02 Sep

« Roll-Out » de l’automotrice O-C centenaire à Müncheberg–Buckow (D)

Samedi 22 août 2020 à 13 h s’est déroulé à Buckow (Märkische Schweiz), le « Roll-Out » de l’automotrice BDe 4/4 13 ex-Orbe–Chavornay dans sa nouvelle livrée classique qui s’approche de celle du matériel roulant de la Buckower Kleinbahn, livrée beaucoup plus adaptée que la précédente que portait cette automotrice auparavant. Elle fut construite en 1920 chez SWS Schlieren et équipée électriquement par MFO Oerlikon. En 2013, elle avait passé au musée privé à Kallnach, puis en février 2017 elle avait retrouvé sa nouvelle patrie à Buckow, où l’association Buckower Kleinbahn était à la recherche d’un engin historique intéressant, rappelant un peu le passé de cette petite ligne de 4,7 km, reliée à l’ancienne Ostbahn Berlin–Königsberg, à Müncheberg. (article EA 10/18, pages 434–435), site https://buckower-kleinbahn.de/

Buckow, 22.8.2020
Terminus Müncheberg (Mark) du chemin de fer touristique, 22.8.2020
Autorail Berlin Lichtenberg – Küstrin Kiez (-Kostrzyn) en gare de Müncheberg (Mark), 22.8.2020

L’automotrice suisse dans la « Märkische Schweiz » circulera encore les 3 et 17 octobre (sous réserve). L’association cherche des dons pour construire une remise pour la garer et, ainsi, la protéger en hiver.

Photos: Mario Constabel (2,3,5) et Christian Ammann

01 Sep

Litauen (3)

Von José Banaudo, Nizza

Ein Jahr nach unserer Baltikumreise vom September 2019 schliesse ich nun endlich meinen Reisebericht mit einem Blick auf den schweren Güterverkehr in Litauen ab. Wie bereits berichtet, hat inzwischen die Staatsbahn Lietuvos Geležinkeliai (neu LTG) drei Sparten Personenverkehr, Güterverkehr und Infrastruktur gebildet. Der Güterverkehr firmiert unter der Marke LTG Cargo. Ähnlich wie in Estland und Lettland bildet der Ost-West-Gütertransit den Hauptverkehr, im Fall von Litauen der Austausch zwischen Russland und Weissrussland einerseits sowie den Häfen Kaliningrad (russische Exklave) und Klaipėda andererseits.

Basis des für den Güterverkehr eingesetzten Triebfahrzeugparks in Litauen sind die dieselelektrischen, 12-achsigen Doppelloks der Reihe 2M62, die zwischen 1976 und 1987 in der sowjetischen Lokomotivfabrik «Oktoberrevolution» in Woroschilowgrad, heute Luhansk, gebaut wurden. Von den dort produzierten 1261 Einheiten besitzt LTG Cargo rund 60 Maschinen. Ihr Neuanstrich in Rot und Grau wirkt weniger streng als die ursprünglich dunkelgrüne Lackierung.

Die Unterserien K und U verfügen über zwei russische Dieselmotoren aus dem Werk Kolomna, während die Serie M mit solchen von Caterpillar ausgerüstet ist und über 4000 PS verfügt. Dies ist auch der Fall der 2M62 M 0670, der wir auf dem oberen Bild zwischen zwei Zugsleistungen im Rangierbahnhof von Radviliškis im Norden des Landes begegnen.

Die 2M2 M 0569 fährt mit einem Zug Richtung Vilnius durch den Bahnhof Lentvaris, unter der Fahrleitung der Hauptstrecke, welche von der heutigen Hauptstadt Vilnius nach Kaunas führt, der Hauptstadt von Litauen in der Zwischenkriegszeit.

Auf der Hauptstrecke, die Vilnius mit Klaipėda und Rīga verbindet, folgen sich die schweren Güterzüge Richtung Norden auf Blockdistanz. Dieser Zug in der Nähe von Žeimiai wird von der 2M62 K 0488 gezogen, noch mit russischen Kolomna-Motoren und nicht klimatisierten Führerständen.

Hier begegnen wir am Bahnübergäng von Žeimiai der 2M62 M 0537 vor einem Blockzug mit hochwandigen Güterwagen Richtung Šiauliai und Klaipėda. Man beachte das Klimaanlagengerät auf dem Dach des Führerstandes.

Nach den beiden andern Zügen beweist die 2M62 M 1161 vor einem weissrussischen Silowagenzug ihre Kraft in der Steigung vor Gudžiūnai.

In Šilėnai, an der Verbindung zwischen den beiden wichtigen Abzweigbahnhöfen Radviliškis und Šiauliai, kommt uns die 2M62 M 0671 mit einem Tankwagenzug Richtung Vilnius entgegen.

Die modernsten litauischen Lokomotiven sind die sechsachsigen dieselelektrischen Maschinen des Typs «Euro Runner» von Siemens, ausgerüstet mit einem V16 MTU Motor von 3700 PS. Sie wurden zwischen 2007 und 2009 in 44 Exemplaren geliefert. Wir trafen in Šiauliai die ER20 037 in der ursprünglichen roten Lackierung mit dem „Weissen Ritter“ « Vytis » an, aber im Frühling 2020 präsentierte LTG Cargo die ER20 029 in der neuen Hausfarbe Gelb!

Die ER20 011 verlässt den Rangierbahnhof Palemonas bei Kaunas, im Vordergrund die elektrifizierte Strecke aus Vilnius, und erreicht Richtung Gaižiūnai die Hauptachse nach Norden nach Šiauliai, Klaipėda oder Rīga.

Radviliškis verdankt seinen Rangierbahnhof dem Umstand, dass hier vier Strecken zusammentreffen und hier auch verschiedene Industriebetriebe angesiedelt sind, Getreidesilos, eine Torfverarbeitungsfabrik und ein Güterwagen-Reparaturwerk. Die ER20 015 fährt hier mit ihrem Güterzug Richtung Šiauliai aus.

Die ER20 021 und 036 fahren an der Spitze eines weissrussischen Silowagenzugs langsam durch den Bahnhof Šilėnai, unterwegs Richtung Vilnius und Grenzbahnhof Kena.

Die ER20 009 mit einem endlos erscheinenden Güterzug Richtung Radviliškis und Vilnius im Bahnhof Šiauliai.

Und schon fährt in der Gegenrichtung die ER20 015 mit einem Güterzug Richtung Hafen Klaipėda durch Šiauliai.

Im kleinen Bahnhof Giruliai, nahe an der Ostsee, legt die sechsachsige Siemenslok ER20 020 die letzten km ihrer Reise zum Hafen Klaipėda (dem früheren Memel) zurück.

Unter strömendem Regen fährt die sechsachsige TEM-TMH 054 mit zwei Wagen als Nahgüterzug Klaipėda–Kretinga durch den Bahnhof Giruliai. Diesen dieselelektrischen Maschinen für Rangier- und leichten Zugdienst sind wir schon im vorherigen Blog begegnet. Sie wurden zwischen 2009 und 2015 durch die russische Gruppe Transmaschholding in Briansk nach Plänen der tschechischen Gesellschaft CZ Loko gebaut, mit einem 1200 PS-Motor von Caterpillar de 1200 ch und einem elektrischen Antrieb von Siemens. Die Endmontage erfolgte in Litauen in den VLRD-Werkstätten des Depots Vilnius (Vilniaus lokomotyvų remonto depas). Es sind also sehr internationale Lokomotiven!

International… das ist auch unser Bild von den Baltischen Republiken, einer wichtigen europäischen Verkehrsdrehscheibe. Damit endet mein lange gewordener Reisebericht, der Ihnen hoffentlich den Schienenverkehr in Estland, Lettland und Litauen etwas näher gebracht hat.

Alle Fotos: J. Banaudo

Übersetzung: C. Ammann

17 Aug

Nochmals nichts – Toggenburgerbahn-Feier vom 12. September 2020 abgesagt

Von Johannes Läubli, EMF + DLC

Wie soeben bekannt wurde, kommt auch der zweite Anlauf zum Feiern der 150-jährigen Eisenbahn im Toggenburg nicht über die letzten Vorbereitungen hinaus:

Die Festlichkeiten vom 12. September 2020 sind definitiv, diesmal ohne erneutes Verschiebedatum, abgesagt. Der Bundesrat gibt Veranstaltungen mit 1000 und mehr Personen frühestens im Oktober frei. Ein Ersatzdatum im nächsten Jahr scheitert am geplanten Umbau des Bahnhofs Wattwil durch die SOB und Bauarbeiten im Ortszentrum Wattwil.

Es hat dem DLC schon ein wenig auf die Seele geschneit, mitten im Sommer, denn auch sein klubinternes 55-55-Fest (siehe Blog vom 24. Juni 2020) muss damit entfallen. Allerdings soll dafür ein Nachholdatum im 2021 ins Auge gefasst werden.

Habe ich “Schnee” gesagt? Dazu gibt es aus dem Fundus von Christian Ammann einige auch geografisch überaus passende Bilder aus Wattwil:

Wattwil, Güterzug 64573 in Gleis 2, 4.1.1985
Wattwil. Ausfahrt von 64573 aus Gleis 2 Richtung Lichtensteig SBB, 4.1.1985
Wattwil, BT-Pendelzug 71 in Gleis 1, 4.1.1985

…und aus Lichtensteig.

Lichtensteig, Einfahrt eines Regionalzugs nach Wil in Gleis A 2, 3.1.1985.
Lichtensteig, einfahrender Regionalzug aus Wil in Gleis A2, 4.1.1985
Lichtensteig, Schneeräumung auf der SBB-Seite, 4.1.1985.
Lichtensteig, Kreuzung auf der SBB-Seite (Gleise A2 und A3), 3.1.1985.

Alle Fotos: C. Ammann

15 Aug

Die Spanisch-Brötli-Bahn wird elektrisch

Von Ruedi Wanner, SEAK

Gemeint ist die strassenfähige Nachbildung, im Besitze der Stadt Baden und von einem Turnverein betreut.

Wir haben im Blog vom 9. Januar 2018 über die pneubereifte Spanisch-Brötli-Bahn in Baden berichtet. Wie es weiter gehen sollte, war damals noch nicht klar. Nun stellt sich heraus, dass die Stadt Baden das historische Fahrzeug, das bei Anlässen, Umzügen, Badenfahrt etc. eingesetzt wird, für die Zukunft erhalten will. Der gut verdeckte Dieselmotor von 1937 kann allerdings mangels Ersatzteilen nicht mehr revidiert werden, sodass nun ein elektrischer Antrieb eingebaut wird. Für die Kosten von Fr. 110‘000.- ist die Sponsorensuche angelaufen.

Text und Foto: R. Wanner

11 Aug

Beirut: Stationsgebäude von Mar Mikhaël auch beschädigt

Von Lorenz Degen

Die gewaltige Explosion vom 4. August 2020 im Hafen von Beirut hat auch Schäden am stillgelegten Bahnhof Mar Mikhaël angerichtet. Der Fotograf Eddy Choueiry, Mitglied der Gruppe «TrainTrain», die sich für eine Wiederinbetriebnahme der Eisenbahn im Libanon einsetzt, hat sich am Tag danach auf dem Gelände umgesehen. Die vorgelagerte Remise, derzeit als Disko und Nachtklub verwendet, hat die Wucht der Druckwelle aufgefangen, ihr Dach ist auf der Seite des Hafens weitgehend zerstört. Am Bahnhofsgebäude selbst wurde ebenfalls das Dach in Mitleidenschaft gezogen, zudem sind die Fenster und Türen eingedrückt worden. Das Gebäude selbst sei von seiner Struktur her intakt, schrieb Choueiry. Verletzte habe es keine gegeben.

Wenige Tage zuvor hielt die Schweizer Botschafterin im Libanon, Monika Schmutz Kirgöz, vor dem Bahnhof ihre 1. August-Ansprache. Im Video, das unter https://vimeo.com/438192745 zu sehen ist, werden auch die vor sich hin rostenden SLM-Lokomotiven gezeigt. «Die alten Züge sind ein Symbol für Libanons Vergangenheit und, wenn ich so sagen darf, für einige der verpassten Chancen dieses Landes», so Schmutz Kirgöz wörtlich. Weiter ist im gut 5-minütigen Film die Remise zu sehen und Schmutz Kirgöz weist darauf hin, dass die darin installierte Bar auf einer Liste der besten Bars der Welt geführt werde.

Fotos: Eddi Choueiry, Text: Lorenz Degen

Im EA 8/20 ist der Artikel 125 Jahre Libanonbahn Beirut – Damaskus von Lorenz Degen auf S. 346–350 publiziert.

31 Jul

Le Locle – Les Brenets, kleiner Rückblick

Triebwagen 5 im Frühjahr 1970 in Le Locle

Im Anschluss an den aktuellen Bericht, hier ein paar ältere Fotos von der eher wenig bekannten, 4,3 km kurzen Strecke, zusammen mit ein paar Angaben, zusammengestellt aus dem Kapitel CMN des Standartwerks von Peter Willen, Lokomotiven der Schweiz, Schmalspur Triebfahrzeuge, Orell Füssli Verlag 1972.

Triebwagen 3 an der typischen Abfahrtshaltestelle in Le Locle, 29. 9. 1979

«Die Bahn Régional des Brenets verdankt ihre Entstehung dem Umstand, dass die 1857–1859 entstandenen Hauptlinien das durch seine Lage an den Doubs-Fällen bekannte Dorf Les Brenets nicht berührten. Nach verschiedenen Anläufen, unter anderem für die Errichtung einer Pferdebahn nach Le Locle, konnte die Linie schliesslich 1890 als Schmalspurbahn verwirklicht werden (Eröffnung 1.9.1890). Der Geschäftsgang dieser Linie war zwar nicht gerade dividendenträchtig, aber doch wesentlich besser als bei der PSC (Les Ponts-de-Martel–La Chaux-de-Fonds), was auf den meist sehr starken Ausflugsverkehr zu den Doubs-Fällen zurückzuführen ist. 1908 wurde die Elektrifizierung ernstlich erwogen, aus finanziellen Gründen aber fallengelassen. 1942 wurde die Betriebsleitung mit der Tramway de la Chaux-de-Fonds zusammengelegt.»

BDe 4/4 3 im damals neuen Anstrich bei Le Locle, le Châlet, 1. 8. 1981
Bei Le Châlet, 1. 8. 1981

«Da die Anlagen erneuerungsbedürftig wurden und ein grosser Passivsaldo zu sanieren war, beschloss der Kanton die Übernahme und Zusammenlegung mit der PSC (Gründung Chemins de fer des Montagnes Neuchâteloises CMN 1.1.1947). Die beiden Linien wurden technisch durchgreifend saniert (Elektrifizierung ex-RdB mit Gleichstrom 1500 V: 1.7.1950).»

BDe 4/4 3 in Les Brenets, 8. 7. 1979
BDe 4/4 3 in Les Brenets, 8. 7. 1979

«Auf den Zeitpunkt der Aufnahme des elektrischen Betriebes gelangten für beide CMN-Strecken 5 Triebwagen CFe 4/4 1-5 und 2 zugehörige Steuerwagen Bt 11, 12 zur Ablieferung. Die wagenbaulichen Teile wurden aus Preisgründen in Italien beschafft (Officine Meccaniche Reggiane); die Fahrmotoren stammen von der italienischen BBC-Tochter TIBB , die elektrische Ausrüstung üblicher Bauart von SAAS. Die Fern- und Vielfachsteuerung gestattet die Bildung von Pendelzügen BDe 4/4/Bt und den Einsatz von 2 Triebwagen in Doppeltraktion. Einsatz: BDe 4/4 1, 2, 4 und Bt 11  = PSC, BDe 4/4 3,5 und Bt 12 = RdB.»

BDe 4/4 3 bei der Ausfahrt in Les Brenets, 8. 7. 1979

Im Gegensatz zur Strecke Le Locle–Les Brenets erhielt die Strecke Les Ponts-de-Martel–La Chaux-de-Fonds 1991/1996 neues Rollmaterial.

Alles Fotos: C. Ammann

27 Jul

Le Locle–Les Brenets wird 2025 elektrischer Bus

Les Brenets, 26.7.2020, Foto: M. Grädel

Der Kanton Neuchâtel hat seit 2019 zusammen mit dem BAV und TransN verschiedene Zukunftsszenarien für die Schmalspurbahn Le Locle–Les Brenets untersucht. Die Varianten reichten von einem Umbau auf Normalspur bis zur Umwandlung in einen elektrischen Bus.

BDe 4/4 5 am 26. 7. 2020 in Les Brenets. Foto: M. Grädel

Gemäss einer Information von ARCINFO haben sich nun Bund und Kanton darauf geeinigt, die Regionalbahn Ende 2023 einzustellen und auf einen elektrisch betriebenen Bus umzustellen, der 2025 in Betrieb genommen werden soll. Zwischen dem Bahnhof Le Locle und der Haltestelle Les Frêtes wird das bisherige Bahntrassee asphaltiert und als Eigentrassee für den Bus genutzt, der 700 m lange La Combe-Monterban-Tunnel entsprechend angepasst. Anschliessend fährt der Bus auf der Kantonsstrasse zum heutigen Endbahnhof Les Brenets und kann danach ins Dorf hinunter weitergeführt werden. Auch eine Verlängerung nach Villers-le-Lac würde von Schweizer Seite aus gewünscht. Das Trassee Les Frêtes–Les Brenets mit zwei kleinen Tunnels könnte allenfalls als Veloweg weiterverwendet werden. Die Technologie für den Batteriebetrieb der Busse mit 12 m Standartlänge muss noch definiert werden. Gemäss dem zuständigen Neuenburger Staatsrat wird das Vorhaben durch den Bahninfrastrukturfonds (BIF) bezahlt, womit dieser erstmals eine Umstellung auf Strassenverkehr finanziere.

Les Frêtes, 26. 7. 2020. Foto: M. Grädel
Les Brenets, 26. 7. 2020, Fotos: M. Grädel
23 Jul

Litauen (2)

Von José Banaudo, Nizza

In dieser vorletzten Folge über die Baltikumreise im September 2019 widmen wir uns den internationalen Verbindungen von Litauen Richtung Russland und Weissrussland, ferner noch kleineren Diesel- und Rangierfahrzeugen, bevor wir uns dann in der letzten Folge dem schweren Güterverkehr zuwenden werden.

Auf dem Dachgiebel des Bahnhofs von Vilnius steht der «Geležinis Vilkas», der eiserne Wolf, der dem Grossfürsten Gediminas in einem Traum erschienen war und ihn dazu bewog, im 14. Jahrhundert Vilnius als Hauptstadt Litauens zu gründen.

Auf äusseren Nebengleisen des Bahnhofs Vilnius sehen wir verschiedene historische Fahrzeuge der Staatsbahn Lietuvos Geležinkeliai (LG, neu LTG, EA 8/20), unter anderem diesen Dieseltriebwagen ER9m 380, aus einer ab 1976 von RVR Rīga gebaute Serie aus sowjetischer Zeit.

Hier sehen wir im Bahnhof Vilnius einen doppelstöckigen Triebwagen von Škoda, EJ 575 der LTG, einen Stadler-«Flirt» EPr der weissrussischen Belaruskaja tschyhunka ( (BTsch) und die zwölfachsige 2M62-0003, Doppellokversion der berühmten sowjetischen Taigatrommeln.

Der hinterste Perron des Bahnhofs Vilnius ist eingezäunt und kann nur nach erfolgter Pass-und Zollkontrolle betreten werden. Er ist für die internationalen Verbindungen Richtung Russland und Weissrussland über den Grenzbahnhof Kena bestimmt. Drei tägliche Zugpaare verbinden Vilnius und Minsk. Die Hauptstädte Litauens und Weissrusslands liegen etwa 175 km weit auseinander.

Diese Verbindungen werden mit den litauischen Škoda-Triebwagen EJ 575 und den weissrussischen Stadler «Flirt» abgewickelt, wie hier der EPr 008, den wir bei unserem Besuch antrafen. 18 Triebwagen mit wahlweise 4 bis 7 Elementen waren zwischen 2011 und 2015 von Stadler Polska im polnischen Siedlce, später im neuen, 2014 eröffneten Stadler-Werk in Fanipal (Weissrussland) gebaut worden. 10 weitere Züge werden  zwischen 2020 und 2021 geliefert.

Ganz im Hintergrund rechts erkennt man die Denkmal-Dampflokomotive 150 L 0236, links verschiedene Fahrzeuge des Eisenbahnmuseums. Wie in Rīga war es uns wegen der sehr eingeschränkten Öffnungszeiten nicht möglich, das Eisenbahnmuseum zu besuchen.

Das tägliche Hauptereignis im Bahnhof Vilnius ist die Ankunft des «Moskauer Zugs»! Der Express 029 Moskau–Kaliningrad via Minsk und Vilnius ist sozusagen die Nabelschnur zwischen der russischen Exklave an der Ostsee und dem Mutterland. Wir hofften, an der Spitze dieses Zugs eine weissrussische E-Lok zu sehen. Es wäre die einzige elektrische Lokomotive gewesen, die wir in zwei Wochen zu Gesicht bekommen hätten. Aber nein: Die sechsachsige, litauische Diesellok TEP70-0235 hatte den Zug in Kena übernommen.

Die LTG besitzt 4 Exemplare dieser 1987 in der sowjetischen Lokomotivfabrik Kolomna gebauten Serie. Wir sind diesen dieselelektrischen 4000 PS-Lokomotiven in anderer Farbgebung bereits in Estland und Lettland begegnet, immer vor den Moskauer Zügen.

Auch von der modernisierten Version TEP70BS, gebaut ab 2006 in Kolomna, verfügen die LTG 4 Fahrzeuge. Der roten 001 begegneten wir hier zufällig an der Spitze des Expresszugs 425 Tscheliabinsk–Kaliningrad. Wir hatten ihn nicht am Montag erwartet, denn normalerweise verkehrt er in Vilnius sonntags. Zweifellos waren die Verkehrstage dieses wöchentlichen Zuges zwischen dem Ural und dem Baltikum seit jener Zeit geändert, als wir die Reise vorbereitet hatten!

Kaliningrad ist mit Moskau mit dem täglichen, wie auch mit einem dreimal wöchentlichen Expresszug verbunden, ferner wöchentlich einmal mit Tscheliabinsk im Ural, mit Adler (bei Sotschi am Schwarzen Meer) und etwa alle zwei Tage an im Fahrplan festgelegten Daten mit Kiew.

Hier sind wir im Westen von Vilnius im Bahnhof Lentvaris, wo sich die Strecken nach Kaunas und nach Marcinkonys verzweigen. Pünktlich durchfährt der Express Kaliningrad–Moskau hinter zwei sechsachsigen TEP70BS, den Bahnhof.

Im Westen des Bahnhofs Vilnius bietet eine Strassenbrücke einen weiten Panoramablick auf die Depots der Dieselloks und Dieseltriebwagen. Die Gleise der Rotunde beherbergen eine schöne Auswahl von Diesellokomotiven aus Woroschilowgrad in der sechsachsigen Version M62 oder als Doppellokomotiven 2M62.

Links sehen wir die schweren, sechsachsigen Rangierlokomotiven TEM2-148, eine sowjetische, dieselelektrische Serie mit 1200 PS,  die zwischen  1960 und 2000 in über 6200 Exemplaren in den Werken von Briansk und Woroschilowgrad/Luhansk gebaut worden ist. Die hier abgebildete Lok steht im Dienst der litauischen Filiale der deutschen Firma CTL Logistics in Berlin. Diese Lokmotiven bringen auch die Weltraumraketen zu den Abschussanlagen des Kosmodroms Baikonur in Kazachstan!

Von der erwähnten Strassenüberführung sehen wir die sechsachsige, dieselelektrische TEM-TMH 021, die einen Hilfszug im Vorbahnhof von Vilnius rangiert. Sie gehört zu einer Serie von 71 Lokomotiven, gebaut zwischen 2009 und 2015 durch die russische Gruppe Transmaschholding in Briansk nach Plänen der tschechischen Gesellschaft CZ Loko, mit einem 1200 PS-Motor von Caterpillar de 1200 ch und einem elektrischen Antrieb von Siemens. Die Endmontage erfolgte in Litauen in den VLRD-Werkstätten des Depots Vilnius (Vilniaus lokomotyvų remonto depas).

In der Umgebung von Kaunas verlässt ein langer Güterzug den Rangierbahnhof Palemonas Richtung Vilnius. Die Bespannung ist ungewöhnlich, eine sechsachsige Transmaschholding TEM-TMH 025, gefolgt von einer 12-achsigen Woroschilowgrader 2M62-386.

Auf der Suche nach dem Weg in ein Torfwerk treffen wir zufällig auf  diesen Dieseltraktor TGM23-1712 des Getreide-Anschlussgleises von Linas Agro in Rėkyva. Dieses dreiachsige, dieselhydraulisch Fahrzeug mit Stangenantrieb hat einen 750 PS-Motor. Es wurde in einigen hundert Exemplaren ab 1963 durch das Lokomotivwerk Murom produziert und in die ganze Sowjetunion geliefert.

Auf der Gemeinschaftsstrecke Šiauliai–Radviliškis im Zentrum  Litauens rangiert eine Kran-Draisine DGKu 242 einen Zug mit Aushubwagen im Bahnhof Šilėnai, wo ein grosses Oberbaumateriallager besteht.

Wie in den andern baltischen Staaten trifft man in Litauen in einigen grossen Bahnhöfen auf Dampflokdenkmäler, so auch in Vilnius die L 0236 als Vertreter der meistgebauten Dampflokserie in der Sowjetunion der Nachkriegszeit. Zwischen 1945 und 1955 wurden fast 4200 Lokomotiven in Woroschilowgrad, Kolomna und Briansk gebaut.

In der nächsten, letzten Serie über die Baltikumreise im September 2019 entdecken wir noch den schweren Güterverkehr in Litauen.

Alle Fotos: J. Banaudo

Übersetzung: C. Ammann

22 Jul

Litauen (1)

Von José Banaudo, Nizza

Auf unserer Reise im September 2019 folgt nun Litauen, die südlichste der drei baltischen Republiken. Litauen grenzt an Weissrussland, Polen und als geopolitische Besonderheit an die russische Exklave Kaliningrad. Hier handelt es sich um die einst deutsche Stadt Königsberg im nördlichen Ostpreussen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs von der Sowjetunion annektiert und als eisfreie Marinebasis an der Ostsee ausgebaut wurde. Seit Auflösung der Sowjetunion ist Kaliningrad ein für Russland strategisch sehr wichtiges Gebiet, vollständig umgeben von NATO-Staaten. In der nächsten Folge zeigen wir den für das Kaliningrader Gebiet lebenswichtigen Transitverkehr durch Litauen.

Litauen besitzt ein Eisenbahnnetz von 1749 km Länge in der russischen Breitspur 1520 mm. Davon sind nur 122 km mit 22 kV 50 Hz Wechselstrom elektrifiziert. Die litauische Staatsbahn LIETUVOS GELEŽINKELIAI (LG) hat seit 10 Juli 2020 die neue Abkürzung LTG und ihre drei Sparten tragen die Farben der Nationalflagge: LTG Link (Personenverkehr,  rot),  LTG Cargo (Güterverkehr, gelb) und LTG Infra (grün), sh. EA 8/20. In unserem Reisebericht begegnen wir aber noch dem Zustand von September 2019..

Wie bereits früher festgestellt, herrscht unter den baltischen Staaten kein sonderlich reger internationaler Reiseverkehr, und auch in Litauen ist die elektrische Traktion nur um die Hauptstadt Vilnius anzutreffen, auf den Strecken nach Kaunas (zweitgrösste Stadt Litauens), nach Kena (Grenzbahnhof nach Weissrussland) und auf der Vorortsstrecke nach Trakai.

Der «Weisse Ritter», «Vytis» (=der Verfolger), Symbol des Grossfürstentums Litauen seit dem 13. Jahrhundert, prangt auch auf verschiedenen Triebwagen und Lokomotiven der Staatsbahn.

Die einzigen elektrischen Triebfahrzeuge der LTG (wir benützen nun doch die neue Abkürzung) sind heute 13 zwei- oder dreiteilige Doppelstock-Triebwagenzüge der Serie EJ 575, gebaut von Škoda zwischen 2008 und 2016. Im Bahnhof Vilnius, wo eine grosse Passerelle einen herrlichen Fotostandort abgibt, sehen wir den EJ 575 012 neben dem Dieseltriebzug DR1AMv 5002 988, der mit dem Steuerwagen an der Spitze unterwegs ist.

Etwas anders ist die Lackierung des Škoda EJ 575 002, der hier im Bahnhof Palemonas als Regionalzug nach Vilnius abfährt. Dieser Bahnhof im Vorortsbereich von Kaunas war im Zeitpunkt unseres Besuchs Endstation der Züge aus Vilnius, weil im Raum Kaunas wegen des Baus der normalspurigen «Rail Baltica»-Verbindung die Bahnanlagen durchgreifend umgebaut werden.

Die Vollendung dieses von der EU unterstützten Projekts ist für 2026 vorgesehen. Es umfasst eine doppelspurige, elektrifizierte Neubaustrecke von Białystok (Polen) über Kaunas (Litauen), Rīga (Lettland) nach Tallinn (Estland) mit Abzweigungen nach Vilnius und zum Flughafen von Rīga. Ein weiteres Projekt betrifft die Verlängerung durch einen Tunnel unter dem Finnischen Meerbusen nach Helsinki.

Im Depot von Vilnius sind 5 Dieseltriebwagenserien vertreten: Von links nach rechts: ein einteiliger 620M, zweiteilige 630MIL, Triebzüge DR1A und DR1AM, sowie ein dreiteiliger 730ML.

Zwischen Vilnius und Daugavpils in Lettland fahren die Züge nur samstags und sonntags über die Grenze ! Unter der Woche enden die litauischen Züge im litauischen Grenzbahnhof Turmantas oder in Ignalina. In diesem letzteren Bahnhof kreuzt Zug 667 Turmantas–Vilnius mit dem Dieseltriebzug DR1AM 9003 003 den Zug 668 der Gegenrichtung mit dem DR1AMv 9002 831. Diese Züge, von welchen wir in früheren Folgen auch die lettische Version gezeigt habe, wurden ab 1973 von Rīgas Vagonbūves Rūpnīca RVR gebaut.

Der Dieseltriebzug RVR DR1AM 9004 511 mit seinem sehr kantig-klobigen Führerstand steht hier im fast leeren Bahnhof Kaunas, wo der Bahnbetrieb wegen der Bauarbeiten für «Rail Baltica» weitgehend ruhte.

2008 hat die Litauische Staatsbahn 4 Dieseltriebwagen des Typs RA2 erhalten, die in Russland von Metrovagonmasch in Mytischtschi gebaut wurden, nach dem Vorbild von an Russland und die Mongolei gelieferten Fahrzeugen. Ausgerüstet mit zwei 470 PS-Motoren und einem hydraulischen Voith-Antrieb, sind zwei der Fahrzeuge zweiteilig, wie hier der 9003 401 im Bahnhof Šilėnai zwischen Siauliai und Radviliškis.

Die zwei andern russischen Metrovagonmasch RA2-Dieseltriebwagen der LTG sind dreiteilig, wie hier der 9003 301 als Zug Klaipėda–Radviliškis bei der Abfahrt in Tryškiai.

Die 2009 mit 12 Exemplaren von der polnischen PESA aus Bydgoszcz gelieferten, einteiligen 620M haben einen 430 PS-Motor. Hier der 620M 022 bei einer Kreuzung mit einem RA2 im Bahnhof Šilėnai.

Der Dieseltriebwagen PESA 620M 020 fährt in Klaipėda (dem früheren Memel) Richtung Radviliškis ab. Links im Bild, wie in verschiedenen Bahnhöfen im Baltikum, eine Denkmallok, eine sowjetische Dampflok der Serie L, hier die 1160. 

Der zweiteilige Dieseltriebwagen 630MIL 005 rangiert hier in der Ausfahrt des Depots Vilnius. Er gehört zu einer Serie von drei Fahrzeugen, die 2013 von der polnischen PESA geliefert wurden.

Der dreiteilige PESA-Triebwagen 730ML 005 eilt als Schnellzug Vilnius–Klaipėda durch den Bahnhof Lentvaris im Vorortsgebiet von Vilnius. Sieben Fahrzeuge dieses Typs wurden 2016 geliefert. Man beachte die verstärkte Führerkabine im Vergleich zur zweiteiligen Version 630MIL. 

Im Gegensatz zu seinen Nachbarn hat Litauen seit der Aufhebung des Betriebs in Klaipėda 1967 keine Strassenbahn mehr. Aber in Litauen gibt es drei Standseilbahnen : Einen modernen, 2003 in Vilnius eröffneten Schrägaufzug und zwei konventionelle Betriebe in Kaunas. Diese Stadt war von 1920–1940 die provisorische Hauptstadt des unabhängigen Litauens, nachdem Polen das damals mehrheitlich polnisch besiedelte Vilnius, Wilno, annektiert hatte.

Die Standseilbahn von Aleksotas im Süden der Stadt fährt auf einen Hügel am linken Ufer des Flusses Nemunas (deutsch Memel). Die meterspurige, 133 m lange Bahn wurde 1935 eröffnet. Die elektrische Ausrüstung lieferte die deutsche AEG, die Antriebsmotoren und die beiden Wagen die im Standseilbahnbau bekannte Schweizer Firma Theodor Bell in Kriens.

Die Standseilbahn von Žaliakalnis (deutsch: Kaunas–Grüner Baum) fährt auf einen Hügel im Norden der Altstadt von Kaunas, wurde 1931 eröffnet, ist 142 m lang, hat die eher seltene Spurweite von 1200 mm und wurde ebenfalls von der Firma Theodor Bell gebaut. Die beiden Bahnen sind übrigens auch im Standartwerk «Schienenseilbahnen in aller Welt» von Walter Hefti, 1975 zu finden, allerdings mit etwas abweichenden Daten und mit dem Vermerk: «Schicksal unbekannt»… Die Spurweite 1200 mm kam bspw. in der Schweiz bei früheren Standseilbahnen in St. Gallen (Mühlegg), Rheineck–Walzenhausen und in Frankreich (Le Havre, Rouen) zur Anwendung, um gegenüber der Meterspur bei engen Kurven mehr Platz für Seilrollen und Bremszahnstangen zu haben.

In den zwei letzten Folgen geht es um den internationalen Reise- und den Güterverkehr in Litauen.

Alle Fotos: J. Banaudo

Übersetzung: C. Ammann

21 Jul

Daugavpils – als noch die RVZ-6 fuhren

Der vorherige Blog über die Trams von Daugavpils hat mich motiviert, in meinem Bildarchiv nach eigenen Bildern zu suchen, die bei einer Korrespondentenreise von «Today’s Railways» am 17. Mai 2008 entstanden sind. Damals waren auf den drei Linien in Daugavpils nicht nur die T3D aus Schwerin, die klobigen KTM-5A mit ihren Schiebetüren (…), sondern auch noch die RVZ-6 im Einsatz.

Ganz typisch war bei den RVZ-6, dass meistens der Stangenstromabnehmer des vorderen Fahrzeuges unten und jener des hinteren Fahrzeugs oben war, im Gegensatz zu den T3D-Zügen aus Schwerin und den Tatra-Zügen in Rīga.

Die meisten dieser Bilder entstanden im romantischen Abschnitt in der Maizes iela, unweit des Bahnhofs Daugavpils
Tramwagen 64 fährt aus der Maizes iela in die Bahnhofstrasse Stacija iela ein…
…und hier geht es wieder zurück in der Wendeschlaufe Richtung Maizes iela hinunter.

Wer sich für die Thematik der von den amerikanischen PCC-Wagen abgeleiteten oder inspirierten Trams interessiert, findet dazu einige Angaben und Fotos im Bericht Tramverkehr über den «grossen Teich» im EA 7/11.

Alle Fotos: C. Ammann

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