rathgeber 1957) ausgestellt (letzterer in Restaurierung).

Es geht los. Der Tramwagen 116 (Diatto 1911), fährt als ältester Teilnehmer am Markt an der Porta Palazzo vorbei Richtung Via Milano.

Der Tramwagen 505 (Ansaldo 1924) auf dem Corso Regina Margherita.

Zwischen den Fahrten des Trolley Festival verkehrte die historische Tramlinie 7 (Linea storica 7) des GTT, die samstags und sonntags ab der Piazza Carlo Emanuele (“Piazza Carlina” für die Turiner) fährt. Hier der Tramwagen 2592 (Fiat 1933) im Abendlicht.

Der Triebwagen 2595 (Fiat 1933) im Einsatz auf der Linea storica des GTT an der Endhaltestellt an der Piazza Carlo Emanuele.

Der Römer Tramwagen 312 (Carminati & Toselli 1935) der Verkehrsbetriebe STEFER (Tranvie dei Castelli Romani) in den Giardini Reali.

Der Tramwagen 447 (Stanga 1938) der früheren städtischen Strassenbahn in Trieste (Normalspur, 1970 stillgelegt) fährt durch die Via Milano, unweit des Turiner Rathauses.

Der Triebwagen 3104 (Fiat 1949) der ATM Torino kommt aus den Giardini Reali und biegt am Rondo Rivella in den Corso Regina Margherita ein.

Die Nacht ist angebrochen. Auf der Piazza Castello steht noch immer der Gelenktriebwagen 2759 (Savigliano 1959) mit dem Spitznamen « due camere con cucina » (Zwei Zimmer mit Küche) ausgestellt. Daneben beginnt bald der Tramwagen 116 eine seiner letzten Rundfahrten des Tages.

Aber wir verlassen Turin nicht, ohne noch einen Blick auf die treuen Fahrzeuge der Serie 2800 zu werfen. Sie wurden auf Fahrgestellen aus den 1930er-Jahren aufgebaut und stehen noch immer in grosser Zahl auf den Linien 13, 15 und 16 im Einsatz. Doch in den kommenden Jahren ist ihre Ablösung geplant. Hier der Gelenkwagen 2869 (Fiat 1982) auf der Linie 16 am Rondo Rivella am Corso Regina Margherita.

Fünf «2800er » der ersten Serie sind in den klassischen zwei Grüntönen lackiert, hier der Wagen 2807 (Officine Moncenisio 1958) auf der Linie 5 . Er fährt aus der Via Po auf die Piazza Vittorio Veneto.

Alle Fotos: J. Banaudo

24 Dez

Inauguration de la réouverture Delle – Belfort

Delle, 6-12-2018

L’inauguration de la réouverture de la ligne internationale Delle–Belfort a eu lieu pour les officiels et les invités le 6 décembre 2018. Pour la fête, la Suisse et la France ont fait circuler deux trains inauguraux, l’un à partir de Belfort, dp. 9 h 22 et l’autre de Biel/Bienne, dp. 8 h 31 qui arrivaient alors en même temps à 10 h au quai central de la gare internationale de Delle. Entre les rames SBB RABe 522 206 sur voie 2 et les rames SNCF Z 27599/600 et 27595/96 sur la voie 3 (tête) a eu lieu à 10 h15 le geste inaugural franco-suisse, suivi alors par le dévoilement de la plaque inaugurale et ensuite, dans une tente, les prises de paroles officielles ainsi qu’un cocktail. A 13 h 40, les deux trains ont quitté la gare de Delle pour retourner à Belfort, resp. Biel/Bienne.

Delle, 6-12-2018
Grandvillars, 6-12-2018

Le lendemain, des courses d’essais/instruction avec des rames SNCF ont encore eu lieu. Samedi, 8 décembre, une journée Portes Ouvertes a attiré une grande foule de visiteurs et de voyageurs. Entre Delémont et Belfort tout le monde était invité à voyager gratuitement et découvrir cette liaison réouverte. En Suisse c’était gratuit entre 8 h et 19 h, en France toute la journée. Les trains ont surtout été pris d’assaut le matin par les Français voulant se rendre de Belfort à Delle pour profiter d’une visite en Suisse et des Jurassiens allant redécouvrir Belfort (où on était plus allé depuis longtemps…) Entre Delle et Belfort les trains spéciaux à cadence semi-horaire ont été réalisés avec les rames CFF RABe 522 211 et SNCF Z 27597/98 et 27599/600. Cependant, comme à l’horaire 2019, le train Suisse ne circulait que jusqu’à Meroux (gare Belfort-Montbéliard TGV). Les croisements ont eu lieu à Grandvillars.

Croisement à Grandvillars, 8-12-2018

Rappelons en bref l’histoire de Delle–Belfort: Le début avait été fait par la ligne Montbéliard–Delle, mise en service par le PLM en 1868 et prolongée jusqu’à Porrentruy en 1872. (Chemin de fer Porrentruy–Delle, exploitation par le PLM). La ligne « Directe » entre Belfort et Delle du Chemin de fer de l’EST fut inaugurée en même temps que l’achèvement de la liaison Delémont–Porrentruy en 1877. L’EST utilisait entre Morvillars et Delle l’infrastructure PLM, réglé par un traité entre les deux compagnies en 1875. C’est seulement dans les années 1880 que la section Morvillars–Delle fut mise à double voie, déposée en 1953. Le service régional entre Delle, Belfort et Montbéliard fut supprimé selon la loi de la coordination en 1938.

Dans les années 1950 la Suisse demandait l’électrification de Delle à Belfort (Delémont–Porrentruy–Delle a été électrifié en 1933) et l’étoffement de la desserte Delle–Belfort, seulement parcouru par des trains internationaux et les trains marchandises. Ceci avait finalement amené dans les années 1950 à deux paires d’autorails De Dietrich par jour, mais uniquement les samedis et dimanche, à titre d’essais (marqué ainsi dans les horaires Chaix). Cet essai fut abandonné en 1958. En 1992 les trains voyageurs internationaux avec CC 72000 et 2 à 3 voitures furent supprimés, le service marchandises par Delle en 1996. De 1995 à 2006, la gare de Delle ne fut même plus desservie par des trains CFF en provenance de Delémont. On peut donc constater qu’après 60 ans on est arrivé à ce qu’on eût au moins souhaité officiellement côté Suisse.

Indicateur officiel Suisse, 15. V. – 5. X. 1935

La ligne réouverte est désormais parcourue par 16 aller-retour entre Delle et Belfort, dont les trains suisses se limitent à Meroux (gare TGV Belfort-Montbéliard) et s’arrêtent à titre d’essais pendant 6 mois également à Morvillars, arrêt exigé par cette commune qui se défendait contre une suppression en raison de la durée du parcours!

Le train inaugural le 6-12-2018 en gare de Morvillars

Des gares intermédiaires ont été installées à Danjoutin, Meroux Belfort-Montbéliard TGV, Morvillars, Grandvillars et Joncherey. Le temps de parcours entre Delle et Belfort-Ville se réduit à 25 minutes (auparavant uniquement lignes d’autocar 25 et 3 OPTYMO avec changement et souvent perte de correspondance à Belfort-Montbéliard TGV), entre Belfort-Ville et la gare de TGV à 10 minutes. La ligne réouverte renforce considérablement la part du rail dans les déplacements transfrontaliers et périurbains.

Rame suisse à Meroux (Belfort-Montbéliard TGV), 8-12-2018

Le projet franco-suisse est co-financé par la Région Bourgogne-Franche-Comté (30,9 M€), l’Etat français (30,9 M€), la Confédération Helvétique (24,7 M€), l’Union Européenne (9,2 M€), le département du Territoire de Belfort (5 M€), SNCF Réseau 4 M€), République et Canton du Jura (3,2 M€), Grand Belfort 2,5 M€) et la communauté de Communes Sud Territoire (0,5 M€). Notons qu’avant la 1ère Guerre mondiale, c’était la France, plus spécialement le chemin de fer de l’EST, qui avait soutenu financièrement la construction des lignes Suisses dans le Jura et alors contribué aussi à la réalisation des lignes du Simplon et du Lötschberg.

Delle, 6-12-2018
Delle, 8-12-2018

Toutes les photos: C. Ammann

Un grand merci pour la traduction à Roland MATHYS, RCYB,

22 Dez

Freie Fahrt für die Durchmesserlinie (DML)

ABe 8/12 4004|4104 und 4003|4103 in St.Gallen AB, Foto: 09.12.2018

von Armand Wilhelmi, EMF St. Gallen

In der Nacht 8./9. Dezember 2018 wurde die „Kletterweiche“ in St.Gallen entfernt. Damit hiess es mit Beginn des neuen Fahrplans ab 9. Dezember 2018 freie Fahrt für die durchgehenden Züge Trogen-St.Gallen-Gais-Appenzell. Ein Ereignis, welches Geschichte schreiben wird. Noch nie waren diese beiden Strecken der ehemaligen Trogenerbahn (TB) und der St.Gallen-Gais-Appenzell-Bahn (SGA) miteinander verbunden.

Die Idee eines Zusammenschlusses dieser beiden Streckennetze bestand schon sehr lange. Bis diese Idee umgesetzt werden konnte, mussten einige, grössere Hürden überwunden werden. Jetzt – mit dem 09.12.2018 – ist dieser Zusammenschluss und damit das Jahrhundertereignis Tatsache geworden!

Noch in der Nacht 6./7. Dezember 2018 wurde – nachdem der letzte Be 4/8 verkehrte – die Fahrleitungsspannung von 1000 auf 1500 DCV erhöht (siehe dazu den Blog „Vom Appenzellerland an die Neuenburger Riviera [2]).

Am 7. Dezember 2018 begangen bereits die ersten Vorarbeiten für den Rückbau der Kletterweiche. Es musste der Teerbelag – welcher bis zur Schienenoberkante reichte – wieder entfernt werden. Diese Aufdoppelung des Strassenbelages war unbedingt nötig, damit keine Stolperfallen entstanden. Normalerweise muss eine Kletterweiche nicht unbedingt aufgefüllt werden, wenn sie nicht von Fahrzeugen befahren werden muss oder in einem Fussgängerbereich liegt, wie in St.Gallen.

Eine Kletterweiche – sie wird oft auch als Auflegeweiche bezeichnet – wird temporär, meistens bei Gleiserneuerungsarbeiten im innerstädtischen Bereich, wo Trams/Überlandbahnen verkehren, eingesetzt. Die Kletterweiche wird auf das bestehende Gleis gelegt, um Züge auf ein anderes Gleis umzuleiten. Die Kletterweiche besteht hierzu aus fest miteinander verbundenen Schienenprofilen. Über abgeflachte Enden können die Trams/Züge auf die Behelfsweiche auffahren und so umgeleitet, werden. Bei doppelspurigen Stadtstrecken – wo Schienenoberkante und Strasse das gleiche Niveau haben – geschieht das in den meisten Fällen für den Richtungswechsel von Zweirichtungsfahrzeugen.

Die Kletterweichen sind „Rückfallweichen“, dh. sie können von der stumpfen Seite her „aufgeschnitten“ werden.

Das Foto (oben) zeigt eine solche Kletterweiche in der Kreuzbühlstrasse in Zürich während dem Umbau des Stadelhoferplatzes im Sommer 2009 (3 Fotos 16.07.2009). Der Streckenabschnitt vom Stadelhoferplatz bis Rehalp, bzw bis Esslingen war durch diesen Umbau vom übrigen Schienennetz der Stadt abgetrennt. Es betraf dies die Linie 11 der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) bis Rehalp und die S18 der Forchbahn (FB) bis Esslingen. Vom Bahnhof Stadelhofen bis Rehalp benützen die VBZ und die FB das gleiche Gleis. In Rehalp besteht für das Tram eine Wendeschleife.

Da die VBZ über keine Zweirichtungsfahrzeuge verfügten, sprang die Forchbahn ein und bediente mit Zusatzkursen alle Haltestellen der VBZ-Linie 11 bis Rehalp. Die etwas verdeckte weisse Tafel zeigt auf der anderen Seite Vmax 10 an, die Geschwindigkeit, mit welcher die Weiche maximal befahren werden darf.

Diese Kletterweiche wurde 2013 angefertigt. Zuerst wurde sie zwei Mal im Bereich der Haltestelle Spisertor verwendet: am Burggraben und in der Linsebühlstrasse. Vor zwei Jahren, am 24.11.2016, wurde sie auf der Ostseite des AB-Bahnhofes St.Gallen verlegt, bzw eingebaut und am 11.12.2016 mit dem Fahrplanwechsel in Betrieb genommen. Bis zu diesem Fahrplanwechsel endigten die Züge der TB-Linie vor dem Restaurant Dufour in der Bahnhofstrasse. Seit zwei Jahren konnten die Züge aus Trogen – über diese Kletterweiche – wieder ins Gleis 12 einfahren. Die heutige Doppelspur über den Bahnhofplatz wurde bereits 2016 betriebsbereit verlegt und das im Zuge der Neugestaltung des Bahnhofplatzes St.Gallen.

Da die Kletterweiche bereits zwei Einsätze hinter sich hatte, war man bei den Appenzeller Bahnen froh, dass sie – nach zwei Jahren intensiver Benützung – bis zum Schluss durchgehalten hat. Sie hatte nun ihre Lebensdauer erreicht und wird nicht mehr weiter verwendet, sie hat nur noch Schrottwert.

Im Laufe des Samstagabend, 08.12.2018, wurde weiter an der Freilegung der Gleisverbindung mit der Weiche gearbeitet.

Um 0:20 Uhr fährt in der Nacht 08./09.12.2018 zum letzten Mal ein Zug über die Kletterweiche in St.Gallen ins Gleis 12 ein. Es handelt sich um die S21 4239. Alles ist bereit um das Verbindungsgleis mit der Kletterweiche nach genau zwei Jahren intensiver Benützung wieder abzubauen, damit eine durchgehende Doppelspur entsteht.

Zug 4004 steht abfahrbereit im Gleis 12 (Be 8/12 4007|4107). Pünktlich um 0:25 Uhr verlässt er St.Gallen. Kaum ausgefahren, beginnen sofort die Rückbauarbeiten.

Da sich die meisten Befestigungsmuttern nicht mehr lösen liessen, musste mit einer Trennscheibe nachgeholfen werden.

Die ersten, gelösten Schienenstücke werden weggebracht.

Vorstehende Schrauben müssen ebenfalls bündig abgetrennt werden.

Schon bald sind die letzten Schienenstücke aus der Verankerung gelöst.

Ein nicht mehr benötigtes Signal wird entfernt.

Der Turmwagen der VBSG (Verkehrsbetriebe der Stadt St.Gallen) und eine Hebebühne von Kummler+Matter sind angekommen. Nachdem der Strom in diesem Bereich abgestellt wurde, kann jetzt die nicht mehr benötigte Fahrleitung (Querverbindung) entfernt werden, inkl. der diversen Abspannseile zu den angrenzenden Gebäuden oder Masten.

Das zweitletzte Schienenstück wird weggehoben.

Die demontierten Schienenstücke werden auf einen Anhänger verladen.

Das letzte Schienenstück wird angehoben und verladen.

Hochbetrieb bis am Schluss. Doch alle Arbeiten werden ruhig und ohne Hektik ausgeführt. Man sieht, hier sind Profis am Werk!

Die Kletterweiche ist vollständig abgebaut.

Das Haltsignal und die beiden Hemmschuhe im Gleis 11 können schon bald entfernt werden.

Es ist jetzt Sonntag, 9. Dezember 2018. Die ersten Tangos rollen seit Betriebsbeginn planmässig über die beiden durchgehenden, weichenfreien Gleise.

Damit ist die langersehnte Durchmesserlinie (DML) ganz still und leise eröffnet worden. Nur noch Spuren am Boden zeugen von dieser Gleisverbindung, die noch bis vor wenigen Stunden zuvor bestanden hat.

Mit der Eröffnung der Durchmesserlinie musste auch der Fahrplan angepasst werden. Für die Strecke Appenzell-Gais-Teufen-St.Gallen-Trogen gibt es nur noch das Fahrplanfeld 855. Diese beiden ehemaligen, getrennten Strecken wurden in einem einzigen Fahrplan zusammengefasst.

Die durchgehenden Züge Appenzell-St.Gallen-Trogen (im Halbstundentakt) werden als S21 bezeichnet. Die zusätzlichen Züge, welche Mo-Fr zu den Hauptverkehrszeiten (HVZ) zwischen Trogen und St.Gallen, bzw ab 18.03.2019 bis nach Teufen verkehren, werden als S22 bezeichnet. Damit entsteht Mo-Fr zu HV-Zeiten ein Viertelstundentakt. Bis 18.03.2019 sind dann auch alle 11 Tangos abgeliefert.

Alle Fotos: A. Wilhelmi

30 Nov

Motorwagen BFe 4/4 491 für die Strecke Bellinzona-Mesocco der RhB

(Foto: Hansruedi Ryffel)

Nach der Übernahme der BM durch die RhB stellte man fest, dass ein umfänglicher Restaurierungsprozess der Infrastruktur und des Rollmaterials im Misox unumgänglich war. Das Rollmaterial bestand noch fast ausschliesslich aus Fahrzeugen der ersten Betriebsjahre der Bahn. Obwohl das Rollmaterial für den relativ schwachen Verkehr durchaus reichte, so entsprachen die Streckenhöchstgeschwindigkeit und die Ausstattung der Linie nicht mehr den damaligen Bedürfnissen. Für Neubeschaffungen fehlten der RhB aber die Finanzierungsmittel, so dass man die vorhandenen Triebwagen modernisierte.

(Foto: Archiv RhB)

Bei der Beschaffung von sechs neuen Gleichstromtriebwagen für die Arosabahn wurde eine abgeänderte Version dieser Einheitstriebwagen für die Misoxerlinie konzipiert. Zwei der neuen ChA-Triebwagen wurden so ausgerüstet, dass diese auch auf der Misoxerlinie eingesetzt werden konnten. Dies war gut durchdacht, da man Kosten sparte und die Triebwagen während der Sommersaison auf die BM verlegen konnte. Während den Wintermonaten herrschte auf der ChA Hochbetrieb, weshalb man die Triebwagen wieder auf der eigentlichen Stammstrecke benötigte.

Die allgemeine Verkehrszunahme (Rollschemelverkehr) und die in Aussicht stehenden Kraftwerkbauten machten es dann doch notwendig, zusätzlich zu den beiden für die Strecken Chur-Arosa und Bellinzona-Mesocco eingerichteten neuen Motorwagen ABFe 4/4 483’’ und 484’’, einen ganz der Strecke Bellinzona-Mesocco zur Verfügung stehenden Motorwagen anzuschaffen. Es war möglich, an die im Bau befindliche Motorwagenserie ABFe 481’’-486’’ ein weiteres Fahrzeug anzuschliessen. Da das neue Fahrzeug vorerst vorwiegend im Güterverkehr (Zementtransporte, Rollschemelverkehr) eingesetzt werden soll, wurde nur eine beschränkte Anzahl Sitzplätze, dafür aber ein grosses Gepäckabteil eingebaut. Alles war jedoch so vorbereitet (Wagenkasten, Fenster, Heizung usw.), dass ein weiteres Personenabteil mit 16 Sitzplätzen eingerichtet werden konnte. Im weiteren wurden die elektrischen und pneumatischen Einrichtungen so disponiert, dass eine allfällige Verwendung auch auf der Strecke Chur-Arosa ohne grosse Umbauten möglich gewesen wäre.

(Foto. Rolf Rütimann)

Mit dem Bau des Motorwagen BFe 4/4 491 im Jahre 1958 wurden die gleichen Firmen betraut, die schon die Motorwagen-Serie ABFe 4/4 481’’-486’’ in Auftrag gehabt haben, d.h. die Firmen: Schweizerische Wagonsfabrik Schlieren, S.A. des Ateliers de Sécheron, Genf und A.G. Brown, Boveri & Cie., Baden.

Die Drehgestelle mit Zug- und Stossvorrichtungen sind genau gleicher Bauart wie diejenigen der Motorwagen ABFe 4/4 481’’-486’’. Auf die 1. Klasse wurde ganz verzichtet, die 2. Klasse wurde auf ein kleines Abteil mit 16 Sitzplätzen reduziert.

Auf den Einbau von weniger benötigten Komponenten wie Nutzstrombremsen, Vielfachsteuerung und Fernsteuerung wurde verzichtet. Dieser Triebwagen war das Rückgrat der BM und sozusagen ein Multifunktionalfahrzeug und ersetzte den verunfallten Gütertriebwagen De 4/4 471.

(Foto: Rolf Rütimann)

Kurz nach der Inbetriebsetzung des Wagens 491 stellte sich heraus, dass die Kompressoren zu schwach konzipiert waren. Erst nach langem Nachpumpen konnten festgebremste Züge wieder anfahren. Die Werkstätte Mesocco baute kurzerhand einen zweiten Kompressor ein. Im Übrigen bewährte sich das Fahrzeug im Misox ausserordentlich. Bis 2003 befand sich das Fahrzeug im Eigentum der Rhätischen Bahn. Danach ging es an die Museumsbahn Ferrovia Mesolcinese, die auf dem verbliebenen Reststück der BM einen Museumsbahnbetrieb aufrecht erhielt. Seit 2013 steht der Triebwagen abgestellt im ehemaligen Depot Grono und wartet auf seinen nächsten Einsatz bzw. auf eine bessere Zukunft.

(Quellen: RhB-Nachrichten, Archiv RhB, Bellinzona-Mesocco-Bahn von Rolf Rütimann, Briefe Eisenbahnabteilung Bern)

24 Okt

Eisenbahn-Impressionen Bulgarien (1)

Von José Banaudo

Vom 4. – 18. September besuchte ich per Mietauto den Süden Rumänien und machte vom 11. – 15. September einen Abstecher über die Donau nach Bulgarien, vor allem zum Besuch der schmalspurigen Rhodopenbahn.

Bulgarien ist wie Rumänien ein sehr interessantes Land mit wunderschöner Landschaft. Die Verständigung war aber schwieriger, nicht zuletzt wegen der kyrillischen Schrift. Nachfolgend ein erster Teil meiner Bahn-Impressionen aus Bulgarien.

Der Eisenbahnbetrieb der Staatsbahn BDZ БДЖ erschien im Vergleich zu Rumänien viel weniger lebhaft als nördlich der Donau. Sogar in den Bahnhöfen der wichtigsten Städte waren die grosszügigen Anlagen fast verwaist und leer. Es verkehren wenig Personenzüge, meist verschmiert mit den allgegenwärtigen Graffitis. Die ebenfalls seltenen Güterzüge fahren vor allem nachts.

Eine Karte aus dem BDZ-Kursbuch 1984/85. Noch fehlt der neue Übergang Calafat – Vidim. Über den gegenwärtig geschlossenen Übergang Kardam – Negru Voda (die Donau verläuft dort weit nördlich) fuhren einst die Züge Bukarest -Varna und Moskau – Odessa – Varna.

Wegen der nicht immer guten Beziehungen zu den Nachbarländern Rumänien, Türkei und Griechenland, einer Wirtschaft mit wenig Industrie und seiner Lage am Rande Europas rollt kaum ein wichtiger Gütertransit über die Schienen Bulgariens.

Unsere Rundreise begann frühmorgens am 11. September auf der Fähre, die Bechet (Rumänien) mit Orjachovo (Bulgarien) verbindet. Die Donaufähren spielen nach wie vor eine wichtige Rolle, denn es existieren nur zwei Bahn-/Strassenbrücken zwischen Rumänien und Bulgarien: flussaufwärts der Übergang Calafat /Vidin (seit Juni 2013, sh. EA 9/13 und 2/14 – Europa), flussabwärts Giurgiu/Russe.

Wir benützen eine etwas spezielle Fähre mit Doppelrumpf und Verbindungsbrücke. Die roten Sterne bestätigen die sowjetische Herkunft. Etwas beunruhigender ist der Name der Fähre «Pripyat I». Pripyat heissen der Fluss und die Geisterstadt beim ukrainischen Unglücks-AKW Tschernobyl.

Zwei Personenzüge, gezogen von Škoda-Elektroloks aus der damaligen Tschechoslowakei kreuzen sich im Bahnhof Mesdra (Мездра). Links der Zug nach Tscherven Brjag mit der 44.078 (Serie von 1975-80) und rechts der Zug nach Sofia mit der 43.309 (Serie von 1971-74).

Im Zentralbahnhof SOFIA CENTRALNA GARA steht die Škoda-Lok 45.176 an der Spitze eines Expresszugs nach Varna. Die Serie 45, gebaut 1982-83, bildet die modernste Version der bulgarischen Skoda-Loks. Obwohl wir im Bahnhof der Hauptstadt sind, herrscht auf den Perrons fast gähnende Leere.

Die 86.013 von DB Cargo Bulgaria, hier am 12. September im Bahnhof Septemvri, ist eine Lok des Typs EA der dänischen Staatsbahn DSB, gebaut 1992 von ABB Scandia. Als die Deutsche Bahn unter dem Namen Railion den Güterverkehr der dänischen Bahnen übernommen hatte, sandte sie einige dieser Maschinen zu ihren Filialen nach Rumänien und Bulgarien.

Am 14. September ist die Škoda-Lok 44.090 aus den Jahren 1975-80 in Plovdiv abfahrtsbereit vor einem Expresszug nach Burgas. Die Lok ist in sehr gepflegtem Zustand, ein Wagen aber mit den überall auf dem Reisezugsmaterial anzutreffenden Graffitis verschmiert.

Der dreiteilige Siemens „Desiro“ 30.023 / 024 aus Sofia kommt im modernen Bahnhof von Karlovo an. Diese in den Nationalfarben Bulgariens lackierten Fahrzeuge werden systematisch mit Graffitis bedeckt, einige sogar „flächendeckend“.

Die Škoda-Lok 44.001 in blauer Lackierung, durchfährt mit einem Zug Burgas -Sofia den Bahnhof Botev. Diese Lok ist übrigens nicht die erste der Serie, sondern die umgebaute 44.104, welche diese Nummer erhielt.

In Botev ist der Bahnverkehr so bescheiden, dass der berittene Hirt in Ruhe seine Büffel- und Kuhherde über die Gleise einer der wichtigsten Eisenbahnlinien Bulgariens treiben kann.
Am Morgen des 15.September hält ein schwerer Zug mit offenen Güterwagen im kleinen Bahnhof Petko-Karavelovo an der Linie Russe – Gorna Orjahovitsa. An der Spitze die Škoda-Lok 44.164, am Schluss als Schiebelok die 44.184.

Ein Regionalverkehrszug Russe – Gorna Orjahovitsa, gezogen von der Škoda-Lok 44.111, fährt nach kurzem Zwischenhalt im Bahnhof Byala ab.

Am Südufer der Donau ist der Hafen von Russe ein traditioneller Etappenhalt im Austausch zwischen Europa und dem Nahen Osten. Die Reisenden des Orient-Express überquerten hier den Fluss mit einer Fähre, um in den Zug nach Varna oder Istanbul umzusteigen. Als 1954 die Fähre durch die gemischte Strassenbrücke «Freundschaft» ersetzt wurde, entstand auch ein neuer Bahnhof in monumentalem, neoklassizistischem Stil. In seiner prunkvollen Halle, die an die Moskauer Metro erinnert, herrscht aber meist Stille. Denn der Bahnverkehr mit Rumänien beschränkt sich auf zwei tägliche Zugpaare, wovon eines in der Nacht.

Ein bescheiden kurzer Zug für den so grossen Bahnhof Russe! Die Škoda-Lok 44.109 steht vor einem Regionalverkehrszug nach Gorna Orjahovitsa, einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt nördlich der historischen Stadt Veliko Tarnovo.

Fotos: J. Banaudo

Übersetzung: Chr. Ammann

Es sind in loser Folge weitere Blogs über diese faszinierende Reise durch Rumänien und Bulgarien vorgesehen.

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